Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan eskaliert
17. März 2026
Im Schatten des Iran-Kriegs eskaliert zeitgleich der bewaffnete Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan. Auslöser der jüngsten Eskalation sind nach pakistanischen Angaben zunehmende Angriffe durch die Terrororganisation der pakistanischen Taliban TTP. Sie sollen vom afghanischen Boden aus ihre Operationen in Pakistan geplant haben. Die Taliban-Regierung in Kabul weist diese Vorwürfe zurück und bestreitet, dass sich TTP-Stützpunkte in Afghanistan befinden.
Die TTP-Terroristen behaupten, unabhängig von den Taliban in Afghanistan zu sein. Sie würden andere Ziele verfolgen, zum Beispiel die Regierung in Islamabad zu stürzen.
Jüngst erweiterte Pakistan seine Luftangriffe. Die Ziele waren nicht mehr ausschließlich mutmaßliche TTP-Ziele. Am Dienstag (17.3.26) meldete Afghanistan 400 Tote bei einem pakistanischen Luftschlag auf eine Entzugsklinik für Drogenabhängige in der Hauptstadt Kabul. Pakistan wies die Meldung zurück.
Anfang März wurde auch der ehemalige US-Stützpunkt in der nordafghanischen Stadt Bagram bombardiert, der fast zwei Jahrzehnte lang vom US-Militär genutzt worden war. Nach Berichten und der Auswertung von Satellitenbildern wurden ein Hangar sowie zwei Lagerhallen zerstört. Die Taliban erklärten hingegen, der Angriff sei abgewehrt worden. Und die Basis habe keinen Schaden genommen.
Taliban und Pakistan waren ziemlich beste Freunde
Seit der Gründung der Terrorgruppe 1994 unterhielten die Taliban in Afghanistan enge Verbindungen zu Pakistan. Als sie von 1996 bis 2001 in Afghanistan an der Macht war, war Pakistan eines der drei Länder, die das Regime diplomatisch anerkannten. Teile des pakistanischen Militärs und Geheimdienstes hatten die Regierung in Kabul finanziell, logistisch und politisch unterstützt. Nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 marschierten die US-Streitkräfte in Afghanistan ein. Das Regime wurde gestürzt.
Nach der erneuten Machtübernahme durch die Taliban 2021 in Afghanistan galten die Beziehungen zunächst als eng. Hochrangige Vertreter des pakistanischen Sicherheitsestablishments reisten regelmäßig nach Kabul. Pakistan setzte sich international dafür ein, eine vollständige internationale Isolation Afghanistans zu vermeiden.
Allerdings machte Islamabad in den vergangenen Monaten den Taliban den Vorwurf, nicht konsequent gegen die Terrorgruppe TTP vorzugehen. Die Taliban bestreiten wiederum, pakistanische Aufständische aktiv unterstützt zu haben, und lehnen militärische Schritte gegen die TTP ab.
"Existenzielle Bedrohung" für Pakistan
Die jüngsten Angriffe seien sicherheitspolitisch notwendig, sagt Huma Baqai, Expertin für internationale Beziehungen in Pakistan. Der Anstieg der TTP-Angriffe in Pakistan habe Islamabad zu Luftangriffen gezwungen. Es handele sich um eine "existenzielle Bedrohung".
Eine direkte militärische Unterstützung durch die USA habe es zwar nicht gegeben, sagt Baqai im DW-Interview. "Pakistan muss die Zustimmung von Washington eingeholt haben, seine militärischen Operationen fortzusetzen." Die zeitliche Nähe zu den Entwicklungen im Nahost habe dazu geführt, dass die pakistanischen Luftangriffe nicht die internationalen Schlagzeilen dominieren würden, sagt der frühere afghanische Botschafter in China, Sultan Ahmad Baheen.
Der Angriff auf Bagram sei auch ein politisches Signal wie ein "Yes, sir" an US-Präsident Donald Trump, sagt Sardar Rahimi, Forscher für internationale Beziehungen an der Inalco-Universität in Paris. Pakistan sei bereit, sicherheitspolitische Aufgaben in Afghanistan zu übernehmen und sich im Sinne amerikanischer Interessen in der Region zu positionieren.
US-Außenminister Marco Rubio hatte letzte Woche Afghanistan zum "Unterstützer von ungerechten Festnahmen". Washington erklärt und wirft der Taliban-Regierung vor, Amerikaner sowie andere Ausländer unrechtmäßig festzuhalten, um politischen Druck zu erzeugen.
Pakistan wolle aber kein vollständig stabiles und unabhängiges Afghanistan, sondern eine politische Konstellation in Kabul, die auf Islamabad angewiesen bleibe, sagt Ex-Botschafter Baheen.
Mitarbeit: Shakeela Ebrahimkhel, Waheed Ahmady, Haroon Janjua