Bischof Bätzing: "Wir zuerst" bringt keinen weiter
25. Dezember 2025
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat zu Weihnachten vor einer zunehmenden gesellschaftlichen Abschottung gewarnt. Alle trügen eine Mitverantwortung für die Lebensbedingungen heutiger und künftiger Generationen, sagte er in seiner Predigt im Limburger Dom. Egoistischer Nationalismus und ein Denken nach dem Motto "Wir zuerst" widersprächen der christlichen Botschaft.
Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt ließen sich nur stärken, wenn Solidarität gelebt werde - "zwischen Generationen, zwischen Starken und Schwachen, Gesunden und Kranken", so Bätzing weiter. Zu der Verantwortung der Menschen gehöre ferner der Kampf gegen den Klimawandel. Weihnachten stehe für einen "radikalen Gegenentwurf zu Macht, Gewalt und Gleichgültigkeit", erklärte der katholische Bischof. Diese Botschaft wirke bis heute.
"Schwester des großen Friedens ist Freundlichkeit im Alltag"
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, betonte, Frieden beginne im Kleinen. "Die Schwester des großen Friedens ist die Freundlichkeit im Alltag", sagte die Hamburger Bischöfin in ihrer Weihnachtsbotschaft. Jeder könne sich in seinem Umfeld freundlich seinen Mitmenschen zuwenden.
Bereits im Vorfeld des Weihnachtsfestes hatten sich die Kirchenspitzen in Deutschland mit politischen Botschaften öffentlich zu Wort gemeldet. "Kirche muss politisch sein, denn die Botschaft des Evangeliums ist politisch", wies Bätzing im Zweiten Deutschen Fernsehen darauf hin.
Dabei wolle die Kirche keine Alltagspolitik betreiben. Vielmehr sei es der Kirche wichtig, "Orientierung zu geben in bestimmten Fragestellungen", erläuterte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz. So habe die Bischofskonferenz im vergangenen Jahr ein Papier zur Friedenspolitik zur Diskussion gestellt. Im kommenden Jahr werde ein Papier zum Verhältnis von Christen und Muslimen veröffentlicht.
"Humanität in der Asylpolitik"
Die EKD-Ratsvorsitzende Fehrs mahnte an, Humanität in der Asylpolitik zu wahren und plädierte für eine bessere Steuerung der Zuwanderung. Rückführungszentren außerhalb Europas lehnte sie ab.
Zum Thema Integration sagte Fehrs: "Und was nicht geht, ist, dass Menschen mit Migrationshintergrund, auch solche aus der zweiten oder dritten Generation, pauschal als Bedrohung hingestellt werden." Das seien Menschen, ohne die "zum Beispiel unsere Pflegeheime gar nicht funktionieren würden". Sie nehme es zugleich sehr ernst, wenn aus den Kommunen zu hören sei, dass sie an ihre Belastungsgrenzen stießen.
se/haz (epd, kna, afp, dpa)