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Bayreuth: Gedenkveranstaltung soll nun doch stattfinden

19. Juni 2026

Die von den Bayreuther Festspielen zwischenzeitlich abgesagte Gedenkveranstaltung mit Michel Friedman soll doch stattfinden. Festspielleiterin Katharina Wagner und der jüdische Publizist haben sich ausgesprochen.

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Eine Frau fotografiert das Bayreuther Festspielhaus.
Die Bayreuther Festspiele feiern in diesem Jahr ihr 150-jähriges JubiläumBild: Daniel Vogl/dpa/picture alliance

Die Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, habe Michel Friedman um Entschuldigung gebeten und ihn erneut zu den Festspielen eingeladen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") am Donnerstag. Die Bayreuther Festspiele bestätigten dies gegenüber der DW. Nach einiger Überlegung habe er zugesagt, sagte der Publizist und ehemalige Vize-Vorsitzende des Zentralrats der Juden auf Anfrage der "SZ".

"Ich nehme ihre persönliche Bitte um Entschuldigung gerne an. Wenn sich jemand bewegt, sollte man sich mitbewegen", ergänzte Friedman zur Begründung. Er finde Wagners "Worte des Bedauerns an mich ernsthaft und glaubwürdig".

Eine Frau mit blonden Haaren (Katharina Wagner) vor einem Mikrofon.
Festspielleiterin Katharina WagnerBild: Armin Weigel/dpa/picture alliance

Festspielleiterin Katharina Wagner bat zunächst per Telefon für die "Fehleinschätzungen" der Festspiele und die "fatalen Nachrichten" um Entschuldigung. Sie sicherte Friedman zudem später in einem Brief zu, die Veranstaltung wie ursprünglich geplant abhalten zu wollen. Es sei ihr wichtig, "der schrecklichen Dinge zu gedenken, mit denen die Festspielgeschichte fatal verknüpft ist".

Anlässlich des 150-jährigen Bestehens hatte die Leitung für die Festspieleröffnung am 26. Juli ein Gedenkkonzert geplant. Dazu sollte Friedman über Antisemitismus, den Komponisten Richard Wagner und die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Bayreuther Festspiele sprechen. Doch die Matinee wurde vor wenigen Tagen abgesagt: Zusätzlich zur Eröffnungsoper "Rienzi“ mit zahlreichen prominenten Gästen könne man sie wegen des Sicherheitsaufwandes nicht stattfinden lassen, so die Begründung der Festspielleitung.

Friedman reagierte empört. Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen zu streichen, sei "in einer Demokratie der Tod durch Selbstmord“, hatte der Publizist der "Süddeutschen Zeitung" dazu gesagt. Die Ernsthaftigkeit, sich mit dem Antisemiten Wagner auseinanderzusetzen, sei durch die Absage ad absurdum geführt.

Porträt von Michel Friedman in dunkler Kleidung.
Michel Friedman wird nun doch in Bayreuth sprechenBild: Bernd Wüstneck/dpa/picture alliance

Doch es gab Indizien, die die offizielle Begründung der Absage zweifelhaft erschienen ließen. So hatten sowohl das Polizeipräsidium Oberfranken als auch die Stadt Bayreuth gegenüber der DW verneint, in Sicherheitsüberlegungen involviert gewesen zu sein. Auch war der Vorverkauf für die Veranstaltung noch nicht gestartet; zudem gab der für das Konzert vorgesehene Dirigent Christian Thielemann in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bekannt, er habe schon frühzeitig aus Termingründen absagen müssen.

Michel Friedman sagte dazu gegenüber der DW: "Das Ganze ist für mich eine Fata Morgana. Ich weiß nicht, was dahintersteckt, aber ich glaube, es wurde alles abgesagt und der einzige, den sie dabei vergessen haben, bin ich." Nun soll die Gedenkveranstaltung also doch stattfinden, allerdings mit einem anderen Dirigenten.

ka/ses (mit epd)