Börsen weiter im Panik-Modus | Wirtschaft | DW | 12.03.2020
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Coronavirus

Börsen weiter im Panik-Modus

Seit Tagen geben die Börsen weltweit dramatisch nach - wegen der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Ausbreitung. In Deutschland durchbrach der Dax am Donnerstag eine wichtige Grenzmarke.

Die um sich greifende Covid-19-Krise hat den deutschen Aktienindex Dax zum ersten Mal seit Juli 2016 wieder unter die Marke von 10.000 Punkten gedrückt. Der deutsche Leitindex stürzte am Donnerstag gleich zum Handelsauftakt um 5,5 Prozent auf 9.864 Punkte. Im Tagesverlauf weiteten sich die Verluste aus, nach der Zinsentscheidung der EZB betrug das Minus zehn Prozent. 

Seit dem Start des Corona-Crashes in der letzten Februarwoche hat der Dax inzwischen mehr als ein Viertel eingebüßt. Mitte Februar notierte er noch bei 13.795 Punkten.

Mit seinem überraschenden Einreisestopp für Europäer schickt US-Präsident Donald Trump die Wall Street auf eine erneute Talfahrt. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial rutschte um 7,20 Prozent ab. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 7,02 Prozent abwärts. Den Regeln der US-Börse zufolge wurde der Handel für 15 Minuten ausgesetzt. Danach ging es weiter bergab bis zu neun Prozent - das größte prozentuale Minus seit 32 Jahren. 

"Das ist nicht nur die Angst vor einer Konjunkturschwäche", sagte Aktienhändler Dennis Dick vom Brokerhaus Bright Trading. Investoren befürchteten, dass die Weltwirtschaft am Rande des Kollapses und einer zweiten Finanzkrise stehe." Börsianer äußerten sich außerdem enttäuscht, dass Trump bislang keine Details zu dem von ihm angekündigten Konjunkturprogramm vorgelegt habe. Offenbar gebe es parteipolitisches Gezänk im US-Kongress, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. "Zu einem derart kritischen Zeitpunkt ist das unverzeihlich. Während die Welt von den USA Führungsstärke erwartet, streiten sich ihre Politiker wie die Kesselflicker."
 
Deutsche Bank, Lufthansa und Kupfer

Die Aktien der Deutschen Bank fielen auf das neue Rekordtief von 4,99 Euro, ein Minus von 16 Prozent. Seit dem Beginn des Abwärtstrends an den weltweiten Börsen Mitte Februar hat die Aktie die Hälfte an Wert verloren. Die größte deutsche Bank ist an der Börse gerade noch 14 Milliarden Euro wert.

Unter Druck gerieten auch Aktien der Airlines. Lufthansa brachen um 9,6 Prozent ein. Zuvor hatte das Unternehmen für April etwa 23.000 Flüge nach Europa, Asien und den Nahen Osten gestrichen.

Die Furcht vor einem Konjunktureinbruch setzte auch den Kupferpreis unter Druck. Das Industriemetall verbilligte sich um bis zu 2,2 Prozent auf 5.406 Dollar je Tonne. Damit ist es so günstig wie seit November 2016 nicht mehr. Auch der Ölpreis ging weiter in die Knie. 

Italien leidet weiter

"Die Aktienmärkte bleiben im Panikmodus", fasste Milan Cutkovic, Marktanalyst beim Brokerhaus AxiTrader, die aktuelle Lage zusammen. Neben dem US-Einreisestopp gab es schlechte Nachrichten aus Italien, dem in Europa am stärksten vom Coronavirus betroffenen Land. Dort hat sich die Lage verschärft.

Die Regierung ordnete am Mittwochabend nach einem starken Anstieg der Todesfälle weitere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus an und schließt Bars und Restaurants sowie fast alle Geschäfte. Nur Lebensmittelläden und Apotheken seien weiter geöffnet, erklärte Premierminister Giuseppe Conte. Alle nicht notwendigen Geschäftsaktivitäten müssten eingestellt werden. Alle Unternehmensabteilungen, die nicht für die Produktion unverzichtbar seien, müssten schließen.

dk/hb/bea (dpa, rtr, afp)

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