Automesse Shanghai: Willkommen in der Zukunft | Wirtschaft | DW | 16.04.2019
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Automobilindustrie

Automesse Shanghai: Willkommen in der Zukunft

In Shanghai hat die Automesse begonnen und die Branche blickt gebannt nach China. Hier entscheidet sich die Zukunft des Autos. Für deutsche Hersteller ist der größte Markt der Welt überlebenswichtig. Aber der schwächelt.

China Shanghai Automesse 2019 (Reuters/Aly Song)

Der chinesische Hersteller Geely zeigt in Shanghai sein E-Auto Geometry A

Kein anderer Absatzmarkt ist für die deutschen Autobauer so wichtig wie China. Volkswagen verkauft hier rund 40 Prozent seiner Autos, Mercedes 28 Prozent, BMW ein Viertel. Doch inzwischen gibt es eine Reihe von Entwicklungen, die auch deutsche Automanager nervös machen.

Da sind zum einen sinkende Absatzzahlen. Im vergangenen Jahr waren die Autoverkäufe in China erstmals seit 20 Jahren rückläufig - eine Folge des schwächeren Konjunktur, aber auch der Unsicherheit wegen des Handelskonflikts mit den USA.

Infografik Auto-Verkäufe in China im Jahr 2018 DE

Der Rückgang wird auch in diesem Jahr weitergehen, glaubt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center for Automative Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen. Er erwartet, dass 2019 in China insgesamt 22,3 Millionen Autos verkauft werden - das wären 1,1 Millionen Fahrzeuge weniger als im Vorjahr.

"Berücksichtigt man, dass im chinesischen Markt in den letzten Jahren mit kontinuierlichem Wachstum von jährlich fünf Prozent geplant wurde, ergibt sich für 2019 eine Überkapazität von nahezu fünf Millionen Neuwagen", so Dudenhöffer in einer aktuellen Einschätzung zur Automesse in Shanghai.

"Vorsichtig optimistisch"

Wie sehr das die Geschäfte der deutschen Hersteller belastet, muss sich zeigen. Im Vorjahr konnten sie noch gegen den Trend zulegen. Im laufenden Jahr wollen zumindest die Hersteller von Luxus-Autos das wiederholen.

China Shanghai Automesse 2019 (Reuters/Aly Song)

Wohin man auch schaut in Shanghai, man sieht elektrische SUV: Hier von Audi...

Bei Mercedes ist man "vorsichtig optimistisch", sagt der zukünftige Daimler-Konzernchef Ola Källenius; nach einem guten ersten Quartal erwartet er auch für das Gesamtjahr höhere Verkäufe. Auch BMW glaubt, seine Absätze in China in diesem Jahr steigern zu können. "Wir werden zwischen fünf und zehn Prozent in diesem stagnierenden Markt wachsen", erwartet BMW-Finanzchef Nicolas Peter.

Dagegen musste der Volkswagen-Konzern im ersten Quartal Absatzeinbußen hinnehmen, denn kleine und mittlere Fahrzeuge sind stärker von der aktuellen Kaufzurückhaltung betroffen. Entsprechend vorsichtig klingt Stephan Wöllenstein, der das China-Geschäft der Kernmarke VW leitet. "Wir sind derzeit noch in einer Schwächeperiode", so Wöllenstein zur DW. "Wir hoffen aber, ab Sommer eine deutliche Verbesserung zu sehen."

Elektrisch und voll-vernetzt

Ein schwächerer Markt ist aber nicht der einzige Grund zur Sorge. Hinzu kommt die wachsende Bedeutung von Elektroautos in China - ein Marktsegment also, in dem die Deutschen nicht sehr stark sind. Chinas Regierung schreibt Herstellern vor, dass zehn Prozent ihrer Verkäufe E-Autos sein müssen, und diese Quote wirkt. Im vergangenen Jahr wurden hier mehr als eine Millionen Elektroautos verkauft. In diesem Jahr werden es 2,2 Millionen E-Autos sein, im Jahr darauf dann mehr als drei Millionen, prognostiziert Ferdinand Dudenhöffer.

China Shanghai Automesse 2019 (Reuters/Aly Song)

... hier von Renault...

Auch bei der Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos ist China führend. "35 Prozent der weltweit produzierten Zellen kamen von den beiden großen chinesischen Konzernen CATL und BYD", so Dudenhöffer.

Hinzu kommt die Technik-Affinität chinesischer Kunden. "Kaufgrund Nummer eins bei den Chinesen ist 'Connectivity', also die Vernetzung des Autos", schreibt Dudenhöffer. Dagegen spielten in Europa und den USA vor allem Motor und Getriebe eine Rolle beim Kauf.

Dem autonomen Fahren stünden die chinesischen Kunden ebenfalls aufgeschlossener gegenüber als die Europäer, hinzu komme das technologische Knowhow von Firmen wie Huawei, die bei der Vernetzung und beim neuen Mobilfunkstandard 5G führend sind.

Lernen in China

Um hier nicht den Anschluss zu verlieren, gehen die deutschen Autobauer neue Partnerschaften ein. BMW lässt die Elektroversion des Mini vom chinesischen Hersteller Great Wall bauen. Daimler will den Kleinstwagen Smart künftig nur noch als E-Auto anbieten und hat dafür ein Joint Venture mit Geely gegründet, einem chinesischen Autobauer, dem bereits fast zehn Prozent an Daimler gehören.

Auch Volkswagen will bei E-Auto in China eine große Rolle spielen. "Wir planen, im Jahr 2025 als Konzern 1,5 Millionen Elektrofahrzeuge pro Jahr in China abzusetzen", so VW-China-Chef Wöllenstein. Das würde einem Viertel des Marktes entsprechen, denn den Prognosen zufolge sollen dann jährlich sechs Millionen E-Autos in China verkauft werden.

China Shanghai Automesse 2019 (Reuters/Aly Song)

... und hier als Konzept von Volkswagen.

Auch der gesamte Automarkt soll sich laut Vorhersagen ab 2020 wieder erholen und bis 2025 auf rund 27 Millionen Fahrzeuge wachsen - er wäre dann so groß wie die Automärkte der EU und der USA zusammen.

China gibt also in der Autowelt zunehmend den Ton an - und zwingt Hersteller aus allen Teilen der Welt, sich schnell anzupassen. "Das Auto von morgen ist ohne China schlicht nicht vorstellbar", sagt Autoexperte Dudenhöffer.

Wer sich unter dem "Auto der Zukunft" allerdings etwas besonders Ausgefallenes vorstellt, wird enttäuscht. Die Wünsche chinesischer Kunden und die Angebote vieler Hersteller auf der Messe zeigen deutlich, wie die Zukunft aussieht: wie ein voll-vernetztes, elektrisch betriebenes SUV. "Auch das ist eine Botschaft der Shanghai Automesse", sagt Dudenhöffer.

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