Autobauer: In China spielt die Musik | Wirtschaft | DW | 07.01.2019
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Elektromobilität

Autobauer: In China spielt die Musik

Elektromobilität und IT-Dienste dringen immer stärker in die traditionelle Autoindustrie ein. Und aus China droht neue Konkurrenz, die auch noch mit deutscher Hilfe aufgebaut wird.

Newcomer und Startups sind den alteingesessenen Autogrößen dicht auf den Fersen und geben immer mehr den Takt an, in dem die Platzhirsche mitspringen müssen. Die Sprünge verschaffen der Elektromobilität den Durchbruch - davon sind viele Experten überzeugt. Für diese Zukunft sehen sich die jungen Firmen besser gerüstet als die alten.

Auch wenn man schon Fahrzeuge von Tesla auch in Deutschland auf der Straße sieht - der amerikanische Konzern gehört immer noch zu den Marktneulingen. Eine funktionierende Routine in der Produktion gibt es noch nicht wirklich, trotzdem prescht Tesla selbst im traditionellen Autoland Deutschland gewaltig vorwärts. "Wir gehen davon aus, dass Tesla 2019 in Deutschland ganz klar Marktführer bei E-Autos werden wird", meint Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

In Amerika, dem zweitgrößten Markt der Welt, habe Tesla in den letzten drei Monaten 25 Prozent mehr verkauft als die gesamte Marke Audi, so Dudenhöffer im Gespräch mit der DW. "Im Frühjahr 2019 kommt das Model 3 nach Europa und dann wird auch in Deutschland der Hype um Tesla neu befeuert werden."

China - Tesla CEO Elon Musk eröffnet Fabrikaubau in Shanghai (Reuters/A. Song)

Elon Musk bei der Grundsteinlegung für eine neue Tesla-Fabrik in Schanghai

Wer in China Erfolg hat, hat gewonnen

Noch viel wichtiger ist für Tesla der chinesische Markt, wo kräftig investiert wird. Am Montag legte Tesla-Gründer Elon Musk höchstpersönlich den Grundstein für eine neue Gigafabrik in Shanghai. Dort plant Tesla nicht nur Fahrzeuge sondern auch gleich die benötigten Batterien zu fertigen. Ende des Jahres sollen dort Autos vom Typ Model 3 vom Band laufen, mit denen Musk den Durchbruch auf dem weltgrößten Automarkt schaffen will.

Chinesisches Startup von Deutschen gegründet

Ein anderes Startup, das die deutschen Autobauer im Auge haben sollten, ist die chinesische Firma Byton. Gegründet wurde sie von ehemaligen BMW-Managern. Noch gibt es nur Prototypen, aber Ende 2019 soll die Serienproduktion eines elektrischen SUV in China starten - erstmal für den chinesischen Markt. Das Werk im chinesischen Nanjing sei fast fertig, sagte Byton-Chef Carsten Breitfeld im Handelsblatt (Montagsausgabe). Seit vergangenen Mai werden bereits Testfahrzeuge produziert.

Carsten Breitfeld, Chef des chinesischen Autobauers Byton auf der Technikmesse CES in Las Vegas. Vorstsellung eines Elektro-SUV (picture-alliance/dpa/A. Sokolow)

Carsten Breitfeld auf der CES in Las Vegas

Einen Eindruck der Fahrzeuge, die dann im dritten Quartal 2020 auch in den US-amerikanischen und in einige europäische Märkte vordringen sollen, kann man auf der Technik-Messe CES in Las Vegas bekommen. Im letzten Jahr hatte Byton dort einen Prototypen seines Elektro-SUV M-Byte vorgestellt (Artikelbild). Jetzt zeigt die Firma die serienreife Innenausstattung des Modells. Das äußere Design steht noch nicht endgültig.

Software und Dienstleistungen statt einfach nur Blech und Motoren

"Autos bauen und verkaufen, das ist ein auslaufendes Geschäftsmodell", verkündete Breitfeld in Las Vegas. Man werde stattdessen - ähnlich wie im Smartphone-Geschäft - die Auto-Hardware als Plattform nutzen, um den Kunden digitale Angebote und Fahrdienste zu verkaufen. "Das ist das eigentliche Geschäftsmodell der Zukunft, dafür haben wir auch die Firma aufgebaut", so Breitfeld.

Für diesen Wandel sehe sich Byton als Startup besser aufgestellt als etablierte Autokonzerne: "Ein Unternehmen mit 150.000 oder 250.000 Mitarbeitern wird sich extrem schwer tun, sein Geschäftsmodell komplett umzubauen", glaubt er.

Elektro-SUV von Byton auf der Technikmesse CES in Las Vegas, USA (picture-alliance/dpa/Kyodo)

Blick ins Innere des SUVs von Byton

China-Geschäft wird Chefsache bei VW

Und die Alten? Auch die traditionellen Autobauer wollen Elektromobilität und Dienstleistungen ausbauen und buhlen entsprechend in Las Vegas um Aufmerksamkeit. Die einst auf Unterhaltungselektronik ausgerichtete CES ist in den vergangenen Jahren immer mehr zu einer Automesse geworden. Traditionell liegt der Fokus in Las Vegas auf vernetzten Autos und dem autonomen Fahren. In diesem Jahr sind unter anderem Audi, Daimler und Ford wieder dabei.

Volkswagen hält sich diesmal fern von der CES. Dabei sind auch beim größten deutschen Autobauer vernetzte Autos und autonomes Fahren ebenso wie Elektromobilität große Themen.

In China will sich auch Volkswagen weiterhin behaupten. Damit das klappt, wurde das Geschäft in Fernost zur absoluten Chefsache gemacht. Am Montag übernahm VW-Vorstandschef Herbert Diess selbst die Führung über die China-Geschäfte des Konzerns. "Die Zukunft von Volkswagen wird sich auf dem chinesischen Markt entscheiden", sagte Diess am Montag in Peking. Über viele Jahre hätten internationale Autobauer ihre Technologie von außen auf den chinesischen Markt gebracht. Doch nun spiele sich Innovation zunehmend direkt in China ab, wo Fähigkeiten etwa in der E-Mobilität oder bei selbstfahrenden Autos schon "weit entwickelt" seien, so Diess.

Mit Subventionen für E-Autos und Einschränkungen für Verbrennungsmotoren will die chinesische
Regierung erreichen, dass bis 2020 mindestens fünf Millionen Autos mit elektrischem Antrieb auf Chinas Straßen fahren. Im vergangenen Jahr wurden nach Schätzungen rund eine Million Autos mit elektrischem Antrieb in China verkauft.

Die Luft wird dünner

VW verkaufte bisher über 40 Prozent seiner Pkws in China. In diesem Jahr wird das Geschäft schwieriger, da die chinesische Regierung Autobauer nun verpflichtet, eine Quote für den Absatz von Elektroautos einzuhalten. Wenn ein Hersteller zu wenig E-Autos oder Hybride verkauft, drohen ihm Strafen.

Zudem wird auch noch der Kuchen kleiner, denn das Wachstum in China schwächelt. Das wird den Kampf mit den Neuen der Branche um Marktanteile weiter verschärfen. Und was E-Autos angeht, sind die deutschen Hersteller bislang nicht so gut aufgestellt.

Volkswagen Showcar I.D. (Volkswagen)

Prototyp eines Volkswagen I.D. - er soll ab Ende 2019 im Werk Zwickau von den Bändern laufen.

Im November 2018 hatte Volkswagen daher verkündet, dass ab jetzt jeder dritte Euro in die E-Mobilität gehen soll. In den nächsten fünf Jahren will Volkswagen 44 Milliarden Euro in Elektromobilität, autonomes Fahren, Mobilitätsdienste und die Digitalisierung investieren. Das Ziel: E-Autos sollen bis 2025 ein Fünftel der westeuropäischen Produktion ausmachen. Produziert VW heute sechs Modelle mit Batterieantrieb, sollen es bis 2025 mehr als 50 sein. 

Volkswagen selber gab sich im November noch optimistisch. "Wir werden günstiger sein als Tesla und wir haben dann die großen Skaleneffekte", sagte Konzernchef Herbert Diess damals der Branchenzeitung "Automotive News". Die Plattform sei "bereits für 50 Millionen Elektroautos gebucht, und wir haben Batterien für 50 Millionen Elektroautos beschafft". Auch wenn heute Internetfirmen die wertvollsten Unternehmen der Welt seien, so Diess "meine Prognose ist, dass es in zehn oder 20 Jahren eine Autofirma sein wird." Denn am Ende würden die Menschen für Mobilität mehr Geld ausgeben als für Kommunikation. Die Frage ist dann nur: Wer von den Fahrzeugbauern hat bis dahin das Rennen gemacht?

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