ARD-Deutschlandtrend: Mehrheit lehnt Angriff auf Iran ab
5. März 2026
Die massiven Luftschläge der USA und Israel auf den Iran und der erbitterte Widerstand des Mullah-Regimes haben den Nahen Osten in den Ausnahmezustand versetzt. Der Iran beschießt unvermindert seine Nachbarländer und nimmt dabei nicht nur militärische Ziele, sondern auch zivile Infrastruktur ins Visier. Darunter auch Hotels und Flughäfen. Zehntausende Touristen sitzen in der Golfregion fest.
In Deutschland stößt der US-israelische Militäreinsatz mehrheitlich auf Ablehnung. Sechs von zehn Bundesbürgern halten die Offensive nicht für gerechtfertigt. Das sind allerdings deutlich weniger als es bei dem US-Angriff auf Venezuela im Januar 2026 und auf den Irak 2003 der Fall war.
Den Angriff auf Venezuela lehnten 72 Prozent der Deutschen ab. Den Irak-Krieg 2003 hielten sogar 80 Prozent für nicht gerechtfertigt. Das geht aus dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend hervor. Das Meinungsforschungsinstitut infratest-dimap hat für die repräsentative Umfrage zwischen dem 2. und 4. März 1317 wahlberechtigte Deutsche befragt.
Wähler linker Parteien reagieren besonders ablehnend
Bei der Haltung der Deutschen zum Iran-Krieg ist ein Blick auf die Parteianhänger interessant. Von den Wählern der in Teilen rechtsextremen Alternative für Deutschland (AfD) und den konservativen Parteien CDU/CSU verurteilen nur 48 Prozent den Angriff. Bei den Wählern der Parteien, die links von der Mitte stehen, sind es bis zu 82 Prozent.
Zugleich ist die Sorge der Deutschen vor einer Ausweitung des Konflikts und dessen Folgen groß: Drei Viertel der Befragten befürchten eine Ausbreitung der Kriegshandlungen auf weitere Länder. Acht von zehn sorgen sich um die Auswirkungen des Krieges auf den Welthandel. Die iranischen Revolutionsgarden haben im Persischen Golf die Durchfahrt durch die Straße von Hormus blockiert. Zahlreiche Öltanker und andere Schiffe liegen fest. Der Ölpreis ist massiv gestiegen, was auch die Deutschen an den Tankstellen zu spüren bekommen.
Im ARD-Deutschlandtrend machen sich aber auch sieben von zehn Befragten Sorgen um die Lage der Menschen im Iran. Eine große Mehrheit der Bürger befürchtet zudem, dass angesichts der Vielzahl militärisch ausgetragener Konflikte in der Weltpolitik zunehmend das Recht des Stärkeren gilt.
Wer ist ein guter Partner für Deutschland?
Das Vertrauen der Deutschen in die Großmächte USA und Russland bewegt sich weiter auf niedrigem Niveau: Unverändert zu Januar betrachten gerade einmal 15 Prozent die USA als verlässlichen Partner Deutschlands, Russland stufen lediglich zwölf Prozent als vertrauenswürdig ein. Auch Israel stößt bei den Bundesbürgern weiterhin mehrheitlich auf Skepsis: Knapp sieben von zehn Deutschen sehen in Israel keinen vertrauenswürdigen Partner für Deutschland. Das Urteil zur Ukraine bleibt gespalten: vier von zehn trauen dem Land, knapp die Hälfte hat Zweifel an dessen Vertrauenswürdigkeit. Frankreich und Großbritannien gelten hingegen mehrheitlich als verlässliche Partner.
Der besorgte Blick auf die Weltlage verändert auch den Blick auf die Bedrohungslage Deutschlands: Zu Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 schätzten etwas mehr als die Hälfte der Bürger die aktuelle Weltlage als bedrohlich für Deutschland ein. Aktuell sind es nun mehr als drei Viertel der Befragten.
Auch die Bundesregierung macht sich Sorgen
Für die Bundesregierung ist die Lage in der Golf-Region eine zusätzliche Belastung in einer ohnehin angespannten Lage. Deutschland geht es wirtschaftlich nicht gut. Die Bevölkerung altert rapide, was die Sozialsysteme zusätzlich unter Druck setzt. Sollte der Iran-Krieg länger andauern, könnte das die Weltwirtschaft sehr belasten. Das würde auch Deutschland zu spüren bekommen.
Die schwarz-rote Koalition aus CDU/CSU und SPD ist seit zehn Monaten im Amt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte den Deutschen versprochen, dass sich unter seiner Regierung vieles zum Besseren wenden werde. Doch ein Aufschwung lässt auf sich warten. Das frustriert die Bürger. Einzig die Anhänger der Union sind mit der Regierungsarbeit mehrheitlich zufrieden. Insgesamt sind drei Viertel der im ARD-Deutschlandtrend Befragten unzufrieden. Das sind kaum bessere Werte, als die Vorgängerregierung aus SPD, Grünen und FDP hatte, die nach ihren Parteifarben Ampel genannt wurde.
CDU/CSU und SPD hätten bei einer Neuwahl keine Mehrheit
Die Unzufriedenheit der Bürger drückt sich auch in der sogenannten Sonntagsfrage aus. Wenn jetzt eine Bundestagswahl stattfinden würde, hätten die Regierungsparteien keine Mehrheit mehr. CDU/CSU kämen aktuell auf 28 Prozent (+2). Der Regierungspartner SPD verliert einen Punkt auf nun 14 Prozent. Die AfD kommt auf 23 Prozent (-1), die Grünen auf 13 Prozent (+1). Die Linke liegt bei neun Prozent (-1). Das im Bundestag nicht vertretene Bündnis Sahra Wagenknecht erreicht im ARD-Deutschlandtrend vier Prozent (+1). Die frühere Regierungspartei FDP ist unter drei Prozent gefallen und wird daher unter Sonstige gezählt.