Alles oder nichts für den VfB Stuttgart | Sport | DW | 27.05.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Vor dem Relegations-Rückspiel

Alles oder nichts für den VfB Stuttgart

Der VfB Stuttgart steht vor dem Rückspiel in der Relegation beim Zweitligisten Union Berlin mit dem Rücken an der Wand. Für den VfB wäre der erneute Abstieg eine Katastrophe - und es geht um mehr als 40 Millionen Euro.

Kriegt der VfB Stuttgart noch einmal die Kurve? Oder muss der Verein, der mit einem Rekordetat von 55 Millionen Euro in die Saison gegangen war, zum dritten Mal nach 1975 und 2016 in Liga zwei? Es geht wieder mal -  wie schon vor drei Jahren - um viel Geld, um gut 40 Millionen Euro. Im Fußball-Unterhaus gibt es 30 Prozent weniger Umsatz, also statt 140 nur noch knapp 100 Millionen Euro. Auch der Ertrag aus der Vermarktung der Medienrechte sinkt in der 2. Liga von 48 auf 26 Millionen Euro, der Spieler-Etat von 55 auf 40 Millionen. Und ein Durchmarsch zum direkten Wiederaufstieg wäre keineswegs garantiert, schließlich gibt es mit den Bundesliga-Absteigern 1. FC Nürnberg und Hannover 96 sowie "Sitzenbleiber" Hamburger SV hochkarätige Konkurrenz.

Entsprechend gehemmt wirken die Spieler vor dem so wegweisenden Rückspiel bei Union Berlin (Anstoß 20:30 Uhr, ab 20:15 Uhr MESZ im DW-Liveticker). Leitwolf Mario Gomez kritisierte bereits die Stimmung. "Das gefällt mir nicht", sagte der 33-Jährige, der auch einen Vertrag für die 2. Liga hat. VfB-Kapitän Christian Gentner gab sich betont zuversichtlich: "Das ist kein Traumergebnis, aber wir sind noch nicht abgestiegen. Es geht bei 50:50 los, wir haben die Möglichkeit, den Klassenerhalt zu schaffen", sagte er nach dem turbulenten 2:2 im Hinspiel der Relegation gegen Union Berlin. Vor eigenem Publikum kassierte der VfB zwei Auswärts-Gegentore, die noch entscheidend werden könnten. Das heißt: Im Rückspiel muss ein Sieg her. Oder ein Unentschieden mit mehr als zwei Toren.

Hitzlsperger setzt auf Talente

Seit Februar leitet Thomas Hitzlsperger die sportlichen Geschicke des Vereins, mit dem er einst deutscher Meister wurde. Das Spiel gegen Union Berlin an diesem Montagabend ist wegweisend auch für seine Zukunft, für seine Strategie. Mit dem gleichen Etat, der Eintracht Frankfurt auf Platz sieben einen Europapokal-Platz einbrachte, schaffte es Stuttgart gerade eben in die Relegation. Die vielen Wechsel auf Trainer- und Vorstandspositionen in den letzten Jahren brachten keine Stabilität. "Wir dürfen uns nicht abhängig machen von Personen. Es gilt, die bestehenden Strukturen im Profibereich zu prüfen", hatte Hitzlsperger kürzlich der Tageszeitung "WELT" gesagt und von "Geduld" gesprochen.

Fußball Relegation VfB Stuttgart vs. 1. FC Union Berlin Trainer Nico Willig (picture-alliance/Baumann/A. Keppler)

Interimscoach Nico Willig soll den VfB retten, wird in der kommenden Saison aber durch Tim Walter ersetzt

Das war unmittelbar nach der Trennung von Trainer Markus Weinzierl, der durch Nachwuchstrainer Nico Willig ersetzt wurde. Nach Tayfun Korkut und Markus Weinzierl war Willig der dritte VfB-Trainer der Saison. Willig schaffte die Relegation, doch egal, wie das Rückspiel am Abend ausgeht - er bekommt keine Chance, die Profimannschaft langfristig formen zu dürfen, denn für die kommende Saison ist bereits ein Neuer verpflichtet: Tim Walter kommt vom Zweitligisten Holstein Kiel und hat einen für die Erste und 2. Liga gültigen Vertrag bis 2021 unterschrieben.

Sportvorstand Hitzlsperger erklärte: "In unseren gemeinsamen Gesprächen wurde sehr schnell deutlich, dass Tim Walter mit seiner Art und mit seiner Idee vom mutigen, offensiven Fußball hervorragend zum VfB passt. Gemeinsam wollen wir künftig den Blick verstärkt auf den eigenen Nachwuchs richten." Den Nachwuchs im Blick, das ist Hitzlsperger wichtig. Was man schnell vergisst: Der VfB brachte Spieler wie Joshua Kimmich, Timo Werner und Serge Gnabry hervor - mittlerweile allesamt Stamm- und Nationalspieler, aber bei anderen Vereinen. Das soll in Zukunft wieder besser angeschoben werden. Zumal der derzeitige U19-Jahrgang das Geschehen bei den A-Junioren beherrscht: Am vergangenen Wochenende holte der VfB-Nachwuchs den Sieg im DFB-Pokal der Junioren. Am kommenden Wochenende steht Stuttgarts U19 im Finale um die deutsche Meisterschaft. Gegner ist dann der BVB.

Willig will "Spieler mit dickem Fell"

Im Duell der "Senioren" gegen Union sprechen für den VfB natürlich die individuelle Klasse der Mannschaft, die Erfahrung und auch die Relegations-Statistik: Seit der Wiedereinführung vor zehn Jahren setzte sich acht Mal der Bundesligist durch. Dennoch war der Mannschaft im Hinspiel der Druck deutlich anzumerken - sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. "Da, wo die Tore stehen, war Union besser", brachte es Willig auf den Punkt. Nun sei es wichtig, "Spieler auf dem Feld zu haben, die ein dickes Fell haben. Wir müssen agiler sein, sonst haben wir keine Chance", sagte er.

Selbstvertrauen brauchen die Stuttgarter, denn Union hat als heimstärkstes Team der 2. Liga diese Saison erst ein einziges Spiel im Kultstadion "An der Alten Försterei" verloren. Der VfB holte dagegen gerade einmal sechs Auswärtspunkte, konnte nur einmal auf fremdem Platz gewinnen. "Das hat uns alles nicht zu interessieren", sagte Torwart Ron-Robert Zieler über die Statistik. "Wir sind definitiv in der Lage dazu, dort zu gewinnen. Wir sind der Bundesligist." Fragt sich nur, wie lange noch.

Die Redaktion empfiehlt