Aleksander Ceferin ist neuer UEFA-Präsident | Sport | DW | 14.09.2016
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Sport

Aleksander Ceferin ist neuer UEFA-Präsident

Mit überwältigender Mehrheit wird der Slowene zum neuen Präsidenten des europäischen Fußballverbandes gewählt. Sein gesperrter Vorgänger Michel Platini spricht zuvor und zeigt sich bei seinem Abschied uneinsichtig.

Mit 42 von 55 Stimmen ist Aleksander Ceferin zum neuen UEFA-Präsidenten gewählt worden. Der 48-jährige Anwalt nahm die Wahl an und hielt eine kurze Dankesrede: "Es ist eine große Ehre und gleichzeitig ein große Verantwortung", sagte er. "Meine Familie ist stolz und mein kleines Land Slowenien ist stolz. Und ich hoffe, dass Sie eines Tages ebenfalls stolz auf mich sein werden." Die Delegierten quittierten die ersten Worte ihres neuen Präsidenten mit lautem Applaus.

Mit der Wahl krönte Ceferin seine Blitzkarriere vom bislang nur Insidern bekannten slowenischen Verbandschef zu einer der einflussreichsten Figuren im internationalen Fußball-Geschäft. "Wir sind die Wächter des schönen Spiels. Diese Verantwortung ist mein Kompass und ich möchte die Balance zwischen allen Akteuren bewahren", hatte er in seiner eher sachlichen Wahlrede gesagt.

Zunächst bis 2019

In seiner ersten Amtszeit muss Ceferin die UEFA angesichts der Skandalwirren um Vorgänger Platini und der Unzufriedenheit vieler kleiner Verbände im Verteilungskampf um die Champions-League-Milliarden nach innen wie außen stabilisieren. Auch der Deutsche Fußball-Bund um Präsident Reinhard Grindel hatte sich für Ceferin ausgesprochen und erwartet von ihm mehr Transparenz und einen moralischen Neuanfang. Der neue UEFA-Chef wurde nur bis zum Frühjahr 2019 gewählt. Dann hätte das Mandat des wegen Ethikvergehen gesperrten Platini eigentlich geendet. In Ceferins verkürzter Amtszeit wird auch die EM-Gastgeberrolle 2024 bestimmt, um die sich der DFB bewerben will.

Ceferin deutete einen Vier-Punkte-Plan an, der unter anderem die Diskussion über Mandatsbeschränkungen und die Einführung einer Compliance-Abteilung vorsieht. Kritik an fehlender Erfahrung im Funktionärsbusiness wies er zurück. "Wenn man immer laut sagt, ein Anführer zu sein, ist man es wahrscheinlich nicht", betonte der Rechtsanwalt. "Ich bin kein Showman, keine Egomane und kein Mann unhaltbarer Versprechen", ergänzte er.

Michael van Praag in Athen (Foto: picture alliance/AP Photo/T. Stavrakis)

Michael van Praag hatte zwar ein fast identisches Programm wie Ceferin, verlor die Wahl aber deutlich

Konkurrent Michael van Praag, der 13 Stimmen erhielt, hatte in seiner Rede die Delegierten nicht mehr überzeugen können. Mit Zitaten von Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger versuchte er Skepsis aufgrund seines Alters zu entkräften. Programmatisch hatte der 68-Jährige allerdings keine revolutionären Ideen parat. Sein Vorschlag das Alterslimit von 70 auf 75 Jahre anzuheben, steht den sonstigen Reformbestrebungen in der von Skandalen erschütterten Funktionärswelt entgegen.

Platini verabschiedet sich uneinsichtig

Vor dem vermeintlichen Neustart gab es ein Rendezvous mit der Vergangenheit: Der gesperrte Ex-Präsident Platini sprach beim UEFA-Wahlkongress als erster Redner. Der Franzose zeigte sich weiter keiner Schuld bewusst. Acht Minuten lang redete Platini vor den Delegierten, zitierte den früheren israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres, versuchte sich als Kämpfer für einen reinen Sport zu inszenieren.

Michel Platini nach seiner Rede in Athen (Foto: picture alliance/dpa/EPA/Y. Kolesidis)

Platini winkt kurz zum Abschied

Eigentlich ist der 61-Jährige von allen Fußball-Aktivitäten ausgeschlossen, sein von ihm ersehnter Auftritt war nur durch eine Sondergenehmigung der FIFA-Ethikhüter möglich. "Wir haben den Fußball geschützt vor Übermaß und allen Verzerrungen, unter denen er zu leiden hatte. Sie werden dieses wunderschöne Abenteuer ohne mich weiterführen", sagte Platini. Direkt nach seinem emotionalen Abschied marschierte Michel Platini durch die Seitentür hinaus. Für seine Rede erhielt er zwar freundlichen Applaus, die Delegierten erhoben sich allerdings für ihn nicht von ihren Sitzen.

Trotz seiner Sperre durfte der Ex-Präsident beim UEFA-Wahlkongress in Athen, bei dem im Laufe des Tages sein Nachfolger als UEFA-Präsident gewählt wird, gleich als erster Redner noch einmal ins Scheinwerferlicht - und zeigte weiterhin keinerlei Einsicht. "Sie müssen nur wissen, dass ich ein ruhiges Gewissen habe und ich überzeugt bin, keinen einzigen Fehler gemacht zu haben", sagte der Franzose bei seiner Ansprache. Er werde seinen "Kampf" gegen die vierjährige Verbannung aus der Fußball-Welt vor den Gerichten weiterführen.

Platini war wegen einer dubiosen Zahlung von zwei Millionen Franken von Ex-FIFA-Chef Joseph Blatter aus dem Jahr 2011 zunächst von der FIFA-Ethikkommission für acht Jahre gesperrt worden. Der Bann wurde später durch die Berufungskommission und den Internationalen Sportgerichtshof CAS um je zwei auf insgesamt vier Jahre reduziert.

asz/to (dpa, sid)

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