Afrikanisches Kino: Kulturrevolution mit eigenen Geschichten | Kultur | DW | 14.02.2019
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Kino

Afrikanisches Kino: Kulturrevolution mit eigenen Geschichten

Auf der Berlinale gibt es keinen afrikanischen Wettbewerbsbeitrag, Entwicklungsminister Gerd Müller sieht in der afrikanischen Filmbranche dennoch großes Potenzial. Netflix hat bereits begonnen, den Markt zu erschließen.

"Afrika ist der Kreativkontinent schlechthin", sagte Entwicklungsminister Müller am Mittwoch (13.2.) in Berlin bei der Veranstaltung "African Film on the rise – wie Afrika das Kino neu erfindet", zu der das Ministerium zusammen mit der DW Akademie eingeladen hatte. "Der afrikanische Film hat Konjunktur", so Müller weiter, "Serien, Web-TV und Mobiles Kino schaffen zunehmend Jobs für afrikanische Filmschaffende." 

Der Minister verwies auch auf das wachsende Interesse des Streamingdienstes Netflix an afrikanischen Produktionen. Im vergangenen Jahr erwarb das Unternehmen die Rechte an dem nigerianischen Film "Lionheart", mit "Queen Sono" gab Netflix gerade die erste afrikanische Eigenproduktion in Auftrag.

"Macht Filme für eure Nachbarn"

Nirgendwo seien "die Wachstumschancen für die Film- und Kreativwirtschaft so groß wie in Afrika", sagte Müller, der forderte, Afrika müsse in die Lage versetzt werden, eigene Geschichten, Filme und Inhalte produzieren zu können. Er setze auf eine "Kulturrevolution von unten".

Unterstützen könne man die jungen Filmemacher in der Ausbildung, so wie es beispielsweise der deutsche renommierte Regisseur Volker Schlöndorff mit seinem Rwanda Media Project umsetzt. In Kooperation mit der DW Akademie hat der Oscar-Preisträger im ostafrikanischen Ruanda eine Filmschule aufgebaut.

Das einzige, was er den Auszubildenden beibringen könne, sei das Handwerkliche, so Schlöndorff. Es sei ihm wichtig, dass sie nicht die Dramaturgie des amerikanischen Films kopierten: "Macht Filme für eure Nachbarn, erzählt eure Geschichten in eurer Sprache, mit euren Mitteln, mit eurem Erzählstil", fordert er die Jungfilmer auf.

Auch Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle, plädierte dafür, die vielfältige afrikanische Kultur zu unterstützen. Es sei "toll, wenn Filme in Regionalsprachen gezeigt werden", sagte Limbourg bei der Veranstaltung. "Ein guter Film ist ein guter Film, egal wo er herkommt" Kino könne Menschen zum Denken anregen und Bewusstsein für Ungerechtigkeiten schaffen.

David gegen Goliath in der Telenovela

Um Ungerechtigkeiten geht es etwa in "Country Queen", einer kenianischen Telenovela in der Pilotphase. Gerade wurde die erste Folge abgedreht., produziert von der deutschen Firma Good Karma Fiction. Diese hatte vor zwei Jahren die Gunst der Stunde genutzt, als das Entwicklungsministerium die Initiative "Zukunft.Markt.Film." startete: Damit wurde die afrikanische Filmwirtschaft bislang mit 6,1 Millionen Euro gefördert. Durch das Programm sind laut Ministerium bisher zehn Spielfilme entstanden und mehr als 1000 Filmschaffende aus 20 afrikanischen Ländern ausgebildet worden, davon fast die Hälfte Frauen.

Für "Country Queen" hat ein Team um den künstlerischen Leiter Ravi Karmalker 40 kenianische Filmemacher interviewt. In diesem Findungsprozess sollten sich die für die Kenianer relevanten Themen herauskristallisieren. Der Plot behandelt das Thema Landflucht sowie die Bedrohung eines Dorfes durch eine dubiose Firma. Die Hauptfigur sollte eine starke Frauenrolle werden, die in einer David-gegen-Goliath-Geschichte unfreiwillig zur Heldin wird.

Auch Dokumentarfilmer erhalten Unterstützung, etwa durch die gemeinnützige Organisation Steps. Deren aktuelles Projekt "Generation Africa" soll das Thema Migration aus afrikanischer Sicht darstellen. In drei Workshops in Accra (Ghana), Nairobi (Kenia) und Ouagadougou (Burkina Faso) haben die Teilnehmer Geschichten entwickelt, die bisher in den Medien keine Rolle spielten.

Im Moment werden aus den vielen Ideen die Projekte ausgewählt, die realisiert werden sollen. Hierfür müssen allerdings noch weitere Geldgeber gefunden werden.