Acht Millionen venezolanische Flüchtlinge erwartet | Aktuell Amerika | DW | 19.07.2019
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Machtkampf in Venezuela

Acht Millionen venezolanische Flüchtlinge erwartet

In Venezuela gehen die politische und die humanitäre Krise Hand in Hand. Doch bei den laufenden Vermittlungsgesprächen zeichnet sich keine Lösung ab. Die wäre aber mit Blick auf die Flüchtlingszahlen dringend nötig.

Krise in Venezuela - Massenflucht (picture-alliance/dpa/N. O. Mantilla)

Kolumbien nimmt die meisten Flüchtlinge aus Venezuela auf

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) befürchtet, dass die Zahl der Flüchtlinge aus Venezuela bis Ende nächsten Jahres auf mehr als 8,2 Millionen Menschen steigen könnte. Wenn die politische und wirtschaftliche Krise anhalte, werde sich die Zahl der Flüchtlinge verdoppeln, heißt es in einer Erklärung, aus der die venezolanische Tageszeitung "El Nacional" zitiert. Aktuell haben mehr als vier Millionen Venezolaner ihrem Land den Rücken gekehrt. Es handelt sich dabei um die größte Flüchtlingskrise in der jüngeren Geschichte Lateinamerikas. Venezuela hatte einmal 32 Millionen Einwohner.

Bis Ende 2019 könnten laut OAS etwa 5,7 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen haben. Vor allem fehlende Nahrungsmittel und medizinische Versorgung sowie die schlechte Sicherheitslage seien entscheidend dafür, dass sich Menschen zur Flucht entschließen, heißt es. Aktuell halten sich 80 Prozent, das sind 3,2 Millionen, der venezolanischen Flüchtlinge in Südamerika und der Karibik auf. Kolumbien, Chile, Peru und Ecuador sind die Hauptaufnahmeländer.

Vor allem Nachbarländer tragen die Last

Venezuela wird seit Jahren von einer schweren Versorgungskrise erschüttert. Die Opposition wirft der Regierung eine verfehlte Wirtschaftspolitik und Korruption vor, die Regierung macht einen von den USA gesteuerten Wirtschaftskrieg für die Mängel im Land verantwortlich.

Mindestens eine Million Venezolaner trieb es ins Nachbarland Kolumbien, das vereinzelt Unterstützung aus Europa erhält. Belgien stellt laut der Tageszeitung "El Espectador" mit einem britischen Pharma-Unternehmen 364.000 Impfungen unter anderem gegen Rotavirus, Diphterie und Tetanus zur Verfügung. "Diese Hilfe kommt im richtigen Moment", sagte Gesundheitsminister Juan Pablo Uribe in einer Stellungnahme. Die Spende sei ein Beispiel für Solidarität und Unterstützung der Migranten.

Venezuela Juan Guaido Nicolas Maduro (picture-alliance/newscom/Y. Cortez)

Juan Guaido (links) und Nicolas Maduro konkurrieren um die Macht

Brüchige Gespräche

Der sozialistische Präsident Nicolás Maduro und der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó liefern sich seit einem halben Jahr einen erbitterten Machtkampf in Venezuela. Nach dem Scheitern mehrerer Vermittlungsversuche hatten sich die verfeindeten Lager Anfang Juli auf neue Gespräche auf der Karibikinsel Barbados eingelassen. Norwegen vermittelt dabei.

Vor einer Woche hatten sich die Konfliktparteien darauf geeinigt, eine ständige Arbeitsgruppe einzurichten. Am Freitag versicherten die verfeindeten Lager, die Gespräche fortzusetzen. Man wolle die Verhandlungen kontinuierlich und so schnell wie möglich führen, teilte der Vermittlerstaat Norwegen mit. Gleichzeitig forderte das norwegische Außenministerium die Konfliktparteien auf, in Kommentaren und Erklärungen zu dem laufenden Prozess Zurückhaltung zu zeigen.

Hungerstreik hinter Gittern

Zeitgleich mit den laufenden Gesprächen wurde bekannt, dass ein inhaftierter Oppositionspolitiker in Hungerstreik getreten ist. Der Vize-Präsident des von der Opposition kontrollierten Parlaments, Edgar Zambrano, befinde sich seit neun Tagen im Hungerstreik, schrieb Guaidó im Kurzbotschaftendienst Twitter. 

Zambrano wolle damit "für die Rechte aller Venezolaner, seiner mit ihm verschleppten Mitstreiter und aller politischen Gefangenen" protestieren, erklärte Guaidó. Zum Gesundheitszustand des seit Mai inhaftierten Politikers äußerte sich Guaidó nicht. Er erklärte lediglich, Zambrano werde "seinen Kampf" fortsetzen.

lh/rb (epd, kna, dpa, afp)

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