Ukraine und Russland tauschen Kriegsgefangene aus
5. Februar 2026
Ein Durchbruch hat sich bei den zweitägigen Friedensgesprächen in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate nicht gezeigt. Dennoch sprach der Sondergesandte der USA, Steve Witkoff, in Abu Dhabi von greifbaren Ergebnissen. Er bezog sich damit auf die Freilassung von 314 Kriegsgefangenen, auf die sich Unterhändler der Ukraine und Russlands verständigt haben. Es sei der erste Austausch seit fünf Monaten, wies Witkoff darauf hin. Zwar bleibe noch viel Arbeit, doch zeige dies, dass das diplomatische Engagement Früchte trage.
157 zu 157 Soldaten
Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte bereits die Rückkehr von 157 russischen Soldaten aus ukrainischer Gefangenschaft. Zudem seien drei Zivilisten in ihre Heimat zurückgekehrt. Im Gegenzug seien 157 gefangene ukrainische Soldaten übergeben worden, heißt es in der Mitteilung der Behörde.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte im Onlinedienst Telegram, ein Teil der freigelassenen 157 Ukrainer sei bereits seit 2022 in russischer Gefangenschaft gewesen. Selenskyj kündigte an, die nächste Gesprächsrunde unter US-Vermittlung mit Russland finde in naher Zukunft in Abu Dhabi statt.
"Positive Bewegung nach vorn"
Zuvor hatte auch Kirill Dmitrijew, der Sondergesandte des russischen Präsidenten Wladimir Putin, im Staatsfernsehen von Fortschritten bei den Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs gesprochen. "Es gibt eine gute, positive Bewegung nach vorn."
Vor Reportern in Abu Dhabi beschuldigte Dmitrijew die Regierungen in Großbritannien und anderen europäischen Staaten, sie versuchten "als Kriegstreiber" ständig, sich in diesen Prozess einzumischen. Er bekräftigte, es werde aktiv an der Wiederherstellung der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten gearbeitet.
USA und Russland wollen Militärdialog wieder aufnehmen
So haben die USA und Russland die Wiederaufnahme ihres seit 2021 unterbrochenen Dialogs hochrangiger Militärs vereinbart. Das teilte das Kommando der US-Streitkräfte in Europa nach den Verhandlungen in Abu Dhabi mit.
Die Gespräche waren im Herbst 2021 wegen massiver Spannungen zwischen Washington und Moskau auf Eis gelegt worden. Die USA sehen die Wiederaufnahme der Kontakte zwischen den Streitkräften als "wichtigen Faktor für globale Stabilität und Frieden".
Wohnblöcke in Kyjiw beschädigt
Ungeachtet der diplomatischen Bemühungen griff Russland die Ukraine auch in der Nacht zum Donnerstag wieder an. Im Westen der Hauptstadt Kyjiw schlugen Drohnen ein und beschädigten mehrere Wohnblöcke. Mindestens zwei Menschen wurden nach Behörden-Angaben verletzt.
Schäden wurden auch aus anderen Stadtvierteln der Drei-Millionen-Metropole gemeldet. Nach schweren Angriffen auf Energieanlagen in den vergangenen Wochen sind weiter viele Einwohner von der Strom- und Wärmeversorgung abgeschnitten - bei zweistelligen Minustemperaturen.
Selenskyj sagte in seiner abendlichen Videoansprache, die Lage in Kyjiw sei schlimmer als in anderen Städten. Energieminister Denys Schmyhal erklärte, in der Hauptstadt seien mehr als 200 Notfallteams im Einsatz, um die Wärmeversorgung wiederherzustellen.
Angriffe auch auf Eisenbahninfrastruktur
Nach ukrainischen Angaben griff Russland in der vergangenen Nacht auch die Eisenbahninfrastruktur in der nördlichen Region Sumy an. Bei dem massiven Drohnenangriff sei die Energieversorgung der Bahn ins Visier genommen worden, schrieb Vize-Regierungschef Olexij Kuleba bei Telegram. Er sprach von einem "Terrorakt" gegen die ukrainische Logistik.
Selenskyj nannte unterdessen in einem Interview des französischen Senders France2 neue Zahlen zu den eigenen Verlusten im Krieg. Er sprach von 55.000 getöteten Soldaten seit Kriegsausbruch. Hinzu komme eine große Zahl von Menschen, die vermisst würden.
Es gilt als sicher, dass sowohl die Führung der Ukraine als auch der Kreml eigene Verluste niedriger beziffern. Andere Schätzungen decken sich nicht mit den offiziellen Zahlen aus Kyjiw und Moskau.
CSIS-Denkfabrik geht von deutlich höheren Verlust-Zahlen aus
Ein Bericht der in Washington ansässigen Denkfabrik CSIS (Center for Strategic and International Studies) ging Ende Januar allein für die Ukraine von Verlusten von 500.000 bis 600.000 Soldaten seit Kriegsbeginn im Februar 2022 aus - darunter 100.000 bis 140.000 Tote. Die Verluste auf der russischen Seite wurden darin mit 1,2 Millionen Soldaten beziffert, davon 325.000 Gefallene. Das CSIS stützt sich bei den Zahlen nach eigenen Angaben auf Informationen des Militärs, der Geheimdienste und Regierungen verschiedener Länder.
Die Donbass-Region
Vor eineinhalb Wochen hatten Unterhändler Moskaus und Kyjiws in Abu Dhabi erstmals direkt miteinander über den Plan von US-Präsident Donald Trump für ein Ende des Kriegs gesprochen. Ungeachtet der Annäherung in mehreren Punkten gibt es nach wie vor einen Hauptstreitpunkt: die Forderung Moskaus nach einem vollständigen Rückzug der Ukraine aus der wichtigen Industrieregion Donbass.
se/pgr/as (dpa, afp, rtr, ap)
Redaktionsschluss: 18.00 Uhr (MEZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.