150 Jahre Max und Moritz | Kultur | DW | 27.10.2015
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Kultur

150 Jahre Max und Moritz

Ende Oktober 1865 erschien die erste Ausgabe von Max und Moritz. Der erste Verleger lehnte die Geschichte von Wilhelm Busch ab - nicht ahnend, dass sie mal eines der berühmtesten Kinderbücher Deutschlands werden sollte.

"Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen!! Wie zum Beispiel diesen, welche Max und Moritz hießen" - so beginnt die Geschichte, die in sieben lustigen Streichen von den Missetaten der beiden Lausbuben berichtet. Max und Moritz gehören schon lange zum deutschen Kulturgut. Auch international ist die Bildergeschichte erfolgreich: Es gibt Übersetzungen in mehr als 200 Sprachen und Dialekten.

Kinderbuch - ja oder nein?

Ahnen konnte das ihr Verfasser, Wilhelm Busch, damals nicht. Ganz im Gegenteil. Der erste Verleger, dem Busch die fertige Vorlage 1864 anbot, lehnte ab. Er befürchtete, die Geschichte würde sich nicht verkaufen. Eine Zusage kam erst im Jahr darauf von dem Verleger Kaspar Braun. Dieser erklärte sich bereit, das Ganze zu veröffentlichen. Im Oktober 1865, vor genau 150 Jahren, erschien die erste Ausgabe - und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Noch zu Lebzeiten Wilhelm Buschs wurde das Buch ein Kassenschlager. Die erste Übersetzung erschien 1866 in Dänemark, ein paar Jahre später folgte die englische und 1887 sogar eine japanische Ausgabe.

Originalhandschrift von Max und Moritz (Foto: Karikaturmuseum Wilhelm Busch)

Originalhandschrift zu Max und Moritz von Wilhelm Busch

"Der Erfolg hat Wilhelm Busch selbst sehr verblüfft", sagt Eva Weissweiler, die eine Biographie über Wilhelm Busch geschrieben hat. Ihrer Meinung nach ist "Max und Moritz" allerdings nicht unbedingt ein Kinderbuch, sondern eher ein politisches Buch, in dem Busch die Zustände seiner Zeit kritisiert. "In den 1860er Jahren gab es Massenauswanderungen aus den armen, ländlichen Gebieten nach Amerika. Es gab viele unglaublich arme Tagelöhner, die wiederum viele Kinder hatten, und diese dann einfach zurückließen. Deshalb streiften da wirklich tausende von elternlosen Kindern durch die Landschaft, die sich teils wie Max und Moritz durch Mundraub ernährten", erklärt Weissweiler ihre These. "Also wenn es einen 'moralischen' Ansatz bei Max und Moritz gibt, dann glaube ich, geht er in diese Richtung: Auf lachende Weise Anklage zu erheben, gegen diese schrecklichen sozialen Verhältnisse, die die Erwachsenen geschaffen haben."

Und das Ende? Max und Moritz sind am Schluss tot, werden durch die Mühle gemahlen. Auch das sei gar nicht so weit weg von der damaligen Realität, sagt Eva Weissweiler. Kinder, die Mundraub begangen hätten, seien damals teilweise für Jahrzehnte eingesperrt worden, Dauerdelinquenten wurden bisweilen sogar zum Tode verurteilt. "Ob man sie nun aufhängt im Zuchthaus oder durch die Mühle dreht - tot ist tot."

Vorbild für den amerikanischen Comic

Unabhängig davon, wie man das Buch nun interpretiert, gilt die Bildergeschichte heutzutage einvernehmlich als Vorreiter des modernen Comics, wie er Ende des 19. Jahrhunderts in den USA entstanden ist.

Foto einer Originalausgabe von The Katzenjammer Kids (Foto: Karikaturmuseum Wilhelm Busch)

Ausgabe der Katzenjammer Kids von 1901

Seinen Anfang nahm der Comic in den amerikanischen Zeitungen. Im Dezember 1897 erschien in der Sonntagsausgabe des "New York Journal" erstmals "The Katzenjammer Kids" des deutschen Zeichners Rudolph Dirk. Beauftragt hatte ihn der Medienmogul William Randolph Hearst. Er wollte die Auflage seiner Zeitung steigern und soll gesagt haben, dass er für die Beilage "something like Max und Moritz" brauche. Dirk nahm ihn beim Wort und erschuf angelehnt an Wilhelm Buschs Figuren die frechen Zwillinge Hans und Fritz. Und nicht nur das. "In Nordamerika gab es damals einen sehr hohen Anteil deutschsprachiger Presse", sagt Comic-Experte Martin Jurgeit, "und dort wurden die beiden auch ganz explizit Max und Moritz genannt." Plagiat pur - würde man heute sagen.

All dies passierte noch zu Lebzeiten Wilhelm Buschs - er starb 1908. Geklagt aber hat er nicht. Konnte er auch nicht, so Jurgeit, da er keine Rechte mehr an "Max und Moritz" hatte. Diese waren damals komplett an seinen Verleger Kaspar Braun übergegangen. Aus Briefwechseln aber geht hervor, dass Wilhelm Busch die Entwicklung in den USA durchaus mitbekam, sagt Busch-Biographin Eva Weissweiler. "Er schwankte zwischen irritiert und geschmeichelt. Irritiert über das nun ja sehr offensichtliche Plagiat, und geschmeichelt, dass seine Dorfgeschichte eine derart internationale Resonanz fand."

Buschs Originalhandschriften zu Max und Moritz sind bis heute erhalten. Sein Einfluss auf die internationale Comic-Entwicklung ist unumstritten - und so stark, dass der wichtigste deutschsprachige Comicpreis der "Max-und-Moritz-Preis" ist.

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