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Ölboom mit Schattenseiten: Risiken für Umwelt und Menschen

Tim Schauenberg
12. Januar 2026

Venezuela besitzt die größten Ölreserven der Welt, Trump drängt auf mehr Förderung. Doch Beispiele aus anderen Ländern zeigen: Ein neuer Ölboom am Orinoco könnte Umwelt und Bevölkerung teuer zu stehen kommen.

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Venezuela Erdöl-Anlage von PDVSA
Marode Förderanlagen und Pipelines erhöhen die Umweltgefahr bei der ÖlproduktionBild: Yuri Cortez/AFP

In Venezuela lagern die weltgrößten Ölreserven. Doch die Ölindustrie ist seit Jahren im Niedergang, die Fördermengen waren unter Präsident Maduro stark gesunken. Hohe Staatsschulden, eine marode Infrastruktur, Korruption: Damit Petro-Dollar in Venezuela wieder sprudeln, bräuchte es massive Investitionen und neue Gesetze. Das könnte laut Experten Jahre dauern. Und ein neu entfachter Öl-Rausch könnte einen hohen Preis für die lokale Bevölkerung und ihre Umwelt haben.

Schon heute hat das Land mit massiver Wasserverschmutzung wegen der Ölproduktion zu kämpfen. So ist durch die Förderung und Transport mit maroden Pipelines das Wasser des Maracaibo-Sees - einer der größten Seen Südamerikas - vielerorts verschmutzt. 

Das Gebiet um den Orinoco-Fluss ist mit 1.3 Billionen Barrel Öl eine der größten Lagerstätten der Erde. Wissenschaftler warnen, dass eine Förderung hier die wichtigste Lebensader des Landes kontaminieren könnte.

Das Orinoco-Delta gehört zu den artenreichsten Süßwassersystemen der Welt und ist noch relativ intakt. Eine Expansion der Öl-Förderung dort würde massive Waldrodung zur Folge haben. Und Umweltschützer befürchten eine ökologische Katastrophe für die empfindlichen Ökosysteme.

Zudem ist Venezolanisches Öl besonders schwer, darum werden mehr Chemikalien zur Verarbeitung verwendet, die große Umweltschäden anrichten können. Die Förderung und Produktion verursacht außerdem besonders viele Treibhausgase. 

Sollte die  venezolanische Ölförderung mit US-Beteiligung künftig tatsächlich stark ansteigen, ohne dass Umweltauflagen und Regulierung nachziehen, wären neue Probleme programmiert.

Und dass große Ölressourcen keineswegs automatisch auch Wachstum, Jobs und Wohlstand für die Bevölkerung bringen, zeigen Beispiele aus anderen Ländern. 

Mosambik: Die Kehrseite der Gasausbeutung 

2010 wurden große Gasfelder vor der Küste des ostafrikanischen Landes Mosambik entdeckt. Über 27 Milliarden Euro Investitionen sind zugesagt. Der internationale Währungsfonds schätzt, dass dadurch Umsätze von bis zu 500 Milliarden US Dollar eingenommen werden könnten. Zahlen, die Hoffnung auf schnelles Geld schüren, dass das Land bitter nötig hätte. Doch Kritikern zufolge sind Umsätze in dieser Größenordnung unrealistisch.

Nach Entdeckung der Gasreserven hat es zwölf Jahre gedauert, bis die Produktion beginnen konnte. Weitere Flüssiggas-Projekte sollen erst 2028 starten. Von schnellem Geld kann also keine Rede sein.

Infografik Karte Mosambik Gasfelder
Die Gasprojekte Mosambiks gehören zu den größten Afrikas. Das Land hat immer wieder mit Gewalt, politischen Unruhen und den Folgen des Klimawandels zu kämpfen

Ob und wie die Bevölkerung vor Ort davon profitieren, wird ist ebenfalls fraglich. Ein Bericht des International Institute for Sustainable Development (IISD) zeigt außerdem drastische ökologische Folgen der Gasausbeutung.

Rund um den Verarbeitungsstandort Afungi im Nordwesten sind laut der Studie großflächig Wälder, Feuchtgebiete und Küstenbereiche zerstört worden - Lebensräume, die für Artenvielfalt und den Schutz der Küste entscheidend sind.

Auch im Meer vor der Küste werden Ökosysteme belastet: Bohrungen, Baggerarbeiten und Verschmutzung setzten Meereslebewesen unter Druck. Durch degradierte Lebensräume, Artenverlust und Abwanderung der Meeresbewohner würden nicht nur die Natur treffen, sondern auch den Fischfang stark reduzieren. Das bedroht die Verdienstmöglichkeiten und Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung, warnt das IISD. 

Laut der Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional and Human Rights hat die Entwicklung des Gasprojekt zudem zur Vertreibung der Bevölkerung und einem Anstieg der Gewalt in der Region beigetragen.

Eine Ölplattform brennt lichterloh mitten im Ozean. Etliche Schiffe versuchen das Feuer zu löschen. Sie scheinen klein gegen die gigantischen Flammen und Rauchfahnen die in den Himmel steigen.
Kaum zu löschen. Der Unfall auf der Öl-Plattform Deewater Horizon des BP-Konzerns im Golf von Mexiko hat Auswirkungen bis heute. Bild: AP

USA: Umwelt-Risiken nicht nur für arme Länder

Durch die weltweite Ölförderung sind laut Schätzungen spanischer Wissenschaftler die Umwelt und die Gesundheit von rund 600 Millionen Menschen beeinträchtigt.

Und nicht nur in ärmeren Regionen und Schwellenländern birgt die Öl-Förderung Risiken für die Natur und damit auch die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung. 

Ein dramatisches Beispiel ist die Deep Water Horizon Katastrophe von 2010. Nach der Explosion einer Ölplattform flossen damals monatelang über 700.000 Tonnen Rohöl in den Golf von Mexiko. Die bis heute andauernden Schäden für die Küsten-Ökosysteme in den USA und die lokale Wirtschaft werden auf über 60 Milliarden Dollar geschätzt.

Dort wo Sicherheitsauflagen lax, die Korruption hoch ist, und bestehende Gesetze nicht durchgesetzt werden, kommt es auch häufiger zu Umweltverschmutzungen durch die Industrie. Das zeigen Analysen der Universität Yale und Cambridge. Das dürfte auch für Venezuela zutreffen. 

Ecuador: Öl brachte keinen allgemeinen Wohlstand 

Auch in Ecuador brachte der Ölboom nach der Entdeckung von Vorkommen in den 1960er Jahren keinen schnellen Wohlstand, sondern auch viele Probleme. 

Ein kaputter Hafen, auf dem Wasser spiegeln sich Öl-Augen. Boote liegen an Anker, der Himmel leuchtet dramatisch silbern in der Abendsonne.
Ein dichter Öl-Film auf dem Wasser im Fischereihafen von Esmeraldas in Ecuador. Die Ölpest im März 2025 ist nur eine von vielen in den vergangenen Jahren.Bild: Julio Galarza/AFP

Mit dem Beginn der Öl-Förderung ging auch starke Umweltverschmutzung in den betroffenen Regionen einher. Leckende Pipelines, kontaminiertes Abwasser, und zahlreiche Öl-Katastrophen verpesten seither Wasserläufe und Böden, schaden der Landwirtschaft, der Viehhaltung und den Fischbeständen - und beeinträchtigen wichtig Einkommensquellen der lokalen Bevölkerung.

Die jüngste Öl-Katastrophe nach dem Bruch einer Küsten-Pipeline im März 2025 hatte Auswirkungen auf mehr als 300.000 Menschen. Wie auch hier stehen Ölunfälle durch die Verschmutzung des Wassers häufig Verbindung mit Infektionskrankheiten und langanhaltenden Gesundheitskrisen .

Hohe Staatsausgaben, hohe Schulden: in Ecuador setzte man darauf, dass der Öl-Boom immer weitergehen würde. Doch mit der Öl-Krise in den 80er Jahren und dem einhergehenden Verfall der Preise geriet die ecuadorianische Wirtschaft in die Krise.

Fluss mit einer langen Strand und Wald von Oben. Venezuela Orinoko
Die Artenvielfalt am Orinokofluss ist einzigartig. Er durchquert Venezuela vom Amazonas in den Pazifik. Öl-Förderung in dieser Region würde die Ökosysteme stark gefährden.Bild: Gaby Oraa/REUTERS

Nigeria: Hohe Öleinnahmen, aber nur wenige profitieren

In Nigeria haben Öl- und Gasförderung Jahrzehnte lang enorme Exporterlöse und Staatseinnahmen gebracht. Doch der größte Teil der Einwohner leidet weiter unter Armut. Und die Ölförderung im Nigerdelta hat massiven Umweltschäden und soziale Konflikte verursacht. Fischreiche Gewässer und landwirtschaftliche Flächen wurden mit tausenden Tonnen Öl verseucht, mit direkten Folgen für die Gesundheit und Lebensgrundlage der über 30 Millionen Menschen in der Förderregion. Neue Jobs dagegen entstanden nur wenige.

Trotz der sprudelnden Einnahmen für Konzerne und den Staat profitieren lokale Gemeinden kaum: Sie bleiben oft mit Umweltzerstörung, sozialer Destabilisierung und wachsender Armut zurück, während Entschädigungen durch komplizierte Verfahren und schwache Durchsetzung der Regeln häufig ausbleiben.

Weltweit wird nach Prognosen der IEAzwar die Nachfrage nach Öl und Gas in den nächsten Jahren noch steigen, gleichzeitig sehen die meisten Experten jedoch ein absehbares Ende für fossile Energien.

Öl: Das eigentliche Interesse der USA an Venezuela