Zuhause im All: Astronautin Cristoforetti fliegt zurück zur ISS | Wissen & Umwelt | DW | 06.03.2021
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Zuhause im All: Astronautin Cristoforetti fliegt zurück zur ISS

Astronautin Samantha Cristoforetti fliegt zum zweiten Mal zur ISS. Für sie eine Rückkehr in ihr "zweites Zuhause", doch vieles wird neu und anders sein.

"Ich bin sehr froh, an meinem dritten Tag als neuer Generaldirektor der ESA Samantha Cristoforettis zweite Weltraummission ankündigen zu können", sagte Josef Aschbacher zum Auftakt einer Pressekonferenz am 3. März 2021. Im Frühling 2022 geht es für die ESA Astronautin zurück zur Internationalen Raumstation (ISS). Damit folgt sie ihren Kollegen Thomas Pesquet und Matthias Maurer, die im April und Oktober 2021 ins All starten.

"Natürlich freue ich mich sehr und bin dankbar für diese Möglichkeit. In der Zeit seit meiner Rückkehr konnte ich als Astronautin wachsen. Wir haben diesen Drang, immer so schnell es geht zurück in's All zu wollen", gibt Cristoforetti zu.

Frisch gebrühter ISSpresso

Für Samantha Cristoforetti ist das bereits der zweite Flug zur ISS. Von Herbst 2014 bis Frühling 2015 verbrachte sie dort 200 Tage als Flugingenieurin im Rahmen der Mission "Futura". Damit liegt sie auf Platz zwei der längsten einzelnen europäischen Weltraummissionen. Nur Klassenkamerad Luca Parmitano war als ESA-Astronaut mit 201 Tagen länger ohne Unterbrechung im All.

Den Weltrekord für den längsten Raumflug hält derzeit der Russe Valeri Polyakov mit 437 Tagen und die kumuliert längste Lebenseit im All verbrachte sein Landsmann Gennady Padalka mit insgesamt 878 Tagen. 

In ihrer Zeit auf der ISS führte Cristoforetti viele Experimente durch, hauptsächlich aus der Biologie und der Genetik. Eines davon untersuchte, wie sich die Immunzellen von Säugetieren in Schwerelosigkeit verhalten. Mit den daraus entstandenen Daten konnte gezeigt werden, dass sich Immunzellen binnen weniger Sekunden an Schwerelosigkeit anpassen können.

Besonders Schlagzeilen machte Samantha Cristoforetti mit dem ersten frisch gebrühten Espresso im All.

Kommerzielle Unterstützung

In der Zeit seit Cristoforettis Rückkehr 2015 hat sich vieles getan - sowohl auf der ISS selbst, als auch bei den Transportmöglichkeiten dorthin. "Das Gute an dieser langen Wartezeit ist, dass es viel Neues gibt. Es ist total aufregend, dieses neue Raumschiff zu fliegen!", sagt Cristoforetti.

Damit bezieht sie sich auf die neuen, kommerziellen Raumschiffe aus den USA, die für die kommenden drei ESA-Missionen zur ISS die russische Sojus Kapsel ersetzen - eine Premiere für alle drei ESA-Astronauten. Mit welchem der beiden amerikanischen Raumschiffe Samantha Cristoforetti fliegen wird, Dragon von Space-X oder Starliner von Boeing,  stehe noch nicht fest. Auch das genaue Datum für ihren Abflug müsse noch bestätigt werden.

Erstbezug nach Renovierung

"Die Raumstation hat in ihrer Halbzeit eine kleine Renovierung hinter sich: Neue Geräte und noch mehr spannende Experimente", sagt Cristoforetti. Beispielsweise wartet im Weltraumlabor "Columbus" schon ein neues Gestell schon auf seine Inbetriebnahme. Darin sitzt der erste Weltraum-3D-Drucker, der Metall drucken kann. Für Cristoforetti ein wichtiger Schritt in die Zukunft für längere Expeditionen ins Weltall.

Samantha Cristoforetti steht in der Gruppe von Astronauten aus der Klasse von 2009 neben ihrem französischen Kollegen Thomas Pesquet, nach dem sie 2022 zur ISS fliegen wird. Pesquet bricht bereits im April 2022 zur ISS auf.

Die Astronautenklasse 2009: Cristoforetti und ihr Klassenkamerad Pesquet (4. v.l.) fliegen 2022 und 2021 zur ISS.

Außerdem hat die Raumstation jetzt eine Art Weltraumbalkon: Die neu installierte Außenplattform "Bartolomeo", ein Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Auf dieser Plattform können private Unternehmen unter den Umweltbedingungen des Weltalls Experimente durchführen lassen.

Cristoforetti ist gespannt: "Es ist also eine Mischung aus Freude auf mein zweites Zuhause im Weltall und auf die professionellen Herausforderungen in dieser neuen und schon auch gereiften Umgebung."

Füße am Boden, Kopf in den Sternen

In ihrer Zeit auf der Erde hat die Astronautin allerdings schon weiter geblickt als zur ISS: Die Vorbereitungen für eine Rückkehr der Menschheit zum Mond laufen auf Hochtouren. "Es waren aufregende Jahre, seit ich zurückgekommen bin. Seit meiner Rückkehr konnte ich beruflich sehr wachsen und auch viel meiner Erfahrung als Astronautin zurückgeben.", erklärt Cristoforetti. So leitete sie die Denkfabrik Spaceship EAC,  wo Studierende, Trainees und Doktoranden zukünftige Missionen zur Mondoberfläche entwerfen.

Geplanter Ausgangspunkt solcher Missionen: Die Weltraumstation Lunar Gateway,  die den Mond umkreist. Noch dieses Jahrzehnt soll sie gebaut und Ausgangspunkt für weitere Weltraummissionen werden. Als erfahrene Astronautin weiß Samantha Cristoforetti genau, was der Mensch braucht, um sich im All wohl zu fühlen.

Sie vertritt als Crew-Representative die Interessen der zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner der Mondstation: "Ich konnte hier meine Perspektive als Astronautin einbringen. Das ist für mich besonders aufregend, weil mein Heimatland Italien in diesem Projekt für die Konzeption und Herstellung der Wohnmodule für Mondstationen zuständig ist." 

Die zylindrische, weiße Raumkapsel I-Hab wird als Habitat Modul Teil des Lunar Gateway, der Weltraumstation im Mondorbit sein.

Diese künstlerische Darstellung zeigt, wie das Wohnmodul für die Astronauten im Lunar Gateway aussehen könnte.

Der Mond zum Greifen nah

Samantha Cristoforettis Reise zu den Sternen begann 2009 als Teil der bisher letzten ESA-Astronautenklasse. Doch das ändert sich jetzt: Von März bis April 2021 können sich zukünftige Astronautinnen und Astronauten bewerben. "Damit ersetzen wir nicht unsere erfahrenen Astronauten, die hoffentlich noch viele Missionen fliegen werden", stellt ESA Generaldirektor Aschbacher klar. "Wir wollen die Gruppe erweitern, um Astronautinnen und Astronauten weiter zu schicken als zu ISS, also zum Beispiel zum Mond." Drei Plätze sind für europäische Astronauten reserviert, die noch in diesem Jahrzehnt zum Lunar Gateway fliegen sollen.

Für Samantha Cristoforetti geht es erst einmal wieder zur ISS, vermutlich für die üblichen sechs Monate Dauer einer solchen Mission. Welche neuen Ideen hat sie für weitere erste Male nach dem ersten Weltraum Espresso? "Ich habe da schon so einiges im Kopf. Aber das jetzt schon zu verraten wäre doch langweilig."