Zootiere erholen sich vom Bürgerkrieg | Wissen & Umwelt | DW | 02.09.2013
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Wissen & Umwelt

Zootiere erholen sich vom Bürgerkrieg

Nicht nur die Menschen in der Elfenbeinküste litten unter dem Bürgerkrieg, auch die Tiere im Zoo. Mit internationaler Hilfe wollen ihn die Betreiber jetzt zu einem Vorbild in Westafrika machen.

Nach den Präsidentschaftswahlen 2010 hatte eine regelrechte Gewaltorgie die Elfenbeinküste heimgesucht. Über 3000 Menschen fielen dem Bürgerkrieg zum Opfer. In der Hauptstadt Abidjan waren ganze Stadtteile nicht mehr sicher.

Zoo-Mitarbeiter trauten sich nicht mehr an ihren Arbeitsplatz, sondern verbarrikadierten sich zu Hause. Die Zootiere wurden nicht mehr gefüttert. Mehr als ein Viertel verhungerte elendig, darunter alle fleischfressenden Tiere, wie zum Beispiel Löwen. Die pflanzenfressenden Tiere fanden in ihren Käfigen oder Gehegen zwar meist ein bisschen Wasser und Grünzeug, doch sie magerten extrem ab, und in den Käfigen sammelten sich stinkender Matsch und Exkremente. Die Folge: Infektionen und Krankheiten.

Bewaffnete Kämpfer im Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste März/April 2011 (Foto: dpa)

Der Bürgerkrieg machte vor dem Zoo nicht halt

Selbst als sich die Lage im Land besserte, standen die Aussichten für den Zoo schlecht: Der Zooverwaltung fehlte Geld für Futter und selbst, wenn sie Geld gehabt hätte - es gab nichts zu kaufen. "Für Menschen war das alles schon schlimm genug, aber die Tiere waren noch hilfloser", erinnert sich Zoodirektor Lama Tia. "Ich kann ja weglaufen, aber wo sollten die Tiere hin?" Auch viele Gebäude des Zoos wurden bei den Kämpfen beschädigt. "Gott sei Dank sind wenigstens keine Zoo-Mitarbeiter erschossen worden", fügt Tia hinzu, "denn auch direkt vor dem Zoo kam es zu heftigen Schießereien."

Ein neues Gehege für Elefantenkuh CAN

Auch vor dem jüngsten Bürgerkrieg erfüllte der Zoo die grundlegenden Standards für angemessene Tierhaltung nicht. In viel zu kleinen Käfigen hatten viele Tiere Verhaltensstörungen entwickelt. "Als ich zum ersten Mal hierhin kam, befand sich in den Gehegen der meisten Tiere absolut gar nichts", erinnert sich Richard Champion, der stellvertretende Zoodirektor. "Nur nackter Beton, Gitterstäbe, dreckiges Wasser, kaum Futter - und Tiere in einem erbärmlichen Zustand."

Doch jetzt scheint Besserung in Sicht: In diesem Jahr saniert das Forstministerium mit Schweizer Unterstützung die Anlagen. Um die schwer erkrankten Tiere zu retten, wurden speziell ausgebildete Tierärzte eingeflogen. Der einzige überlebende Elefant bekommt ein neues Gehege. Die Elefantenkuh trägt den Namen CAN und ist besonders beliebt bei Kindern. Sie wurde 1992 geboren, just in dem Jahr, als die Fußballmannschaft der Elfenbeinküste den Cup der Afrikanischen Nationen (CAN) in Senegal gewonnen hatte. Auch eine neue Gruppe Löwen bekommt der Zoo. Ende 2013 sollen sie in eine neue Anlage ziehen.

Ein Pavian in einem Zookäfig in Abidjan (Foto: Tamasin Ford)

Die Tiere wurden im Stich gelassen

"Wir wollen für die Tiere ein besseres Zuhause schaffen", versichert der stellvertretende Zoodirektor Champion. "Dazu gehören viele Baum-Äste, frisches Wasser, eine abwechslungsreichere Futtermischung mit vielen Früchten. Und wir gestalten das Ganze ein bisschen interessanter, sowohl für die Tiere als auch für die Zoobesucher."

Zoo mit hoch gesteckten Zielen

Der Zoo von Abidjan beherbergt die weltweit größte Population von Spitzmaulkrokodilen in Gefangenschaft. Nun startet auch ein einzigartiges Brutprogramm: Hier gezüchtete Krokodile sollen wieder ausgewildert werden.

Der Zoo will Kindern und Jugendlichen etwas über Tiere und die Natur beibringen. Dazu soll ein Schulungszentrum gebaut werden. Mit solchen Projekten möchte der Zoo von Abidjan zum bedeutendsten in ganz Westafrika werden. Aber es gibt noch viele Hürden zu überwinden. So mangelt es nicht nur an Geld für tierärztliche Behandlungen. Es nuss sehr viel gebaut werden. Umso wichtiger sind den Betreibern weltweite Partnerschaften mit anderen Zoos - um Tiere, aber auch zoologisches und betriebswirtschaftliches Wissen auszutauschen.

Die mageren Jahre sind vorbei

Zumindest an Futter mangelt es dem Zoo nicht mehr. Zur abendlichen Fütterungszeit greift Lama Tia tief in einen Eimer: Mit Tomaten, Brot, Äpfeln und Bananen verwöhnt er seine vom Aussterben bedrohten westafrikanischen Schimpansen. Tia hofft, dass sich die mageren Zeiten nie mehr wiederholen. "Wenn es diese Konflikte nicht gegeben hätte, dann wären die Tiere auch nicht gestorben", sagt er. "Auch deshalb wollen wir hier nie wieder Krieg. Es kann nicht angehen, dass Tiere so schrecklich leiden müssen, nur weil sich die Menschen gegenseitig bekämpfen."