Zollfahnder entdecken in München verschollene Gemälde | Aktuell Deutschland | DW | 03.11.2013
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Aktuell Deutschland

Zollfahnder entdecken in München verschollene Gemälde

Ein Münchener soll jahrzehntelang verschollen geglaubte Kunstwerke in seiner Wohnung versteckt haben. Darunter sollen Gemälde von Picasso, Matisse, Beckmann und Nolde sein. Zollfahnder machten den Sensationsfund.

Etwa 1500 verschollen geglaubte Bilder von Meistern der klassischen Moderne sollen die Zollfahnder nach einem Bericht des Magazins "Focus" bei einem 80-jährigen Renter in München gefunden haben. Bei den Bildern handele es sich um sogenannte Nazi-Raubkunst, also um Werke, die die Nationalsozialisten als "entartet" gebrandmarkt und konfisziert hatten oder auch von jüdischen Sammlern raubten.

Bei dem Fund sollen viele Gemälde bekannter Künstler dabei sein - etwa von Pablo Picasso, Henri Matisse, Marc Chagall, Emil Nolde, Franz Marc, Max Beckmann, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Ernst Ludwig Kirchner und Max Liebermann.

Zugriff erfolgte bereits 2011

Laut "Focus" soll der Kunsthändler Hildebrand G. die Kunstwerke in den 1930er und 1940er Jahren aufgekauft haben. Dessen Sohn Cornelius G. habe die Bilder dann über ein halbes Jahrhundert in seiner Schwabinger Wohnung gehortet. Im Laufe der Jahre habe er einzelne Bilder verkauft und von dem Erlös gelebt.

Dem Bericht zufolge schlugen die Fahnder bereits im Frühjahr 2011 in der Wohnung des Mannes zu. Dieser sei bei einer zufälligen Bargeldkontrolle während einer Zugreise von der Schweiz nach München im September 2010 aufgefallen, berichtet das Magazin weiter. Nachforschungen hätten dann zur Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen geführt.

Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung

Laut "Focus" ermitteln die Staatsanwälte wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegen Cornelius G.. Die zuständige Staatsanwaltschaft Augsburg bestätigte den Bericht bisher nicht.

Die beschlagnahmten Gemälde befinden sich dem Bericht zufolge nun in einem Sicherheitstrakt des bayerischen Zolls in Garching bei München. Eine Berliner Kunsthistorikerin versuche, die Herkunft und den Wert der Bilder zu ermitteln. Das Magazin spricht von einem Wert von insgesamt rund einer Milliarde Euro.

Für viele der Bilder liegen Suchmeldungen vor

Den Untersuchungen zufolge gehören mindestens 300 der aufgetauchten Werke zu den verschollenen Exponaten, die von den Nazis als "entartete Kunst" bezeichnet wurden. Für mindestens 200 Werke lägen offizielle Suchmeldungen vor.

Eines der beschlagnahmten Matisse-Gemälde soll dem jüdischen Kunstsammler Paul Rosenberg gehört haben, dem Großvater der französischen Journalistin Anne Sinclair. Sinclair, die seit mehreren Jahren um die Rückgabe der von den Nazis gestohlen Gemälde kämpft, hat laut "Focus" bisher nichts von dem Matisse-Bild gewusst.

nem/kis (dpa, afp)