Zahl der Toten bei Waldbränden in Griechenland steigt | Aktuell Europa | DW | 24.07.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Griechenland

Zahl der Toten bei Waldbränden in Griechenland steigt

Extreme Hitze und starke Winde haben in Griechenland verheerende Waldbrände verursacht, die zeitweise außer Kontrolle gerieten. Experten sprechen vom "schlimmsten Szenario". Rettungskräfte entdecken immer neue Leichen.

Der Bürgermeister der nahe Athen gelegenen Hafenstadt Rafina, Vangelis Bournous,rechnet mit mindestens 60 Toten. "Rettungsmannschaften gehen von Haus zu Haus und suchen nach Opfern", sagte der Bürgermeister im griechischen Nachrichtensender Skai. Er gehe davon aus, dass 1200 Häuser allein im Raum seiner Stadt zerstört worden seien. Die Regierung hat bislang 50 Opfer gemeldet. Die Zahl der Verletzten bezifferte ein Regierungssprecher auf 172, darunter 16 Kinder. Elf Menschen schwebten in Lebensgefahr, teilte er mit.

"Es ist eine nationale Tragödie", sagte Innenminister Panos Skourletis dem staatlichen Fernsehsender ERT. Fischer, die Küstenwache und Urlauber mit Schlauchbooten sollen mehr als 700 Menschen in Sicherheit gebracht haben, die an Stränden und felsigen Küstenabschnitten Zuflucht vor den Flammen gesucht hatten.

Griechenland bittet um Hilfe

Die meisten Brände wurden in der Nacht offenbar unter Kontrolle gebracht, nachdem die Winde nachgelassen hatten. Zurzeit herrschen in Griechenland Temperaturen um 40 Grad. Windböen der Stärke sieben hatten zur Ausbreitung der Brände beigetragen. 

Waldbrände in Griechenland (Reuters/A. Konstantinidis)

Rauch verdunkelt den Himmel über der Akropolis in Athen

Tausende Menschen übernachteten im Freien, in Autos und Sporthallen, wie das Staatsfernsehen berichtete. Die schwersten Schäden entstanden anscheinend im Osten Athens in der Region der Hafenstadt Rafina. Deren Stadtteil Mati wurde fast vollständig zerstört. Das Fernsehen zeigte Bilder von ganzen Straßenzügen mit völlig niedergebrannten Häusern. In der Region wurde der Notstand ausgerufen. 

Waldbrände in Griechenland (Reuters/A. Konstantinidis)

Tausende Menschen sind vor der Feuersbrunst geflohen

Mit dem ersten Tageslicht wurden massiv Löschflugzeuge und Hubschrauber eingesetzt. "Wir hoffen, heute die Brände zu löschen", sagte ein Feuerwehrmann im Staatsfernsehen. Die wegen der Rauchschwaden vorübergehend gesperrte Autobahn zwischen Athen und Korinth wurde am Dienstagmorgen wieder geöffnet. In der betroffenen Region haben viele Athener ihre Ferienwohnungen. Tausende Menschen sind geflohen. 

Griechenland | Waldbrände (Reuters/C. Baltas)

Neben der Feuerwehr sind auch Soldaten und freiwillige Helfer im Einsatz

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras zeigte sich im Staatsfernsehen (ERT) besorgt und äußerte den Verdacht, dass Brandstifter hinter den Feuern stecken könnten. Wie ERT weiter berichtete, brach Tsipras am Montagabend einen Besuch in Bosnien-Herzegowina ab und wollte in der Nacht nach Griechenland zurückfliegen.

Hilfe aus Zypern, Spanien, Italien und Bulgarien

Mehrere EU-Länder boten unterdessen Hilfe an. Zypern, Spanien und Bulgarien sicherten Flugzeuge, Einsatzkräfte, Ärzte und Löschfahrzeuge zu, wie ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel sagte. Italien stelle zwei Löschflugzeuge zur Verfügung, twitterte der italienische Premierminister Giuseppe Conte. Der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides will sich noch an diesem Dienstag auf den Weg nach Athen machen. Er werde dort die EU-Hilfen koordinieren, die bereits auf dem Weg seien, teilte er mit. Er sei in ständigem Kontakt mit Tsipras.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach dem griechischen Ministerpräsidenten ihr Mitgefühl aus. "Das Leid der betroffenen Menschen berührt uns alle", schrieb Merkel in einem Kondolenztelegramm an Tsipras. Merkel sicherte zugleich die Solidarität Deutschlands zu. "Sie können sich unserer Unterstützungsbereitschaft bei der Bewältigung der Brandkatastrophe sicher sein", hieß es in dem Telegramm weiter.

ust/wa/ww (dpa, afp, rtr, ap)

Die Redaktion empfiehlt