Die Hitzewelle bringt uns um | Wissen & Umwelt | DW | 18.07.2018
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Wissen & Umwelt

Die Hitzewelle bringt uns um

Eine Hitzewelle bricht sich Bahn. Viele Menschen genießen es, in der Sonne zu brutzeln. Diese Temperaturen sorgen aber nicht nur für einen braunen Teint, sondern können desaströse Folgen für die Natur haben.

Wir alle genießen sonnige Tage und beschweren uns gerne, wenn es einmal regnet. Der blaue Himmel und die Sonnenstrahlen trügen jedoch über eine unschöne Wahrheit hinweg: Auf dem ganzen Globus haben die Höchsttemperaturen ein bedenkliches Niveau erreicht. Die Folgen sind Waldbrände, ruinierte Ernten und der Tod von vielen Menschen.

2016 war das Jahr mit den weltweit höchsten Temperaturen seit es Messungen gibt.Verantwortlich hierfür war eine Kombination aus dem Wetterphänomen El Niño und der globalen Erwärmung. Obwohl wir 2018 das gegenteilige Wetterphänomen La Niña erleben, was die Temperaturen senkt, war der Juni diesen Jahres einer der heißesten seit es Temperaturaufzeichnungen gibt - Anzeichen einer Hitzewelle.

Eine Hitzewelle beschreibt einen Zustand, in dem an mindestens fünf Tagen am Stück die Durchschnittstemperaturen um fünf Grad überschritten werden. Einzelne extrem heiße Tage können hingegen weder einer Hitzewelle noch der globalen Erwärmung zugeschrieben werden.

"Im Augenblick ist der Trend jedoch der,dass wir als Ergebnis des Klimawandels weiterhin mit extremen Hitzewellen rechnen müssen", berichtet Clare Nullis, Pressesprecherin der Weltorganisation für Meteorologie. 

Mehr dazu: Schlechte Ernte in Deutschland gefährdet Existenzen

 

Die Hitze fordert ihren Tribut

Für Menschen in Südeuropa sind 30 Grad im Sommer nichts besonderes. Für eine Person aus dem Vereinigten Königreich oder Irland hingegen ist das mehr als außergewöhnlich. Im Normalfall überschreiten die Temperaturen dort im Juni nicht einmal die 20 Grad Marke.

Am 28. Juni wurden in Glasgow Temperaturen von 31,9 Grad Celsius erreicht. In Shannon, Irland, wurden sogar 32 Grad gemessen -  ein neuer Rekord.

Deutsche hingegen sind inzwischen an Temperaturen von über 30 Grad im Mai und Juni gewöhnt, sie genießen sie teilweise sogar. In Georgien wurde aber nochmal eine Schippe drauf gelegt: ein Allzeithoch von 40,5 Grad wurde im Juni gemessen.

Montreal in Kanada erreichte Anfang diesen Monats die höchsten Temperaturen seit 147 Jahren. Die Hitzewelle forderte dort den Tod von 70 Menschen, vor allem durch Kreislauferkrankungen. 

In Ouargla, einer Stadt Algeriens in der Sahara, wurde eine Temperatur von unglaublichen 51,3 Grad erreicht. 

Im jetzigen Klimawandel-Szenario werden Hitzewellen "in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts alle zwei Jahre auftreten", berichtet Vladimir Kendrovski, der im Europabüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Abteilung Klimawandel und Gesundheit zuständig ist. 

Infografik Karte Extreme Hitze DE

In verschiedenen Städten wurden wegen der Hitzewelle neue Höchsttemperaturen erreicht

Zu heiß zum Überleben 

Doch reicht die Zeit, um sich daran zu gewöhnen? Kendrovski erläutert, dass "die Hitzewelle in Europa in den letzten Jahrzehnten mehr Tote gefordert hat, als irgendein anderes Extremwetter".

Mit ein Grund: Die hohen Temperaturen führen unter bestimmten Wetterbedingungen zu Sommersmog. Mehr Kreislauf- und Atemwegsbeschwerden treten auf, während die umherfliegenden Pollen gleichzeitig immer öfter Asthma auslösen, berichtet die WHO. 

Darüber hinaus stören die hohen Temperaturen beim Schlafen. Obwohl der Körper sich so dringend von den Belastungen erholen muss, kann er das wegen der Hitze nicht einmal nachts. 

"Kleinkinder und ältere Menschen leiden am meisten", sagt Simone Sandholz, die bei den Vereinten Nationen im Universitätsinstitut für Umwelt und menschliche Sicherheit arbeitet. "Die meisten Opfer der Hitzewelle leben in dicht besiedelten Städten mit wenig Luftaustausch", ergänzt sie. 

Gerade Hitze und Feuchtigkeit bilden laut Nullis für den Menschen eine tödliche Kombination. Schon 70 Menschen fielen ihr in Montreal zum Opfer. Auch in Japan verstarben im Juni 14 Menschen, während mehr als 2000 ins Krankenhaus gebracht werden mussten. 

Stechende Plagegeister 

Hinzu kommt, dass dann auch noch Wespen und andere Plagegeister perfekte Bedingungen zur Vermehrung vorfinden. In England haben sich die Notrufe wegen Insektenstichen im Juli fast verdoppelt.

Viel schlimmer als ein Stich beim Genuss des Kirschkuchens ist aber die Gefahr durch Mücken - besonders, wenn sie Malaria, Denguefieber oder andere Krankheiten übertragen. Kendrovski geht davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und von derartigen Parasiten übertragenen Krankheiten besteht.

Und selbst das Hirn arbeitet nicht mehr so, wie es das eigentlich sollte. Die hohen Temperaturen können dazu führen, dass unser Gehirn bis zu 10 Prozent langsamer arbeitet, hat eine gerade veröffentlichte Studie herausgefunden.

Eine andere Studie an New Yorker Schulen legt nahe, dass vielleicht 90.000 Schüler in Prüfungen durchgefallen sind, die sie normalerweise bestanden hätten - alles wegen den hohen Temperaturen.

Kenia Netz gegen Malaria-Mücke (picture-alliance/dpa7S. Morrison)

Mücken vermehren sich besser bei hohen Temperaturen.

Ein komplexer Kreislauf

Auch Waldbrände sind eine Folge der erbarmungslos brennenden Sonne. 80.000 Hektar Wald sind im Vereinigten Königreich, Schweden und Russland dem extremen Wetterphänomen zum Opfer gefallen.

Auch Felder vertrocknen oder fangen sogar Feuer. In Großbritannien hatten Bauern Schwierigkeiten die Nachfrage nach Erbsen und Salat weiterhin decken zu können. Niedrige Erträge und Ernteausfälle standen auf der Tagesordnung. Nicht ganz so schlimm, aber trotzdem bedroht sind der Broccoli-, Kohl- und Weizenanbau. 

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Mali: Mit Gemüse gegen den Klimawandel

In Deutschland haben sich die Bauern inzwischen damit abgefunden, dass die Getreideernte weit weniger erfolgreich sein wird als in den letzten Jahren. "Wir werden wieder einen Ernteertrag haben, der weit unter Durchschnitt liegt", berichtet Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauern Verbands (DVB) gegenüber der DW. Weiter berichtet er, dass manche Bauern überlegen würden, die Ernte gar nicht erst einzusammeln, sondern direkt zu zerstören - der Arbeitsaufwand würde sich schlicht nicht lohnen.

Der Zugang zu Klimaanlagen und Kühlungsanlagen scheint bei diesen Temperaturen besonders wichtig zu sein, aber auch der hat eine Schattenseite. Denn die Energie dieser Systeme speist sich hauptsächlich aus fossilen Energieträgern. Je mehr also gekühlt wird, desto mehr wird zum Klimawandel beigetragen und desto mehr steigen die Temperaturen - ein Teufelskreis.

Zeit, die Dingen anzupassen

Kendrovski weist besonders auf einen Punkt hin: "Falls das Gesundheitssystem besser an meteorologische Systeme angepasst wäre, ließen sich Gesundheitsprobleme durch die Hitzewelle vermeiden."

Sandholz hingegen möchte im Kampf gegen die Hitze vor allem auf bessere Stadtplanung setzen. Der Einfluss von Hitze auf Stadtviertel könnte vermindert werden - durch Parks oder Wind-Korridore. 

Frau Sandholz richtet einen Appell an alle: "Wir sollten die Hitze nicht unterschätzen".

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