Klimawandel setzt die Welt in Brand | Wissen & Umwelt | DW | 23.08.2017
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Erderwärmung

Klimawandel setzt die Welt in Brand

Im Jahr 2017 wurden große Teile Europas, Kanadas und der USA von verheerenden Waldbränden heimgesucht. 2018 wurden diese Rekorde noch übertroffen. Werden Hitze und Brände die neue Normalität?

Fast 20 Brände haben die US-Westküste in den letzten zwei Monaten verwüstet. Einige brennen noch immer. Die Waldbrandsaison kommt mittlerweile früher, dauert länger, wütet heftiger. Der Grund: Heißere und trockenere Sommer.

Im Jahr 2017 fegten mehr als ein Dutzend Brände durch Nordkalifornien, Oregon und Washington. 41 Menschen wurden dabei getötet, 6000 Häuser zerstört, Teile der berühmten Weinregion Yakima Valley im Süden des Bundesstaates Washington niedergebrannt. Bis dahin war dies die tödlichste und folgenreichste Serie von Bränden in der Geschichte der Region.

Dieses Jahr hat dann das "Ferguson Fire" den Yosemite-Nationalpark in Kalifornien verwüstet, während rund fünf Autostunden weiter nördlich das "Carr Fire" mehr als 81.000 Hektar, rund 1000 Häuser und 500 Gebäude niederbrannte.

Das größte Feuer, das Kalifornien traf, ist jedoch der "Mendocino Complex" – ein Zusammenschluss von gleich zwei Waldbränden, der mehr als 115.000 Hektar von Nordkalifornien in Schutt und Asche legte, darunter 157 Häuser und 120 andere Gebäude. Damit ist es das größte Feuer in der Geschichte des Staates.

Nach den Waldbränden in 2017 mögen die diesjährigen Brände gar nicht mehr so ungewöhnlich erscheinen - aber das macht sie nicht weniger gefährlich. Und was die Zukunft angeht, scheint ein Rückgang der weltweiten Brände nicht in Sicht zu sein.

Tödliche Konsequenzen

Sechs Feuerwehrleute starben bislang im Kampf gegen die Feuer in Kalifornien im Jahr 2018, so die staatlichen Behörden. Doch nicht nur an der so oft von Bränden heimgesuchten US-amerikanischen Westküste geht es heiß her. Auch in Europa führt die diesjährige Hitzewelle zu ungewöhnlich trockenen Böden – und Bränden.

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Verzweiflung nach dem Feuer in Griechenland

Mehr als 80 Menschen starben im Juli in Griechenland, als der schlimmste Waldbrand des Landes den kleinen Ferienort Mati – etwa 28 Kilometer östlich von Athen – traf. Tausende wurden evakuiert, mehr als 1500 Häuser beschädigt und viele zerstört.

Im spanischen Valencia flohen rund 2500 Menschen aus ihren Häusern, um den Bränden zu entkommen, die über fast 2500 Hektar fegten. Im benachbarten Portugal brach Anfang August in Monchique, an der Algarve, ein Großbrand aus, als die Temperaturen auf Mitte 40 Grad Celsius anstiegen.

USA Kalifornien - schwere Waldbrände bei Redding (Getty Images/J. Sullivan)

Das "Carr Fire" in Kalifornien breitete sich mehr als 81.000 Hektar aus

Selbst Teile der Arktis standen in Flammen. Hier lagen die Temperaturen im Sommer zehn Grad Celsius über dem Durchschnitt. Auch Länder, in denen es in der Regel eher feucht bzw. gemäßigt ist, blieben von Bränden nicht verschont: Im Juli erlebte Schweden einige der schlimmsten Feuer seit Jahrzehnten und den heißesten Juli seit 250 Jahren, so die schwedische Katastrophenschutzbehörde. Und auch Norwegen, Finnland und Lettland mussten gegen Flammen kämpften.

Die kanadische Provinz British Columbia hat am 15. August den Ausnahmezustand ausgerufen, als Hunderte von Waldbränden in der gesamten Region wüteten. Tausende Menschen wurden evakuiert und mehr als 600.000 Hektar Land standen in Flammen.

Im Jahr 2017 erlebten Alberta und British Columbia die schlimmste Brandsaison seit Beginn der Aufzeichnungen. Bis Mitte Oktober verbrannten dabei mehr als drei Millionen Hektar.

Waldbrände in Schweden (picture-alliance/dpa/R. Henriksson)

Schweden hat diesen Sommer den heißesten Juli seit 250 Jahren erlebt

"Keine Kontrolle" über Dürren

Während Waldbrände in der Regel durch Blitze oder Menschen ausgelöst werden – ob leichtfertig oder absichtlich – werden sie von Hitzewellen schneller vorangetrieben. Und die könnten bald die neue Norm sein, warnen Klimaforscher, und prognostizieren weitere heiße Jahre.

"Waldbrände im Sommer sind natürlich, aber der Klimawandel erhöht das Risiko", sagt Bob Ward, Direktor für Politik und Kommunikation am Grantham Research Institute on Climate Change and the Environment.

Insbesondere die Trockenheit ist eine treibende Kraft bei Feuern. Gerade der Winter vor der Brandsaison 2018 in Kalifornien war "sehr trocken", so Ward. "Dürren bedeuten auch gleichzeitig trockenes Holz – und das dient den Bränden als Brennstoff."

Mit Blick auf Griechenland, so Ward, gibt es zum Beispiel "sehr deutliche Anzeichen dafür, dass die nördlichen Mittelmeerländer häufigere und intensivere Dürreperioden erleben. Das ist auf den Klimawandel zurückzuführen".

Laut Ward haben wir nun "keine Kontrolle" mehr über das Auftreten von Dürren in "den nächsten drei oder vier Jahrzehnte". Die seien uns aufgrund der Treibhausgas-Emissionen schon sicher.

Ob die letzten zwei Jahre also nur ein Vorgeschmack waren, auf das, was kommt?

Waldbrände in Kalifornien (picture-alliance/Zumapress/M. Bicek)

Auch das richtige Landmanagement spielt eine Rolle bei der Ausbreitung von Bränden

Harte Konkurrenz

Es waren sicherlich ein paar intensive Jahre für Brände in Europa und Nordamerika. Aber laut Martin Wooster, Professor für Erdbeobachtung am King's College London, gab es in anderen Teilen der Welt durchaus schlimmere Jahre.

Vor drei Jahren hatte eine Dürre – verursacht durch das Wetterphänomen El Niño – Flächenbrände in Indonesien begünstigt. Die biologische Widerstandsfähigkeit der Urwälder war bereits durch Rodungen geschwächt. Hinzu kam, dass Moore trockengelegt worden waren, um Torf abzubauen. Der hatte sich entzündet und es bildeten sich Schwelbrände, die das Feuer monatelang am Leben hielten.

"Das hat zu riesigen Bränden geführt. Sie waren viel größer als das, was wir in Europa sehen. Und sie haben mit die schlimmsten Luftverschmutzungen verursacht, die wir je erlebt haben", sagte Wooster. 

Satellitenbild NASA Brände (NASA)

Satellitenbilder der NASA aus 2018 geben einen weltweiten Überblicke über die Brände

Längere Brände – längere Erholungszeit

Der Trend deutet auf längere und brutalere Waldbrand-Saisons. "Im Westen der USA glaubt man bereits, dass es keine bestimmten Jahreszeiten für Waldbrände mehr gibt. Es wird wohl in Zukunft das ganze Jahr über durchgehend brennen", sagte Kevin Trenberth, Wissenschaftler am Nationalen Zentrum für Atmosphärenforschung in den USA gegenüber der DW. 

Aber nicht alle Feuer sind schlecht: In vielen Gegenden der Welt sind Flächenbrände ein Teil des natürlichen Kreislaufs. Zum Beispiel werden Savannen durch Feuer erhalten. Manche Bäume brauchen Flammen, um ihre Samen freizusetzen. Menschliche Interventionen können den Kreislauf durcheinander bringen.

Abholzung zum Beispiel kann ebenfalls das Risiko eines Waldbrandes erhöhen. Da große, ältere Bäume Brände oftmals schon überlebt haben, sind sie widerstandsfähiger als kleinere, jüngere Bäume und Sträucher in den Zwischenräumen. Wenn jedoch dieser sogenannte Sekundärwald in Brand gerät, können die kleineren Bäume Flammen in die hohen Baumkronen tragen, was die älteren Bäume wiederum anfälliger für Feuer macht.

USA Kalifornien Waldbrände bei Redding (Reuters/F. Greaves)

Diese Nachbarschaft wurde durch das Carr Fire zerstört

Oder wenn kleine Feuer gelöscht werden, sammeln sich brennbare Abfälle so lange, bis gewaltige Feuer ausbrechen, die nicht mehr kontrolliert werden können. "Eine Sache, die das Risiko großer Brände erhöhen kann, ist ironischerweise die Unterdrückung von Bränden", sagte Ward.

Kleine Brände brennen zu lassen und sie zu kontrollieren, sei effektiver, weil man "das trockene Holz los wird", fügte er hinzu. "Wenn nicht, erreicht man nur ein viel größeres und zerstörerischeres Feuer."

Aufgrund der globalen Erderwärmung wird es an vielen Orten immer heißer und trockener werden – perfekte Bedingungen für regelmäßig verheerende Waldbrände. Auch vorausschauendes Forstmanagement wird daran wenig ändern können. Wegen veränderter Klimabedingungen kann es länger dauern, bis sich Wälder erholen. Währenddessen brechen Brände auch in Lebensräumen aus, wie den Tropen, die eine solche natürliche Symbiose mit Feuer nicht haben.

Menschlicher Fingerabdruck

Viele Menschen verursachen zudem Waldbrände auch ganz ohne den Klimawandel. Viele der diesjährigen Brände in Europa und Nordamerika sind das Ergebnis einer unachtsam weggeworfenen Zigarette oder unkontrollierter Lagerfeuer. 

Aus diesem Grund rief Ward die Regierungen auf, nicht nur zu versuchen, die Emissionen zu reduzieren, um Dürren zu vermeiden. Sie sollten auch dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit angemessen über die Gefahr von Waldbränden aufgeklärt wird. 

"Darüber hinaus haben wir natürlich die Möglichkeit - wenn wir unsere Treibhausgasemissionen reduzieren - diesen Trend zu häufigeren Dürren zu stoppen. Aber das liegt allein an uns."

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