WM-Schiedsrichter aus Somalia trotz Visum abgewiesen
9. Juni 2026
FIFA-Schiedsrichter Omar Artan aus Somalia stand kurz davor, ein Stück Fußballgeschichte zu schreiben. Als erster Unparteiischer seines Landes war der 34-Jährige vom Fußball-Weltverband FIFA für eine Fußball-Weltmeisterschaft nominiert worden und sollt bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada Spiele leiten.
Doch statt auf dem Rasen landete Artan wieder im Flugzeug nach Istanbul: Trotz eines gültigen Visums wurde ihm bei seiner Ankunft am Flughafen von Miami die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert.
Somalia gehört zu den Staaten, deren Bürger von den unter US-Präsident Donald Trump verschärften Einreisebeschränkungen betroffen sind. Nach Angaben des somalischen Sportministeriums musste Artan unmittelbar nach der Zurückweisung nach Istanbul zurückreisen.
In einer FIFA-Mitteilung bedankte sich Artan für den Zuspruch, den er erhielt: "Ich möchte der FIFA und der CAF für ihre Unterstützung danken und verspreche, mein Niveau als Schiedsrichter hochzuhalten, während ich mich auf die Zukunft konzentriere", erklärte er. Die FIFA verwies darauf, dass Visa-Entscheidungen allein beim Gastgeberland liegen.
"Ihm die Einreise in die Vereinigten Staaten zu verweigern und ihn daran zu hindern, geplante Spiele zu leiten, schadet nicht nur ihm persönlich, sondern untergräbt auch das Bekenntnis des Fußballs zu Fairness, Leistung und Fairplay", erklärte Ciise Aden Abshir, Berater des somalischen Sportministeriums, gegenüber der Agentur AFP.
Probleme für Spieler, Teams und Fans
Schon seit Monaten warnen Verbände, Fanorganisationen und Menschenrechtsgruppen vor den Folgen der verschärften Einreisebestimmungen. Besonders betroffen ist der Iran, mit dem sich die USA seit Monaten im Krieg befinden.
Zwar kann die Nationalmannschaft grundsätzlich am Turnier teilnehmen, doch Visa-Fragen und politische Spannungen sorgen seit Langem für Unsicherheit. Inzwischen hat die Mannschaft ihr ursprünglich in Arizona geplantes WM-Quartier nach Tijuana in Mexiko verlegt. Von dort soll das Team lediglich zu den Spielen in Los Angeles und Seattle in die USA einreisen und anschließend wieder nach Mexiko zurückkehren.
Auch andere Teilnehmer waren von außergewöhnlich strengen Kontrollen betroffen. Laut Medienberichten wurden Mitglieder der Delegationen aus Senegal und Usbekistan bei ihrer Ankunft zusätzlichen Sicherheitsüberprüfungen und Befragungen unterzogen.
Auf Aufnahmen aus den USA sind senegalesische Teammitglieder bei Kontrollen durch Mitarbeiter des amerikanischen Logistikdienstleisters Elite Team Logistics zu sehen, der unter anderem mit Behörden, Flughäfen und Veranstaltern zusammenarbeitet.
Bereits zuvor hatte der irakische Nationalspieler Aymen Hussein öffentlich gemacht, dass er bei seiner Einreise in die USA rund sieben Stunden festgehalten worden sei, bevor er schließlich einreisen durfte.
Millionen Fans bleiben außen vor
Ebenso gravierend sind die Folgen für viele Anhänger der teilnehmenden Nationen. Für Bürger des Iran und Haitis gelten derzeit weitreichende Einreiseverbote, wodurch Fans faktisch von der WM ausgeschlossen werden.
Auch Unterstützer aus dem Senegal und der Elfenbeinküste stehen vor erheblichen Hürden. Wegen stark eingeschränkter Visa-Vergaben haben viele von ihnen kaum realistische Chancen, ihre Mannschaften in den USA zu begleiten.
Dabei hatte die FIFA die Weltmeisterschaft 2026 als das bislang größte und globalste Turnier der Geschichte angekündigt. Kritiker werfen den Gastgebern nun vor, genau jene internationale Offenheit zu untergraben, die das Turnier eigentlich verkörpern soll.
Trumps Aussagen sorgen für zusätzliche Brisanz
Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch Äußerungen Trumps. "Die Somalier, was sie mit Minnesota gemacht haben - die Somalier sind durch und durch korrupt", sagte der US-Präsident damals bei einer Kabinettssitzung.
Über die demokratische Kongressabgeordnete Ilhan Omar erklärte er: "Ilhan Omar ist durch und durch korrupt." Anschließend fügte er hinzu: "Sie sind alle Betrüger. Jetzt ziehen wir die Daumenschrauben an."
Bereits Monate zuvor hatte Trump erklärt: "Die Somalier sollten nicht hier sein. Sie haben unser Land zerstört." Über die in Somalia geborene Abgeordnete Omar sagte er damals, sie solle "zum Teufel aus unserem Land geworfen werden".
Die Aussagen fallen in eine Zeit, in der nun ausgerechnet ein somalischer WM-Schiedsrichter trotz gültiger Einreisedokumente an der US-Grenze scheiterte.
Kurz vor dem Eröffnungsspiel der WM rückt damit nicht nur der Fußball in den Fokus, sondern auch die Frage, wie willkommen Spieler, Offizielle und Fans aus bestimmten Teilen der Welt im Gastgeberland tatsächlich sind.