Wim Wenders zeigt seine Polaroids in Berlin | Kunst | DW | 07.07.2018
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Fotografie

Wim Wenders zeigt seine Polaroids in Berlin

"Wie ein Besessener" machte Wim Wenders als junger Regisseur mit seiner Polaroid-Kamera Fotos - und prägte den Instagram-Stil, lange bevor es das Internet überhaupt gab. In Berlin sind nun einige seiner Bilder zu sehen.

"Die Polaroids waren für das Filmedrehen ein Hilfsmittel, waren aber kein Selbstzweck, sondern entbehrlich", sagte Wim Wenders einmal. Schon bevor die Polaroid-Kamera auf den Markt kam, besaß er einen Prototypen und machte im Laufe der Jahre rund 12.000 Sofortbilder.

Die meisten Bilder verschenkte er. Von den übrigen 3500 Polaroid-Fotos des preisgekrönten Filmemachers und Autors wurden seit 2017 einige ausgestellt und in der Zeitschrift "The New Yorker" sowie der englischen Tageszeitung "The Guardian" kommentiert. Fazit: Wenders' Schnellschüsse haben weitaus mehr als nur autobiographischen Wert.

Jetzt kommt die Ausstellung "Wim Wenders. Sofort Bilder" erstmals nach Deutschland. Vom 7. Juli bis zum 23. September werden etwa 240 Schnappschüsse vom Ausstellungshaus C/O Berlinim Amerika-Haus ausgestellt. Neben den Aufnahmen werden Auszüge seiner Filme gezeigt, die Fotografie zum Thema haben.

Wenders fotografierte "wie ein Besessener"

Als seine alten Polaroids damals wieder ans Tageslicht kamen, sagte Wenders, "Wow, wo kam das alles her? Das meiste hatte ich vergessen. Jetzt wird mir klar: Ich habe damals wie ein Besessener Fotos gemacht." 

Der Filmemacher hatte damals einen Pro­totypen der Kamera von dem jungen Unternehmen Polaroid erhalten und setzte diese 1974 in die Erzählung seines Films "Alice in the Cities" ein. Darin geht es um einen Mann, der wegen seiner Schnappschüsse seinen Job verliert. Auch die Fotos im Film trugen Wenders' Handschrift: einerseits persönlich, andererseits poetisch, als ob er damals schon ahnte, dass sie später einmal einen zeitlosen Wert besitzen würden.

Wim Wenders (imago/Xinhua)

Wim Wenders bezeichnet sich selbst als "den Reisenden und dann erst Regisseur oder Fotograf"

Wenders hat mit seiner Polaroid-Kamera immer wieder Augenblicke während der Dreharbeiten festgehalten. So füllte er seinen "visuellen Notizblock". Hinzu kamen Städte- und Landschaftsaufnahmen, aber auch Fotos besonderer Momente, wie die öffentliche Trauer nach dem Tod von John Lennon. "Damals lernte ich das Handwerk des Filmemachens", sagt Wenders. "Polaroids waren dazu das komplementäre Werkzeug, eine Bestätigung meines Interesses an Menschen, Orten und Objekten - oder einfach ein Mittel, die Dinge in Erinnerung zu halten."

Ende der Fotografie

Für den Filmemacher gehört das Fotografieren mit der Sofortbildkamera mittlerweile zur Vergangenheit. "Jetzt hat das Beobachten für mich einen anderen Stellenwert", sagt er. "Früher ging es bei jedem Bild um seine Einmaligkeit. Als solches war es gewissermaßen heilig. Diese Idee trage ich nicht mehr."

Auch wenn Wenders-Motive aus dem Alltag das Instagram-Zeitalter vorwegzunehmen scheinen, hat sich für ihn die Kunst der Fotografie völlig verändert. Damals war es für ihn "ein Moment der Überraschung, eine Spannung, einen Herzschlag lang. Ein völlig einzigartiges Ding, eben ein Unikat. Keine Kopie, kein Abzug, nichts Vervielfältigbares oder Wiederholbares." Und was hält Wenders von der digitalen Fotografie von heute? "Ich weiß nicht, warum wir das noch Fotografie nennen. Es sollte ein anderes Wort dafür geben. Aber niemand hat sich darum gekümmert, einen neuen Begriff zu finden."

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