Wieviele Währungen für Kuba? | Wirtschaft | DW | 07.10.2020
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Dollar & Co.

Wieviele Währungen für Kuba?

Anzeichen, die seit Jahren angekündigte Währungsreform auf Kuba könnte kommen, verdichten sich. Eine der beiden zirkulierenden Währungen wird dann abgeschafft. Doch längst beherrscht eine neue alte Währung den Alltag.

Man hätte meinen können, es sei endlich ein Impfstoff gegen COVID-19 zugelassen worden, so groß war die Erleichterung bei den Bewohnern Havannas, als die Regierung in der vergangenen Woche das Ende des einmonatigen Lockdowns und der nächtlichen Ausgangssperre für die kubanische Hauptstadt verkündete. Die Zahl der Neuinfektionen war in der Woche zuvor auf durchschnittlich 21 pro Tag gesunken. Restaurants dürfen ihren Betrieb bei halber Auslastung wieder aufnehmen, Strände und Schwimmbäder öffnen, ebenso Theater und Kinos; auch der öffentliche Nahverkehr startet wieder. Eine andere wichtige Entscheidung für den Alltag der KubanerInnen steht dagegen weiterhin aus: die seit sieben Jahren angekündigte Zusammenführung der verschiedenen Währungen im Land.

Audiomitschnitte und Dokumente, die Anfang September in den sozialen Netzwerken zirkulierten, schienen auf eine baldige Währungsreform hinzudeuten und entfachten die Debatte. Angesichts der zahlreichen Gerüchte sah sich die kubanische Zentralbank zu einem Dementi "über den angeblichen Beginn der Währungsvereinigung zum 1. Oktober 2020" veranlasst. Wenn es eine Entscheidung gebe, werde diese über offizielle Kanäle mitgeteilt.

Drei Währungen

Tatsächlich verstrich der 1. Oktober und der sogenannte Peso Convertibile (CUC) ist weiter gängiges Zahlungsmittel auf der Insel. "Aber in den vergangenen Wochen gab es viele Anzeichen, dass die Währungsunion bevorsteht, angesichts der vielen Beiträge dazu in den staatlichen Medien", sagt der kubanische Ökonom Omar Everleny, früher an der Uni Havanna, heute als unabhängiger Berater tätig, im Gespräch. Tatsächlich wird auch in den Staatsmedien zuletzt auffallend offensiv über das Thema berichtet. Experten der Zentralbank unterstrichen kürzlich in der Tageszeitung Granma unter dem Titel "Währungsvereinigung am Horizont Kubas" die Notwendigkeit einer Währungsunion.

Kuba - Währung

Parallel-Währungen: "Peso Cubano" (oben) - und "Peso Convertibile" (unten)

Seit 1994 zirkulierten auf der Insel zunächst drei Währungen. Neben dem Peso Cubano (CUP) wurde der Peso Convertibile (CUC) eingeführt, dessen Wert an den im Sommer 1993 legalisierten US-Dollar gekoppelt ist. Seit 2004 ersetzt der CUC den US-Dollar. Der offizielle Wechselkurs zwischen CUP und CUC beträgt 24:1. In der Buchführung von staatlichen Unternehmen und Banken dagegen wird in der Regel mit einem Kurs von 1:1 gerechnet. Dieser doppelte Wechselkurs verschleiert jedoch die wirklichen Produktionskosten und verzerrt unter anderem die wirtschaftliche Bewertung von Investitionen. Bereits im Oktober 2013 hatte die Regierung daher die Abschaffung der Doppelwährung angekündigt. Die Umsetzung lässt seitdem auf sich warten.

Wirtschafts- und Versorgungskrise

"Als geplant wurde, den CUC abzuschaffen und nur den CUP zu belassen, wurde nicht mit einer solch angespannten wirtschaftlichen Lage wie derzeit gerechnet", sagt Everleny. Wegen des coronabedingten Einbruchs des Tourismus und der verschärften US-Sanktionen fehlen Kuba wichtige Deviseneinnahmen. Das Land steckt in einer tiefen Wirtschafts- und Versorgungskrise.

Um dringend benötigte Devisen einzunehmen, eröffnete die Regierung vor einem Jahr staatliche Devisenläden, in denen Haushaltsgeräte und Autoteile und seit Juni auch Lebensmitel und Hygieneartikel in ausländischen Währungen gekauft werden können. Dafür müssen KubanerInnen bei einer staatlichen Bank ein Konto in US-Dollar einrichten, das mit einer Girokarte verbunden ist. Die Regierung spricht von MLC (Moneda Libremente Convertible), frei konvertierbarer Währung.

"Es ist eine ungleiche Maßnahme", sagt Everleny, da nicht jeder Kubaner und jede Kubanerin Zugang zu Devisen hat. Er hält sie dennoch für richtig. "Viele dieser US-Dollar sind ins Ausland geflossen, um damit in Mexiko oder Panama einzukaufen." Sie blieben nun im Land. "Hier hat der Staat Flexibilität gezeigt, auch wenn es ein großes Gleichheitsproblem gibt, wenn wieder Läden geschaffen werden, in denen nur ein Teil der Bevölkerung einkaufen kann." Das erinnere an die neunziger Jahre. Aber anders als damals gebe es nun ein Bankwesen in US-Dollar, sagt Everleny, "das heißt, der US-Dollar wird in keinem Einzelhandelsladen bar zirkulieren, sondern nur in Form von MLC per Kartenzahlung."

Devisenläden in Kuba

Ansturm auf die Devisenläden in Kuba

Schwarzmarkt für Devisen

Gleichzeitig aber ist ein Schwarzmarkt für Devisen entstanden. Der CUC hat gegenüber US-Dollar und Euro an Wert eingebüßt. "US-Dollar in bar werden vermehrt für den Kauf und Verkauf von teuren Gütern verwendet, insbesondere von Häusern und Autos", beobachtet der kubanische Ökonom Ricardo Torres Pérez vom Studienzentrum der kubanischen Wirtschaft (CEEC) an der Universität von Havanna gegenüber DW. "Es ist ein Trend, der sich fortsetzen wird." Im Moment sei das Angebot an US-Dollar in bar sehr begrenzt. Mit der Wiederaufnahme von Flügen und mehr Touristen aber werden "frische US-Dollar" ins Land kommen und der informelle Markt in Devisen dürfte anwachsen, glaubt Torres. Die sogenannte Dollarisierung könne keine dauerhafte Lösung sein, sagt er, aber "als Krisenbekämpfungsstrategie wird sie auf absehbare Zeit weiter an Boden gewinnen."

Mit der Dollarisierung des Einzelhandels aber besteht kein Grund mehr, den Peso Convertibile CUC beizubehalten. Denn mit dem frei konvertierbaren MLC wurde faktisch eine neue Währung eingeführt, auch wenn die nicht in bar zirkuliert. Eine Abschaffung des CUC bedeutet daher nicht das Ende des Zwei-Währungssystems.

Everleny geht davon aus, dass der Peso abgewertet wird. Damit werden Exporte gefördert und Importe teurer. "Das heißt, dass die Preise steigen werden, denn für die Unternehmen wird es teurer, Produkte einzukaufen, und das wird sich im Endpreis niederschlagen." Er rechnet mit einer Lohn- und Preisreform. Dass die Zusammenführung der Währung demnächst kommt, daran besteht für Everleny kein Zweifel. "Der Moment, die Maßnahme durchzuführen, ist jetzt. Denn die wirtschaftliche Situation ist so schwierig, dass es schwer vorstellbar ist, sie könne sich in den kommenden Monaten bessern." Aber es gehe nicht nur darum, "den CUC abzuschaffen, sondern die Löhne zu erhöhen, denn die Preise werden steigen und Subventionen wegfallen."