Wieder billiges Geld von der EZB | Wirtschaft | DW | 07.03.2019
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Eurozone

Wieder billiges Geld von der EZB

Eigentlich wollte sich die Europäische Zentralbank langsam von ihrer Politik des billigen Geldes verabschieden. Doch weil die Konjunktur lahmt, gibt es bald neue Geldspritzen. Der Leitzins bleibt unverändert niedrig.

Ein Zeitraum von drei Monaten kann recht lang sein. Noch im vergangenen Dezember hatte die Europäische Zentralbank EZB ein Ende ihres milliardenschweren Anleihe-Kauf-Programms verkündigt: Dessen Ziele schienen in greifbare Nähe gerückt, die Inflationsrate höher, das Wirtschaftswachstum auf gutem Kurs. Nun, im März, sieht manches anders aus.

Wie viele andere Forscher, Fachleute und Institutionen blickt nun auch die EZB skeptischer in die Zukunft. Mehr als 1,1 Prozent dürfte die Wirtschaft im laufenden Jahr nicht zulegen, so EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt zu den Wachstumsaussichten der 19 Mitgliedsstaaten in der Eurozone. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hatte unlängst sogar vor einer möglichen Abwärtsspirale gewarnt: "Das Wirtschaftsklima in der Eurozone verändert sich fundamental und nicht nur vorübergehend."

Das Mittel, zu dem die Währungshüter nun greifen, heißt Langfristkredite, genauer TLTROs (oder "Targeted longer-term refinancing operations"). Gemeint sind lang laufende Kredite an Geschäftsbanken zu sehr günstigen Konditionen. Je mehr die Banken ihre Kreditsumme ausweiten, um so günstiger wird der Kredit. Das Programm soll im September 2019 starten.

Leizins bleibt auf null

Die EZB kündigte auch an, die Leitzinsen noch bis mindestens zum Jahresende 2019 nicht anzutasten. Bislang hatten die Währungshüter die Möglichkeit einer Zinserhöhung nach dem Sommer in Aussicht gestellt. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken mit Geld versorgen können, liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Deutschland EZB PK in Frankfurt Mario Draghi (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Skeptischer: EZB-Präsident Mario Draghi

Kritiker sehen in der Wiederaufnahme der Programme für billiges Geld schon den Versuch, Kriseninstrumente dauerhaft einzusetzen, so etwa Bundesbank-Chef Jens Weidmann in diesen Tagen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Weidmann gehörte auch zu den schärfsten Kritikern des EZB-Ankaufsprogramms, mit dem die Notenbank riesige Euro-Summen durch Anleihekäufe in die Märkte gepumpt hat. Seit Beginn der Anleihekäufe im März 2015 bis Ende 2018 hat die EZB Wertpapiere im Volumen von rund 2,6 Billionen Euro erworben.

Inflation und Wachstum

Das Ankaufprogramm zielte einerseits darauf, die Inflationsrate in die Nähe der von der EZB angestrebten Zielmarke von zwei Prozent zu hieven. Das Ziel hat sie verfehlt - auch wenn es zwischenzeitlich anders aussah. Die Inflationsrate in der Eurozone  lag im Februar bei 1,5 Prozent, im Januar bei 1,4 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet die Zentralbank nun mit 1,2 Prozent.

Infogafik Wachstumsprognose EURO Zone DE

Zweites Ziel der Währungshüter war es, das Wirtschaftswachstum zu stärken oder zumindest nicht zu behindern. Und da scheint dringender Handlungsbedarf. Alle Auguren sind sich inzwischen einig, dass die Zeiten erheblich rauer werden. Die Prognosen für 2019 reichen von einem Wachstum im Bereich von nur noch einem Prozent (so die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit) bis zu 1,6 Prozent - das ist die Annahme des Internationalen Währungsfonds IWF für die Eurozone. Die Frankfurter Währungshüter liegen mit ihrer Prognose von 1,1 Prozent am pessimistischeren Ende. 

Ob das Instrument der Langfristkredite da hilft? Es soll die Geschäftsbanken ermuntern, leichter Kredite an Unternehmen auszureichen, die darauf dringend angewiesen sind. Beobachter äußerten aber schon die Befürchtung, die eher vorsichtig agierenden Banken könnten die frischen Mittel nützen, ältere und teurere Verbindlichkeiten abzulösen.

Die EZB habe mit ihrer Ankündigung jedenfalls "fast alle überrascht", erklärte der Chefvolkswirt der ING-Bank, Carsten Brzeski. "Der Zeitpunkt - nicht der Inhalt - der Ankündigung kommt doch überraschend und hat etwas von Panik", so Brzeski.

ar/bea (dpa, rtr)

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