Widerstandskämpfer Simcha ″Kazik″ Rotem tot | Europa | DW | 23.12.2018
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Überlebender der Nazi-Gräuel

Widerstandskämpfer Simcha "Kazik" Rotem tot

Er leistete Widerstand gegen die Nazis: Simcha Rotem wollte die Deportationen von Juden in Konzentrationslager verhindern. Nun ist dieser letzte Überlebende des Aufstandes im Warschauer Ghetto 94-jährig gestorben.

Simcha Rotem hatte sich während des Zweiten Weltkriegs den Kampfesnamen Kazik Ratajzer gegeben. Eingesperrt im von den Nazis errichteten Warschauer Ghetto, startete er gemeinsam mit anderen jüdischen Insassen im April 1943 einen Aufstand gegen die Besatzer. Hunderte wehrten sich gegen die SS-Einheiten, die damit begonnen hatten, die Ghetto-Bewohner in Vernichtungslager zu deportieren.

Der fast einmonatige Kampf gegen die überlegenen Deutschen scheiterte am 16. Mai 1943. Seine blutige Niederschlagung besiegelte das Schicksal der meisten bis dahin überlebenden Warschauer Juden, die vor dem Krieg ein Drittel der Bevölkerung gestellt hatten. Tausende wurden erschossen oder in die Todeslager deportiert.

Flucht durch die Kanalisation

Simcha "Kazik" Rotem gehörte zu den wenigen, die fliehen konnten. Nach schweren Kämpfen gegen die Deutschen gelang es ihm, mit anderen Kameraden durch einen Abwasserkanal aus dem zerstörten Ghetto zu entkommen.

Nun ist Rotem im Alter von 94 Jahren in Jerusalem gestorben. Das teilte Israels Präsident Reuven Rivlin mit. "Heute Abend verabschieden wir uns von dem letzten Kämpfer des Warschauer Ghetto-Aufstands", so Rivlin. "Er schloss sich dem Aufstand an und half das Leben von dutzenden Kämpfern zu bewahren."

Räumung des Warschauer Ghettos 1943 (picture-alliance/AP Photo)

Räumung des Warschauer Ghettos durch die Nazis (1943): Mehr als 300.000 Juden in Vernichtungslager deportiert

Auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu würdigte Rotem. Dieser habe "gegen die Nazis gekämpft und Juden gerettet". Nach seiner Einwanderung habe er in Israel zahlreichen Menschen von seinen Heldentaten berichtet. "Seine Geschichte und die Geschichte des Aufstands werden unser Volk für immer begleiten", so Netanjahu.

Die Aufständischen im Ghetto hatten es vorgezogen, im Kampf statt in einer Gaskammer des Vernichtungslagers Treblinka zu sterben. Dorthin hatten die Nazis Anfang 1943 bereits mehr als 300.000 Warschauer Juden deportiert.

Lebenslange Selbstzweifel

Vor fünf Jahren, bei einer Gedenkveranstaltung in der polnischen Hauptstadt zum 70. Jahrestag des Aufstandes, erinnerte Rotem daran, dass bis April 1943 die meisten Juden des Ghettos ums Leben gekommen waren und die 50.000 Verbliebenen das gleiche Schicksal erwartete.

Simcha Rotem bei Gedenkveranstaltung in Warschau (2013) (Getty Images/AFP/J. Skarzynski)

Rotem bei Gedenkveranstaltung in Warschau (2013)

Rotem sprach 2013 in seiner Rede davon, dass er und seine Kameraden den Aufstand starteten, um "die Art des Todes zu wählen", die sie selbst wollten. Aber er habe sein Leben lang immer wieder darüber nachgedacht, ob die Kämpfer das Recht hatten, den Aufstand zu beginnen "und gleichzeitig das Leben vieler Menschen um eine Woche, einen Tag oder zwei zu verkürzen".

Nach seiner Flucht aus dem Ghetto setzte Simcha "Kazik" Rotem seinen Kampf gegen die deutschen Besatzer fort: 1944 nahm er auch am Warschauer Aufstand teil, der von polnischen Widerstandskämpfern gegen die Nazis angeführt wurde. 

AR/se (afp, dpa)

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