Stichwort: Aufstand im Warschauer Ghetto | Aktuell Welt | DW | 18.04.2018
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75 Jahre nach dem Aufstand im Ghetto Warschau

Stichwort: Aufstand im Warschauer Ghetto

"Ghettos" waren ein zentrales Element des NS-Terrors und des Holocaust, und das größte war das in Warschau. Dies gibt einen Hinweis auf die symbolische Bedeutung des Aufstands, der vor 75 Jahren begann. Eine Chronologie.

Räumung Warschauer Ghetto 1943 (picture-alliance/AP Photo)

Nach einem Monat jüdischen Widerstands räumen deutsche Truppen das Warschauer Ghetto

Bis 1939 war Warschau eine pulsierende Metropole und nicht zuletzt ein Zentrum des europäischen Judentums. Die polnische Hauptstadt beherbergte Europas größte jüdische Gemeinde.

Nach Deutschlands Überfall auf Polen am 1. September 1939 terrorisierten die deutschen Besatzer die Warschauer Juden mit Zwangsarbeit und vielen weiteren Maßnahmen.

November 1940 - Eine Mauer um den "Jüdischen Wohnbezirk"

Sechs Wochen, nachdem alle jüdischen Bewohner Warschaus den Befehl erhalten haben, in das jüdische Viertel umzuziehen, wird in der Nacht vom 16. auf den 17. November 1939 eine Mauer um den Bezirk gebaut. Die Kosten für Bau und Bewachung der Mauer mussten die Juden selbst tragen. Ab Oktober 1941 drohte bei unerlaubtem Verlassen des Ghettos die Todesstrafe.

Mehr als 400.000 Menschen werden auf rund zwei Prozent des Stadtgebiets eingeschlossen, einer Fläche kleiner als der New Yorker Central Park. Verschiedene jüdische Hilfsorganisationen versuchen, die chronische Unterversorgung im völlig überfüllten Ghetto zu lindern. Dennoch sterben bis Juli 1942 bis zu 100.000 Menschen an Hunger und Krankheiten.  

Warschauer Ghetto 1940 (picture-alliance/akg-images)

Bau der Ghetto-Mauer in der Warschauer Swietokryska-Straße im Sommer 1940

April 1942: Der jüdische Widerstand formiert sich

Seit Errichtung des Ghettos haben jüdische Jugendorganisationen und Parteien im Untergrund weitergearbeitet, im April 1942 formiert sich um den 23-jährigen Mordechai Anielewicz die "Jüdische Kampforganisation" (ZOB) "Zydowska Organizacja Bojowa".

Juli 1942 - Das Ghetto als Vorhof der Vernichtung

Am 22. Juli 1942 beginnen die Deportationen der Ghetto-Bewohner, überwiegend in das Vernichtungslager Treblinka. Allein dort werden schätzungsweise 280.000 Juden aus Warschau ermordet, mehr als 10.000 Menschen werden noch in Warschau erschossen.

Januar 1943 - Der "kleine Aufstand"

Als die deutschen Besatzer am 18. Januar 1943 wieder eine, zynisch "Umsiedlungsaktion" genannte, Deportation beginnen, stoßen sie plötzlich auf Widerstand: Die Kampforganisation ŻOB leistet bewaffnete Gegenwehr. Die überraschten Deutschen brechen die Aktion daraufhin ab.

April 1943 - Der Aufstand

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75 Jahre nach dem Aufstand im Warschauer Ghetto

SS-Verbände rücken ins Ghetto vor. Erneut greifen die jüdischen Kämpfer zu den Waffen. Am 19. April 1943, es ist der Vorabend des jüdischen Pessach-Festes, fallen die ersten Schüsse. Die erste urbane Erhebung im von NS-Deutschland besetzten Europa beginnt. Die überrumpelten deutschen Truppen müssen sich zunächst zurückziehen. Die für die Deportationen bereitgestellten Waggons bleiben leer. Die Ghetto-Bewohner, die nicht kämpften, fliehen oder verstecken sich in Bunkern. Es folgen heftige Straßenkämpfe. Dann setzen die Deutschen die Häuser im Ghetto in Brand, um die in Bunkern und Kellern versteckten Aufständischen zur Aufgabe zu zwingen.

Mai 1943 - Der Widerstand bricht

Ab dem 8. Mai 1943 belagert die SS den Kommandobunker der Kampforganisation ZOB. Einige jüdische Kämpfer können entkommen, andere nehmen sich das Leben. Unter ihnen: Mordechai Anielewicz.

Aufstand im Warschauer Ghetto (picture-alliance/dpa/epu CAF)

Nach Niederschlagung des Aufstands wurden mehr als 40.000 Bewohner in Lager deportiert und dort zumeist ermordet

Etwa 13.000 Juden sind während des Aufstandes erschossen worden oder in den Bunkern ums Leben gekommen. Im Anschluss werden Tausende ins Vernichtungslager Treblinka deportiert. Die verbleibenden etwa 36.000 Menschen werden in andere Lager gebracht, vor allem nach Majdanek.

Am 16. Mai sprengt SS-Brigadeführer Jürgen Stroop, Oberkommandeur der deutschen Truppen während des Aufstandes, eigenhändig die Große Synagoge: ein symbolischer Akt, um das Ende des Ghettos und mit ihm das Ende der jüdischen Bevölkerung Warschaus zu demonstrieren.

Der sogenannte "Stroop-Bericht", adressiert an den Reichsführer SS Heinrich Himmler, ist überschrieben mit dem Satz: "Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr." Weiter unten im Bericht wird nüchtern vermeldet: "Gesamtzahl der erfassten und nachweislich vernichteten Juden beträgt insgesamt 56.065.“

Trümmerlandschaft im Warschauer Ghetto 1943 (picture-alliance/AP Photo)

Ab Sommer 1943 brannten und sprengte die SS den Bereich des Warschauer Ghettos nieder

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