WHO-Chef fordert Impfstoff für ärmere Länder statt für Kinder | Aktuell Welt | DW | 14.05.2021
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Coronavirus

WHO-Chef fordert Impfstoff für ärmere Länder statt für Kinder

Die Weltgesundheitsorganisation appelliert an reiche Länder, Corona-Impfstoff an ärmere Länder zu spenden statt jetzt damit die eigenen Kinder zu impfen.

Madagscar Covax COVID-19

Ein Impfstoffpaket von Covax trifft auf dem Flughafen von Antananarivo in Madagaskar ein

Der Generalsekretär der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, sagte bei einem virtuellen Treffen in Genf, zurzeit stünden nur 0,3 Prozent des globalen Angebots an Impfstoffen Ländern mit niedrigem Einkommen zur Verfügung. In vielen Ländern seien noch nicht einmal medizinisches Personal und Pflegekräfte gegen COVID-19 geschützt.

Er verstehe, warum manche Länder ihre Kinder und Jugendlichen impfen wollten. Zum jetzigen Zeitpunkt bitte er aber dringend, das zu überdenken, erklärte Tedros. Die Dosen sollten besser der Initiative Covax zur Verfügung gestellt werden. Die Initiative, an der die WHO führend beteiligt ist, strebt eine gerechte globale Verteilung von Impfstoffen an. Covax hat bisher 60 Millionen Impfdosen ausgeliefert. Die Initiative hat aber Schwierigkeiten, ihre Lieferziele zu erreichen, zum Teil wegen indischer Exportbeschränkungen für den AstraZeneca-Impfstoff.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus

Eindringlicher Appell: WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus

Die WHO hofft, dass mehr Länder dem Beispiel Frankreichs und Schwedens folgen und Impfdosen an Covax abgeben, um die Kluft in den Impfquoten zwischen reichen und armen Ländern zu verringern. Kanada und die Vereinigten Staaten gehören zu den Ländern, die zuletzt Corona-Impfstoffe für die Verwendung bei Kindern und Jugendlichen zugelassen haben. Ein WHO-Beamter sagte in diesem Zusammenhang, dass Gespräche mit Washington über die Abgabe von Impfdosen im Gange seien.

Indien impft nun mit Sputnik V

Derweil wurde bekannt, dass in Indien nun auch der russische Corona-Impfstoff Sputnik V eingesetzt wird. Die ersten Impfungen mit dem Vakzin hätten im zentralindischen Hyderabad begonnen, teilte der russische Staatsfonds RDIF mit. Sputnik V sei damit der "erste im Ausland hergestellte Impfstoff, der in Indien genutzt wird". Eine zweite Charge werde in den kommenden Tagen in Indien erwartet.

Die indischen Behörden hatten Sputnik V Mitte April eine Notzulassung erteilt. Mehrere in Indien ansässige Pharmafirmen, darunter Virchow Biotech und Hetero Biopharma, wurden zudem Lizenzen für eine örtliche Produktion des russischen Vakzins erteilt. Ziel der Unternehmen ist es, insgesamt mehr als 850 Millionen Impfstoffdosen pro Jahr herzustellen.

Indien Mumbai Coronapandemie Impfzentrum

In diesem Impfzentrum in Mumbai warten zahlreiche Bürger auf eine Corona-Impfung

Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern gehört zu den derzeit am schwersten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder der Welt. Den dritten Tag in Folge meldeten die Behörden des Landes am Freitag den Tod von mehr als 4000 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen stieg um mehr als 343.000.

Modi unter Druck

Wegen der dramatischen Lage gerät Premierminister Narendra Modi zunehmend in die Kritik. Seine Regierung hatte ursprünglich angekündigt, bis Ende Juli 300 Millionen Menschen gegen COVID-19 zu impfen. Von diesem Ziel ist der Subkontinent allerdings weit entfernt. Bisher erhielten in Indien, das der weltweit größte Impfstoffhersteller ist, nur 38,2 Millionen Einwohner eine Impfung. Grund für die schleppende Kampagne sind unter anderem Lieferengpässe, Probleme mit dem Online-Buchungssystem für Impftermine sowie ein Verwaltungschaos.

Video ansehen 02:09

Indiens verzweifelter Kampf gegen die Corona-Pandemie (11.05.2021)

In einer Ansprache an die Bevölkerung betonte Modi am Freitag, er könne das Leiden der Bevölkerung nachfühlen. "Wegen des Coronavirus haben wir Menschen verloren, die uns nahestanden. Der Schmerz, den unsere Bürger in den vergangenen Tagen erleiden mussten, empfinde ich genauso stark", sagte der Regierungschef.

kle/uh (dpa, afp, rtre)