Masih Alinejad in Davos: ″Ich will die Stimme der Unterdrückten sein″ | Asien | DW | 21.01.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Menschenrechte

Masih Alinejad in Davos: "Ich will die Stimme der Unterdrückten sein"

Zum Weltwirtschaftsforum in Davos wurde auch die iranische Frauenaktivistin Masih Alinejad eingeladen. Dort möchte sie auf die Situation der Menschenrechte im Iran aufmerksam machen, sagt sie im DW-Interview.

Masih Alinejad lebt im New Yorker Exil. Die iranische Journalistin hat drei Million Abonnenten auf Instagram, dem letzten noch nicht blockierten sozialen Netzwerk im Iran. Sie startete im Jahr 2017 die Kampagne "White Wednesdays". Jeden Mittwoch verbreitete sie Fotos und Videos von Frauen, die im Iran gegen das dort obligatorische Kopftuch protestieren. Dafür können die Frauen mit bis zu zehn Jahren Haft verurteilt werden. Alinejad gehört zu den wenigen Personen, denen viele unterdrückte Menschen im Iran noch vertrauen. Zum Beispiel die Familien von inhaftierten oder getöteten Demonstranten in den letzten Monaten. Die DW hat Masih Alinejad in Davos erreicht.

DW: Was genau hat Sie nach Davos geführt?

Masih Alinejad: Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos finden viele weitere Veranstaltungen statt. Ich wurde eingeladen, über die Situation der Frauenrechte und die Verletzung der Bürgerrechte im Iran zu sprechen. Für mich als Menschenrechtsaktivistin ist dies eine wichtige Gelegenheit, die Aufmerksamkeit von Staats- und Regierungschefs und Medien zu erreichen.

USA Treffen Masih Alinejad mit Mike Pompeo (USAdarFarsi)

Masih Alinejad mit US-Außenminister Mike Pompeo

Was wollen Sie mitteilen?

Wir müssen immer wieder betonen, dass in unserem Land die Bürgerrechte, die Rechte der Frauen und die Rechte der Minderheiten von Gesetzgebern und Politikern in keiner Weise respektiert werden. Zum Beispiel hat in den letzten Monaten ein Massaker im Iran stattgefunden. Laut der Nachrichtenagentur Reuters wurden bei den November-Protesten 1500 Menschen getötet. Amnesty International geht von tausenden inhaftierten Demonstranten aus.

Auch den Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs müssen wir thematisieren, die Tatsache, dass die Angehörigen der getöteten Passagiere nicht einmal in Ruhe trauern können und permanent von den Sicherheitsbehörden überwacht werden. Ihnen wurde nicht erlaubt, ihre Angehörigen selbst zu bestatten. Die Behörden haben ohne ihre Erlaubnis die Leichen in der Märtyrer-Abteilung des Teheraner Friedhofs beerdigt. Sie entführen sogar die Leichen, um sie zur Schau zu stellen. 

Ich glaube, dass wir diese Tatsachen der Weltöffentlichkeit mitteilen müssen, damit die Behörden der Islamischen Republik Iran sich schämen. Ich habe aber hier erfahren, dass kein Vertreter der iranischen Regierung in Davos anwesend ist.

Mohammed Dschawad Sarif (Reuters/E. Novozhenina)

Irans Außenminister Dschawad Sarif kommt nicht nach Davos

Das iranische Außenministerium hat mitgeteilt, dass Irans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif seine Reise nach Davos abgesagt hat. Könnte seine Entscheidung etwas mit den Veranstaltungen am Rande des Weltwirtschaftsforums etwas zu tun haben?

Wenn er hier wäre, würde er an den Sitzungen der Politiker teilnehmen, die völlig abgetrennt stattfinden. Ich glaube nicht, dass die Aktivitäten der Menschenrechtsaktivisten seine Entscheidung bestimmt haben. Ich appelliere aber an allen Aktivisten, diese internationalen Foren, ob bei den Vereinten Nationen oder anderswo, zu nutzen, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zu gewinnen.

Die Behörden in meinem Land treten die Bürgerrechte des iranischen Volkes mit Füßen. Wie die iranische Schauspielerin Taraneh Alidousti sagt: "Iraner sind keine Bürger, sie sind Geiseln der Islamischen Republik." Unter solchen Umständen muss den anwesenden Staats- und Regierungschef in Davos auch klar sein, wessen blutige Hand sie bei politischen und wirtschaftlichen Konferenzen drücken. Ich will hier die Stimme der Familien sein, die Opfer dieser blutigen Hände sind.

Die Redaktion empfiehlt