Solarboom weltweit: Photovoltaik-Ausbau bricht Rekorde
31. März 2026
Die Photovoltaik wächst seit über 20 Jahren stärker als jede andere Energieform. Früher war Solarstrom extrem teuer und wurde wenig genutzt.
Heute erzeugen Solarmodule in vielen Regionen der Welt den günstigsten Strom.
- 2015 waren weltweit 228 Gigawatt (GW) installiert - rund ein Prozent des globalen Stroms.
- 2020 sind es schon 759 GW - rund drei Prozent des weltweiten Strombedarfs.
- 2025 laut Prognosen 2919 GW - sie decken etwa zehn Prozent des globalen Stroms. Damit erstmals mehr als Atomkraft (neun Prozent).
Und die Solarkraft wächst exponentiell weiter. Wenn die Entwicklung so weitergeht, könnten 2030 schon 9000 GW installiert sein - genug für über 20 Prozent des weltweiten Strombedarfs.
Solarboom in China
China hat weltweit die größte Solarkapazität. Laut der chinesischen Energiebehörde wurden 2025 Solarmodule mit einer Leistung von 315 GW neu installiert. Die gesamte Solarleistung Ende des Jahres lag bei rund 1300 GW.
Nach Angaben der Datenplattform LowCarbon Powerstammen mittlerweile elf Prozent des chinesischen Stroms aus Solarenergie. Gleichzeitig sank der Anteil der besonders klimaschädlichen Kohle innerhalb von zehn Jahren von 70 auf 56 Prozent. China produziert auch über 80 Prozent aller Solarmodule weltweit.
Die EU baut weiter aus
Die Europäische Union liegt mit nach Schätzungen rund 406 GW auf Platz zwei beim Solarausbau. 13 Prozent des EU-weiten Strombedarfs werden mit Solarkraft gedeckt. Kohlestrom macht nur noch neun Prozent aus. Im Jahr 2015 waren es noch 25 Prozent.
Besonders hohe Solaranteile erreichen Griechenland, Zypern, Spanien und Ungarn mit jeweils mehr als 20 Prozent im Strommix. Auch Deutschland erzeugt mit 119 GW Solaranlagen schon 18 Prozent seines Stroms mit Photovoltaik. Danach folgt Spanien mit 56 GW installierten Anlagen.
US-Solarkraft auf Platz drei weltweit
Auch wenn die derzeitige Regierung von Donald Trump den Ausbau von Erneuerbaren verzögert, stehen die USA mit 267 GW weltweit an dritter Stelle beim Solarausbau. Das reicht, um rund acht Prozent des US-Strombedarfs zu decken. Im Jahr 2015 war es nur ein Prozent. Gleichzeitig halbierte sich der Anteil der Kohlekraft von 34 Prozent im Jahr 2015 auf nur noch 17 Prozent im Jahr 2025 .
Auch in Indien, Brasilien und Pakistan wächst Photovoltaik
Indien belegt Platz vier im globalen Solarranking. Mit 136 GW erzeugt es etwa acht Prozent des Stroms für seine über 1,4 Milliarden Einwohner aus Sonnenkraft.
Auf Platz fünf folgt Japan mit einer Leistung von 103 GW aus Photovoltaik (PV), das damit elf Prozent seines Strombedarfs deckt.
Auch Brasilien baut Solarkraft stark aus. Mit 65 GW Photovoltaik werden dort rund zehn Prozent des nationalen Stroms erzeugt. Zusammen mit Wasserkraft, Windkraft und Biomasse liegt der Anteil der Erneuerbaren im brasilianischen Strommix bereits bei 88 Prozent.
Wie schnell solare Stromerzeugung wachsen kann, zeigen Südafrika und Pakistan besonders deutlich. Im Jahr 2015 stammte dort jeweils weniger als ein Prozent des Stroms aus Photovoltaik. 2025 deckte Südafrika mit 10 GW bereits zehn Prozent seines Strombedarfs durch Solarenergie. Pakistan erzeugt mit über 40 GW rund 20 Prozent seines Stroms aus PV.
Solarkraft macht Strom deutlich günstiger
Die Sonne strahlt in einer Stunde mehr Energie auf die Erde ab, als die Menschheit in einem ganzen Jahr verbraucht. Mit Solarmodulen auf weniger als ein Prozent der globalen Landfläche könnte der weltweite Energiebedarf vollständig gedeckt werden.
Durch höhere Effizienz der Module und Massenproduktion sind die Preise für Solaranlagen in den letzten Jahren um rund 90 Prozent gesunken.
Große Solarparks in sehr sonnigen ländlichen Gebieten produzieren bereits Strom für rund einen Eurocent pro Kilowattstunde. In Deutschland liegt dieser Wert bei etwa vier bis fünf Cent. Solardächer oder Balkonmodule können in sonnreichen Regionen schon für etwa zwei Cent pro Kilowattstunde erzeugen, in weniger sonnigen Ländern meist unter neun Cent pro Kilowattstunde.
Strom vom eigenen Dach ist oft deutlich günstiger als Strom aus dem Netz und kostet in Europa meist weniger als die Hälfte des üblichen Strompreises. Das Speichern in Batterien kostet zusätzlich etwa zwei bis drei Cent pro Kilowattstunde. In einigen Ländern wird der Ausbau privater Anlagen gefördert.
Bloomberg New Energy Finance erwartet, dass die Kosten der Solarstromerzeugung bis 2035 weltweit um weitere 30 Prozent zurückgehen.
Im Vergleich dazu ist Strom aus neuen Atomkraftwerken sehr viel teurer. Laut dem Fraunhofer-Institut ISE liegt dieser zwischen 14 und 49 Eurocent pro Kilowattstunde. Die Kosten für die Endlagerung des radioaktiven Abfalls sind dabei noch nicht eingerechnet.
Die Stromerzeugung mit Kohle kostet zwischen 15 und 29 Cent, mit Erdgas sind es zwischen 15 und 33 Cent pro Kilowattstunde. Werden die Klimafolgekosten eingerechnet, sind es bei Kohle mindestens 84 Cent und bei Gas mehr als 49 Cent pro Kilowattstunde.
Solarstrom verändert auch Verkehr und Heizung
Im Jahr 2024 wurden weltweit neue Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 632 GW ans Netz angeschlossen. 72 Prozent (597 GW) davon entfielen auf Solarkraft. Danach folgten Windkraft mit 18 Prozent, Gas mit vier Prozent, Kohle mit drei Prozent, Wasserkraft mit zwei Prozent und Atomkraft mit einem Prozent.
Solarstrom verändert auch die Mobilität und das Heizen. Elektroautos sind deutlich billiger im Betrieb, wenn sie mit Solarstrom vom eigenen Dach geladen werden. In Deutschland spart das 80 Prozent im Vergleich zu Diesel oder Benzin.
Auch Heizen mit einer Wärmepumpe oder mit einer Klimaanlage ist meist günstiger als mit Öl oder Gas. In der EU spart man dabei etwa 30 Prozent. Wird der Strom zusätzlich mit eigenen Solarmodulen erzeugt, sinken die Kosten weiter.
Wie schnell wächst die Solarkraft?
Viele frühere Prognosen haben das Wachstum der Photovoltaik stark unterschätzt. Der World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur sagte im Jahr 2020 voraus, dass der weltweite PV-Zubau im Jahr 2024 bei etwa 120 GW liegen werde. Tatsächlich wurden aber 597 GW installiert.
Energieexperten gehen heute davon aus, dass Photovoltaik die wichtigste Energiequelle der Welt wird. Wissenschaftler der Technischen Universität Lappeenranta in Finnland, die für ihren innovative Forschung zu nachhaltiger Wirtschaft und Technologie bekannt ist, haben berechnet, dass künftig bis zu 76 Prozent des Stroms aus Solarkraft stammen könnte.
Die größten Herausforderungen für PV
Experten gehen davon aus, dass sich der globale Strombedarf bis 2050 mehr als verdoppeln wird. Dafür braucht es den Ausbau der Stromnetze, die gleichzeitig auch viel Solarstrom aufnehmen müssen, inklusive Zwischenspeicher für die Nacht.
In Deutschland sind derzeit 37.000 Kilometer Hochspannungsleitungen im Einsatz. Künftig sollen über 13.000 Kilometer Höchstspannungsnetze verstärkt oder neu gebaut werden. Außerdem weden weltweit deutlich mehr Speicher gebraucht. Zusätzlich können die Batterien von E-Autos als Zwischenspeicher die Stromnetze ergänzen.
Und auch eine schnelle Digitalisierung ist essentiell, um die Stromnutzung künftig optimal mit der Erzeugung abzustimmen. So können dann E-Fahrzeuge geladen werden, wenn besonders viel günstiger Sonnenstrom im Netz ist.
Redaktion: Anke Rasper & Tamsin Walker
In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass es in Deutschland 37.000 Kilometer Stromleitungen gibt. Tatsächlich sind es 37.000 Kilometer Hochspannungsleitungen. Dies wurde korrigiert. Die Redaktion bittet den Fehler zu entschuldigen.