Weitere Ermittlungspanne im Fall Amri | Aktuell Deutschland | DW | 27.11.2017
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Anschlag vom Breitscheidplatz

Weitere Ermittlungspanne im Fall Amri

Das Handy von Anis Amri war vor dem Berliner Anschlag beschlagnahmt worden. Darauf waren Fotos, die den späteren Attentäter mit Waffen zeigen. Doch den Ermittlern fielen die Bilder nicht auf.

Rund zehn Monate vor dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskriche im vergangenen Jahr war bei einer Kontrolle das Handy des späteren Attentäters Anis Amri beschlagnahmt worden. Bei der Auswertung des Mobiltelefons habe das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) Fotos übersehen, die den Tunesier unter anderem mit einer Schusswaffe zeigten, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul in Düsseldorf. Grund sei eine unzureichende Filtereinstellung bei der Auswertung der Fotos gewesen.

Fotos von schlechter Qualität

Auf dem Handy seien über 12.000 Mediendateien gewesen, darunter auch das Foto, auf dem Amri eine Waffe in die Kamera halte. Dabei habe es sich wohl um eine Schreckschuss- oder Gaspistole gehandelt, sagte der CDU-Politiker. Das Foto sei bei der Auswertung durch das Raster gefallen, da es von minderer Qualität gewesen sei. Die Bilder seien von den LKAs in NRW und Berlin ausgewertet worden. Nach dem Anschlag habe auch das Bundeskriminalamt die Dateien unter die Lupe genommen.

Es dürfe nicht sein, dass Bilder minderer Qualität wegen entsprechender Filtereinstellungen unentdeckt blieben. "Wir werden deshalb die Standards zur Auswertung großer Datenmengen beim LKA auf den Prüfstand stellen", kündigte Reul an. Er glaube aber nicht, dass die Fotos ausgereicht hätten, um gegen Amri einen Haftbefehl zu erlassen.

Eine ganze Reihe von Pannen

Untersuchungsausschüsse in NRW und Berlin befassen sich unter anderem mit Pannen im Vorfeld des Anschlags und mit der Frage, ob gegen Amri ein Haftbefehl hätte erlassen werden können, durch den der Anschlag hätte verhindert werden können. Amri war im Februar 2016 von Fahndern in Berlin kontrolliert und sein Handy sichergestellt worden. Er hatte sich eine Zeit lang auch in Nordrhein-Westfalen aufgehalten.

Der Tunesier hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gekapert und war damit auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gerast. Bei dem Attentat starben zwölf Menschen, 67 wurden verletzt. Auf der Flucht wurde Amri von der Polizei in Italien erschossen.

Die Ausländerbehörde in Kleve war für Amri zuständig. Ein vom Berliner Senat eingesetzter Sonderermittler hatte jüngst eine schlechte Zusammenarbeit der Behörden in ganz Deutschland gerügt. Das Berliner LKA habe Amris Mobiltelefon gar nicht ausgewertet.

cr/se (rtr, afp, dpa)