Was Cohen über Trump zu sagen hat | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 28.02.2019
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Vereinigte Staaten

Was Cohen über Trump zu sagen hat

Vor dem Kongress hat Michael Cohen mit seinem ehemaligen Mandanten Donald Trump abgerechnet. Sich selbst stilisiert er als langjähriger Handlanger des heutigen US-Präsidenten, der endlich "ausgepackt" hat.

Gleich zu Beginn seiner öffentliche Zeugenaussage sagte Michael Cohen, Donald Trump sei ein "Rassist" und ein "Betrüger". Einst hatte Cohen geprahlt, er würde jederzeit eine Kugel für Trump abfangen. Nun beschuldigt er den US-Präsidenten in öffentlicher Anhörung vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses, gegen Wahlkampfgesetze verstoßen und von Hillary Clintons Datenklau gewusst zu haben. Bei der Anhörung enthüllte Trumps ehemaliger Anwalt weitere interne Details über die "Trump Organization". Bis zum Bruch im Mai 2018 hatte Trump und Cohen eine jahrzentelange Geschäftsbeziehung verbunden.

Geheime Schweigegelder nicht nur an Stormy Daniels

Laut Cohen bezahlte Trump die Pornodarstellerin Stephanie Clifford, alias Stormy Daniels, um zu verhindern, dass sie mit ihrer kurzen Affäre mit Trump im Jahr 2006 an die Öffentlichkeit ging. Cohen sagt, er habe Clifford selbst bezahlt: "Er bat mich, eine Porno-Schauspielerin, mit der er eine Affäre hatte, zu bezahlen und seine Frau zu belügen. Das tat ich."

Als Indiz legte Cohen den Gesetzgebern die Kopie eines persönlichen Schecks über 35.000 US-Dollar (ca. 30.800 Euro) vor, der von Trump unterzeichnet wurde und ein Datum nach dessen Amtsübernahme als Präsident trägt. Die Zahlung, so Cohen, sei eine von mehreren Raten gewesen, um ihm die 130.000 Dollar zurückzuerstatten, die er an Cliffords Anwalt gezahlt habe. Trump soll die Zahlungen mit Cohen auch im Oval Office besprochen haben.

USA Stormy Daniels nach einer Anhörung in New York (Imago/UPI Photo)

Stephanie Clifford, alias Stormy Daniels, dankte Cohen, die "Wahrheit" über die Schweigegeldzahlungen gesagt zu haben

Bereits zuvor hatten Cohen zugegeben, dass er das einstige Playboy-Modell Karen McDougal für eine ähnliche Angelegenheit bezahlt hatte. US-Präsident Trump hat die Schweigegeldzahlungen an verschiedenen Frauen wiederholt geleugnet. Diese Zahlungen könnten gegen die US-Gesetze zur Wahlkampffinanzierung verstoßen.

Wikileaks und gehackte Demokraten-E-Mails

Außerdem soll Trump von den E-Mails des Demokratischen Nationalkomitees (DNC), die während der Präsidentschaftskampagne 2016 von Wikileaks veröffentlicht wurden, gewusst haben. Das soll der US-Präsident von seinem langjährigen Verbündeten und Wahlkampfberater Roger Stone erfahren haben.

"Stone erzählte Trump, dass er gerade mit (Wikileaks-Gründer, d. R.) Julian Assange telefoniert habe", so Cohen. "Und dass Assange meinte, es würde innerhalb weniger Tage ein riesiger Haufen E-Mails veröffentlicht werden, der Hillary Clintons Kampagne beschädigen würde." Trump, so Cohen, habe darauf gesagt: "Wäre das nicht großartig?"

Stone hat geleugnet, mit Trump über den Wikileaks-Hack gesprochen zu haben. Und der US-Präsident erklärte, vor dem DNC-Hack und dem Datenklau von E-Mails seiner Rivalin Clinton noch nie von Wikileaks gehört zu haben. Im Januar 2019 wurde Stone er unter dem Vorwurf verhaftet, falsche Aussagen gemacht, Zeugen manipuliert und die Justiz in der Untersuchung zur Russland-Affäre behindert zu haben.

Trumps Interessen in Moskau

Bereit einen Tag zuvor hatte Michael Cohen vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats bekannt, dass er den Kongress bei einer Anhörung 2017 angelogen habe. Darin war es auch um Trumps angebliche Pläne gegangen, einen Trump-Tower in Moskau zu bauern. Der Präsident hatte behauptet, er habe im Vorfeld der Wahlen 2016 keine Geschäftsinteressen in Russland. Allerdings verhandelte Trump laut Cohen bis Mitte 2016 über den Bau einer Immobilie in Moskau. Bis heute wurden die Pläne nicht realisiert.

USA Washington - Michael Cohen vor Aussage (Reuters/J. Ernst)

Michael Cohen: Jahrelang war er Trumps Anwalt, löste dessen Probleme, nun klagt er ihn nun umfassend an

Zu den weiteren Russland-Ermittlungen sagte Cohen, er habe keinen "direkten Beweis" dafür, dass Trump oder seine Berater mit Russland zusammengearbeitet hätten, um ihm zum Wahlsieg zu verhelfen. Er erzählte aber von einem Treffen zwischen dem Sohn des Präsidenten, Donald Trump Junior, und einem Kreml-nahen Anwalt, in dem es darum gegangen sei, "Schmutz" über Clinton auszugraben.

Die Trump-Familie behauptet, dass der Junior auf eigene Faust gehandelt habe. Doch das will Cohen nicht glauben: Der jüngere Trump würde "niemals ein Treffen von irgendwelcher Bedeutung allein arrangieren - mit Sicherheit nicht ohne Rücksprache mit seinem Vater", sagte er und fügte hinzu, der Präsident habe ihm und anderen oft erzählt, sein Sohn habe "das schlechteste Urteilsvermögen der Welt".

"Die größte Werbesendung in der Geschichte der Politik"

Cohen beschrieb Trump als "Betrüger", der seine Kandidatur als "die größte Werbesendung in der Geschichte der Politik" betrachtet. Der Geschäftsmann hätte gar nicht daran geglaubt, dass er die republikanische Nominierung oder gar die nachfolgende Wahl gewinnen würde. Zudem sei der Präsident "ein Rassist", Cohen habe ihn sagen hören, dass schwarze Leute nicht für ihn stimmen würden, weil sie "zu dumm" seien.

Bei der Befragung gab Cohen zu, dass er 2015 ein Technologieunternehmen dafür bezahlt habe, zwei Online-Umfragen zu manipulieren - eine auf der Website des amerikanischen Senders CNBC und die andere im Drudge Report. Dies geschah angeblich auf Trumps Anweisung.

Vietnam l Trump nach Gipfeltreffen mit Kim Jong Un in Hanoi (Reuters/J. Silva)

Während er öffentlich angeschuldigt wird, trifft Trump Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Hanoi

Der US-Präsident soll seinen Anwalt auch angewiesen haben, Trumps alten Schulen und Universitäten zu drohen, um sie davon abzuhalten, dessen Zeugnisse und Testergebnisse zu veröffentlichen. Insgesamt will Cohen über zehn Jahren hinweg etwa 500 Personen und Organisationen in Trumps Auftrag unter Druck gesetzt haben. Gedroht worden sei ihnen mit Gerichtsverfahren oder "einem Wortwechsel mit einem bösen Reporter, der einen Artikel schreibt".

Weitere Enthüllungen könnten folgen

Mehrmals in seiner stundenlangen Aussage weigerte sich Trumps Ex-Anwalt, Einzelheiten über seine Beziehungen zum Präsidenten zu nennen, einschließlich seines letzten Gesprächs mit Trump oder einem Trump-Vertreter. Der Grund dafür ist laut Cohen, dass die Angelegenheit immer noch von einem New Yorker Gericht untersucht wird und dass man ihm gesagt habe, er solle sich nicht dazu äußern. Allerdings wisse er von weiteren illegale Handlungen Trumps, die noch Gegenstand von Ermittlungen seien.

Cohen beendete sein explosives Zeugnis mit einer Warnung: "Aus meiner Erfahrung mit Trump fürchte ich, dass es nie zu einem friedlichen Machtwechsel kommen wird, wenn er 2020 nicht wiedergewählt wird."

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