War es das für Lionel Messi? | FIFA WM 2018 in Russland | DW | 22.06.2018
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Bitterer Abend für Argentiniens Superstar

War es das für Lionel Messi?

Bei der Pleite gegen Kroatien enttäuscht auch der argentinische Superstar. Lionel Messi vermittelt den Eindruck, als glaube er selbst nicht mehr an die "Albiceleste". Wieder einmal scheint sein großer Traum zu platzen.

Wie ein Häufchen Elend schlich Lionel Messi vom Platz - grußlos, mit versteinerter Miene. 0:3 (0:0) gegen Kroatien - eine Demütigung nicht nur Argentiniens, sondern auch des viermaligen Weltfußballers. "Argentinien ist verloren, Messi ist verloren", titelte die spanische Sportzeitung "Marca". Messi wird am Sonntag 31 Jahre alt, doch nach Feiern ist dem Superstar derzeit nicht zumute. Im letzten Gruppenspiel am Dienstag gegen Nigeria (Anpfiff 20 Uhr, ab 19.45 Uhr im DW-Liveticker) droht der "Albiceleste", die vor dem Turnier noch zu den Favoriten gezählt worden war, der GAU, der K.o. nach der Vorrunde.

Schatten seiner selbst

"Leo ist limitiert, weil das Team nicht so mit ihm spielt, wie es sollte", sagte Trainer Jorge Sampaoli. Er übernahm die volle Verantwortung für die "Niederlage, die das Schlimmste der Auswahl bloßstellte", wie es die argentinische Zeitung "La Nacion" schrieb. Dennoch - Messi war gegen die starken Kroaten ein Schatten seiner selbst.

Russland WM 2018 Argentinien gegen Kroatien (Reuters/I. Alvarado)

Selten am Ball - ein glückloser Auftritt Lionel Messis gegen Kroatien

Das Spiel lief an dem Kapitän der argentinischen Elf vorbei. In der ersten Halbzeit brachte es Messi auf gerade mal 20 Ballkontakte. Seine Körpersprache verriet, dass er litt: an dem enttäuschenden Auftritt seiner Mannschaft und der eigenen Unfähigkeit, das Spiel des zweimaligen Weltmeisters anzukurbeln.

Immer wieder Deutschland

Möglicherweise wurde Messi auf dem Rasen von Nischni Nowgorod auch schon bewusst, dass sein großer Traum wohl endgültig platzen wird. Zu gerne würde er seine Nationalmannschaftskarriere mit dem WM-Titel krönen. Der blieb ihm schon dreimal versagt, weil die Argentinier immer wieder an Deutschland scheiterten: 2006 im Viertelfinale im Elfmeterschießen, 2010 wieder in der Runde der besten Acht mit 0:4 und 2014 im Finale mit 0:1. Dazu zwei Final-Niederlagen gegen Chile nacheinander in der Copa America - auf dem begnadeten Fußballer Messi scheint ein Titelfluch zu liegen, wenn er das Nationaltrikot trägt. Lediglich bei der U20-WM 2005 und den Olympischen Spielen 2008 hatte Messi die "Albiceleste" zum Titel geführt.

Generationenwechsel verpasst

Russland WM 2018 Argentinien gegen Kroatien (Reuters/I. Alvarado)

Und jetzt, Messi?

Es liegt aber nicht nur an Messi, dass es bei der WM in Russland nicht läuft. Argentinien spielt mit der ältesten Mannschaft des Turniers: Auch andere Leistungsträger wie Sergio Agüero, Angel di Maria, Javier Mascerano oder Torwart Willy Caballero sind schon jenseits der 30. Nationaltrainer Sampaoli und seine Vorgänger verpassten es, den Generationenumbruch einzuleiten. Und die vergangenen großen Turniere haben gezeigt: Überaltete Mannschaften holen keine Titel.

Zweiter Rücktritt?

Messi hat seine Nationalmannschaftskarriere schon einmal beendet: 2016 nach der Finalniederlage bei der Copa America warf er das Handtuch, nachdem er im Elfmeterschießen gepatzt hatte. Anderthalb Monate später ließ sich der argentinische Rekordtorschütze (61 Tore) überreden weiterzumachen, der Rücktritt vom Rücktritt. Anschließend war es Messi zu verdanken, dass Argentinien das WM-Ticket löste. Im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Ecuador gelang ihm ein Dreierpack. Doch das ist Schnee von gestern. Messis 128. Länderspiel am kommenden Dienstag könnte Messis letztes sein.

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