VW legt Pläne für Werk in Türkei auf Eis | Wirtschaft | DW | 15.10.2019
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Investitionen

VW legt Pläne für Werk in Türkei auf Eis

Die Verträge für ein neues Werk von Volkswagen in der Türkei sind eigentlich unterschriftsreif. Doch der türkische Einmarsch in Nordsyrien zwingt die Wolfsburger zu einer Neubewertung.

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Der türkischen Wirtschaft drohen Sanktionen

Eigentlich war es nur noch eine Frage von Tagen, wann VW offiziell seinen Beschluss bekannt geben würde, ein neues Werk in der Türkei zu bauen. Es wäre mit einem Volumen zwischen 1,2 und 1,5 Milliarden Euro eine der größten deutschen Investitionen in der Türkei. Die Suche nach einem geeigneten Standort für das neue Südosteuropa-Werk dauerte lange, auch Bulgarien, Rumänien und Serbien waren zwischenzeitlich im Gespräch. Als VW Anfang Oktober eine Tochtergesellschaft in der Stadt Manisa nahe Izmir ins Handelsregister eintragen ließ, war allerdings klar, wohin die Reise gehen würde. Die Rede war von 4000 Mitarbeitern, die VW in Manisa einstellen könnte, plus weitere 2500 bei Zulieferern.

Nun aber, nach dem Einmarsch türkischer Truppen im Nordosten Syriens, vertagt Volkswagen die Entscheidung über ein neues Werk in der Türkei. In diesem Umfeld könne es kein Votum für das Land geben, berichteten das Handelsblatt und die FAZ am Montagabend unter Berufung auf Konzernkreise. Die Unterschrift unter den Verträgen werde es daher vorerst nicht geben. Am Dienstag bestätigte ein Unternehmenssprecher die Berichte:  "Die endgültige Entscheidung für das neue Werk wurde vom Vorstand der Volkswagen AG vertagt."

Entscheidung weiter "in der finalen Phase"

Weiter hieß es von VW, dass man ""die Sache sehr genau" beobachte und "mit großer Sorge" auf die gegenwärtige Entwicklung blicke. 

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil geht angesichts der türkischen Militäroffensive in Syrien derzeit nicht vom Bau eines neuen VW-Werkes nahe Izmir aus. "Die Bilder, die wir aus Nordsyrien sehen, sind entsetzlich", sagte der SPD-Politiker, der auch im Volkswagen-Aufsichtsrat sitzt, am Dienstag in Hannover. Die Militäroffensive sei ein offensichtlicher Bruch des Völkerrechts, die eine enorme Flüchtlingswelle und eine allgemeine Verschärfung der Sicherheitslage ausgelöst habe. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Volkswagen unter diesen Bedingungen in der Türkei eine Milliardeninvestition vornimmt." Diese Einschätzung teile nach seinem Wissen auch der Vorstand des Autobauers. Das Land Niedersachsen hält knapp zwölf Prozent den zweitgrößten Anteil am VW-Konzern.   

Weil gab zu verstehen, dass es im Moment um einen Aufschub und keine komplette Absage der VW-Pläne in der Türkei gehe. "Die Verhandlungen sind zu dem Vorhaben nach wie vor nicht final abgeschlossen." Er hoffe, dass sich die Verhältnisse in der Türkei normalisierten. Die nächste Aufsichtsratssitzung sei für Mitte November geplant.

Volkswagen hatte monatelang über das Werk verhandelt und einen Vertragsabschluss für Anfang Oktober in Aussicht gestellt. Konzernchef Herbert Diess hatte Insidern zufolge direkt mit Präsident Erdogan über das neue Werk gesprochen. Ende August hatte der VW-Aufsichtsrat bereits eine Grundsatzentscheidung für die Mehrmarken-Fabrik getroffen. Laut Insidern soll das Werk nahe Izmir im Westen Anatoliens eine geplante Jahreskapazität von 300.000 Fahrzeugen haben. Ende 2020 sollte mit dem Bau begonnen werden, der Produktionsstart wäre für 2022 vorgesehen. Vom Band laufen sollen dort der VW Passat und der baugleiche Skoda Superb mit Verbrennungsmotoren. Die bisherigen Fertigungsstandorte dieser Modelle Emden und Kvasiny sollen neue Modelle produzieren - Emden wird auf E-Autos umgestellt, das tschechische Skoda-Werk soll künftig SUVs bauen.

Die Türkei startete vergangene Woche im syrischen Grenzgebiet eine Militäroffensive gegen die Kurdenmiliz YPG. Am Montag zeigte sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan trotz internationaler Kritik entschlossen, den Einsatz fortzusetzen, bis "der endgültige Sieg errungen" sei. US-Präsident Donald Trump kündigte unterdessen Sanktionen gegen die Türkei, den Abbruch von Handelsgesprächen und die Anhebung von Zöllen auf türkischen Stahl an.

hb/stu (rtr, dpa, FAZ, Handelsblatt)

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