Vor 100 Jahren geboren: Federico Fellini | Filme | DW | 20.01.2020
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Regie-Legende

Vor 100 Jahren geboren: Federico Fellini

Nur wenige Filmregisseure der Kinogeschichte sind so bekannt wie Federico Fellini. Er gilt als Italiens populärster Filmemacher, sein Werk wurde mit Preisen überhäuft. Seine Filme faszinieren auch heute noch.

Er hat nie im Ausland gearbeitet. Fellini, am 20. Januar 1920 in Rimini geboren, wollte seine Heimat nicht verlassen. Nach der Adria-Stadt Rimini wurde Rom zur zweiten Heimat des Filmregisseurs Federico Fellini. Hier und in der italienischen Provinz hat er seine ganz eigene Welt ge- und erfunden, hat seine Figuren leben und sterben lassen. Mit seinen "uritalienischen" Filmen hat Fellini aber doch Zuschauer auf allen Kontinenten begeistert.

Fellini wurde mit Oscars überhäuft

Fellini beginnt sein Schaffen Ende der 1930er Jahre als Karikaturist, schreibt dann fürs Radio, arbeitet als Gag-Schreiber und kommt - zunächst als Drehbuchautor - zum Film. Seine Mitarbeit beim Drehbuch für den neorealistischen Klassiker "Rom - offene Stadt" (1945) von Roberto Rossellini wird direkt mit einer Oscar-Nominierung bedacht. Viele weitere sollten später folgen, acht Nominierungen und vier Oscars in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film".

ANITA EKBERG im Trevi Brunnen Film La Dolce Vita (1960) (Imago/ZUMA Press)

Berühmte Filmszene, geschaffen von Fellini: Anita Ekberg im Trevi-Brunnen

Fünf Jahre später dreht Fellini seinen ersten Film, noch gemeinsam mit dem Regisseur Alberto Lattuda: "Lichter des Varieté". "Der weiße Scheich" (1952) wird dann sein erster Film in alleiniger Regie. Es folgt ein Meisterwerk nach dem anderen. Zunächst sind seine Filme noch schwarz-weiß, haben einen harten realistischen Kern, stellen Figuren am Rande der Gesellschaft ins Zentrum. Doch anders als seine Landsleute, die dem Neorealismus treu bleiben, fügt Fellini seinem filmischen Kosmos rasch Phantasie und Märchenhaftes, Poetisches und Verspieltes hinzu.

Mit "La Strada" bringt Fellini die Poesie in den tristen Alltag

Das wird schon in "La Strada" sichtbar, Fellinis erstem Welterfolg. Das Milieu des Jahrmarktes wird zu einem seiner Markenzeichen: Zirkus, Spielleute, Magie und Zauber - Fellinis Filme sind immer auch eine sehnsuchtsvolle Erinnerung an die Freuden der Kindheit.

Die Welt der Müßiggänger, Streuner und Kleinkriminellen bevölkert seine Filme ebenso wie die der Frauen: Prostituierte und Heilige, Mütter und Verstoßene. Fellini war ein ebenso großer Frauen-Regisseur wie er das Leben der Männer auf der Suche nach Lebenssinn in den Fokus stellte. 

100. Geburstag Federico Fellini | Achteinhalb Film (1963) (picture-alliance/United Archives/IFTN)

Marcello Mastroianni in "Achteinhalb" - Fellinis Rückschau auf die eigene Karriere

"Achteinhalb" (1963), sein großer, autobiografisch gefärbter Film über einen Regisseur in der Krise, ist dann auch das Werk, das eine neue künstlerische Phase einleiten soll. Seine Filme werden von nun an fragmentarischer und zum Teil noch verspielter, auf jeden Fall aber opulenter.

Groteske Szenerien, phantastische Farbtableaus, visueller Reichtum

Ob er das alte oder das neue Rom und seine Menschen vor die Kameras holt, ob er sich auf die Fersen eines zynischen Casanova in Venedig heftet oder sich auch, wie in "Amarcord", wieder Kindheit und Jugend widmet: Fellinis Bildtableaus, seine grotesken Figurenarsenale, seine schwelgerischen Kameraeinstellungen bieten stets großes Kino, anspruchsvoll, aber auch immer sehr unterhaltsam, auf jeden Fall originär. Einen Fellini-Film erkennt man immer auf den ersten Blick.

Filmstill von Fellinis Casanova (picture-alliance/United Archives/Impress)

Donald Sutherland als Fellinis Casanova - böses Bild vom Mann und männlichem Gehabe

Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass er oft mit den gleichen Leuten arbeitet. Seiner Frau Giulietta Masina und seinem Alter Ego Marcello Mastroianni verschafft er die besten Rollen. Er verlässt sich auf wenige, herausragende Kameramänner, sein Komponist Nino Rota wird mit ihm zum Weltstar. Man spricht von einer Fellini-Familie, einer Gemeinschaft, die fest verankert ist in Italien, die aber Geschichten erzählt, die die ganze Welt fasziniert.

Sein Herz schlug für die Heimat

Kaum ein anderer Regisseur aus dem nicht-englischsprachigen Raum hat so viele Oscars einsammeln können. Hollywood hat Fellini mehrfach den roten Teppich ausgerollt, ihn eingeladen, in Amerika zu drehen. Er hat dies stets abgelehnt, Rimini und Rom waren ihm genug, vor allem auch weil er in den römischen Studios von Cinecittà beste Arbeitsmöglichkeiten vorfand.

Als Fellini im Herbst 1993 stirbt, ist das ein Ereignis von nationaler Bedeutung, welches ganz Italien aufwühlt: Italien hatte seinen wohl größten Filmregisseur verloren, die Welt des Kinos einen der populärsten Filmemacher. Geblieben ist aber auch im einhundertsten Jahr seiner Geburt ein Werk, das frisch und aktuell erscheint und immer noch mit vielen Entdeckungen aufwarten kann.

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