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Drohnenangriff auf Atomkraftwerk in den Emiraten

17. Mai 2026

Der Angriff auf die Energieanlage Barakah verschärft die ohnehin angespannte Lage im Nahen Osten. Nach Behördenangaben bestand für das Atomkraftwerk keine Gefahr - die Sorge vor einer weiteren Eskalation wächst dennoch.

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Das Atomkraftwerk Barakah in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Das Atomkraftwerk Barakah in den Vereinigten Arabischen Emiraten (Archivbild)Bild: Barakah Nuclear Power Plant/AFP

In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist es bei einem Drohnenangriff auf das Atomkraftwerk Barakah zu einem Brand gekommen. Nach Angaben des Medienbüros von Abu Dhabi geriet ein Stromgenerator am Rand der Anlage in der westlichen Wüstenregion des Emirats in Brand. Die Behörden betonten jedoch, die Sicherheit des Kraftwerks sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. Auch Verletzte oder radioaktive Freisetzungen habe es nicht gegeben. Der Betrieb aller vier Reaktoren laufe regulär weiter.

Die Behörden gaben nicht an, von wo aus die Drohne gestartet wurde. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben den Iran jedoch zuletzt wiederholt beschuldigt, hinter Angriffen auf ihre Energie- und Wirtschaftsinfrastruktur zu stecken.

Die Emirate gehören seit Beginn des Krieges im Nahen und Mittleren Osten zu den Staaten, die besonders häufig Ziel iranischer Angriffe geworden sind. Seit Ende Februar meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate nach eigenen Angaben nahezu 3000 Angriffe mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern. Der Krieg im Nahen Osten begann mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran. Teheran griff anschließend auch Nachbarstaaten an - offiziell, um US-Einrichtungen dort zu treffen.

Die emiratische Atomaufsichtsbehörde erklärte nach dem Angriff auf der Plattform X: "Alle Einheiten arbeiten normal." Eine direkte Schuldzuweisung vermied die Regierung in Abu Dhabi jedoch.

IAEA warnt vor Gefahr für nukleare Sicherheit

Die UN-Atomaufsichtsbehörde IAEA äußerte sich "zutiefst besorgt" über den Drohnenangriff. Die Atomenergiebehörde teilte auf X mit, ihr Generaldirektor Rafael Grossi habe seine Besorgnis zum Ausdruck gebracht und erklärt: "Militärische Aktivitäten, die die nukleare Sicherheit gefährden, sind inakzeptabel."

IAEA-Chef Rafael Grossi
IAEA-Chef Rafael Grossi im OktoberBild: Luiz Rampelotto/EuropaNewswire/Sipa USA/picture alliance

"Die IAEA wurde von den Vereinigten Arabischen Emiraten darüber informiert, dass die Strahlungswerte am Kernkraftwerk Barakah weiterhin normal sind und keine Verletzten gemeldet wurden", erklärte die Behörde weiter.

Barakah deckt ein Viertel des Strombedarfs der VAE

Der Angriff auf Barakah trifft eine strategisch besonders sensible Infrastruktur. Das rund 20 Milliarden Dollar teure Kernkraftwerk wurde mit Unterstützung Südkoreas errichtet und ging 2020 ans Netz. Es ist das erste und bislang einzige kommerzielle Atomkraftwerk auf der Arabischen Halbinsel sowie das erste in der gesamten arabischen Welt. Mit seinen vier Reaktoren deckt es nach Angaben der Betreiber rund ein Viertel des Strombedarfs der Emirate.

Die Anlage liegt nahe der saudischen Grenze in der abgelegenen Wüstenregion westlich von Abu Dhabi. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten mit den USA ein besonders strenges Nuklearabkommen geschlossen, das sogenannte "123 Agreement". Darin verpflichtete sich das Land, auf die eigene Urananreicherung sowie die Wiederaufbereitung abgebrannter Brennelemente zu verzichten, um Sorgen über eine mögliche Weiterverbreitung von Atomwaffen zu zerstreuen. Das benötigte Uran wird deshalb vollständig aus dem Ausland importiert.

Fragile Waffenruhe und Krise in der Straße von Hormus

Der Angriff erfolgt in einer ohnehin hoch angespannten Phase des Konflikts. Zwar gilt offiziell weiterhin eine Waffenruhe zwischen dem Iran, den USA und Israel, doch sie gilt als äußerst fragil. Die Verhandlungen über eine dauerhafte Stabilisierung der Feuerpause kommen kaum voran. US-Präsident Donald Trump warnte bereits öffentlich davor, dass die Kämpfe jederzeit wieder eskalieren könnten.

Im Bau befindliches Kernkraftwerk Barakah in der Wüste
Das Atomkraftwerk Barakah in der Bauphase im Jahr 2017 - drei Jahre später ging die Anlage ans NetzBild: Arun Girija/Emirates Nuclear Energy Corporation/WAM/AP Photo/picture alliance

Zusätzlich belastet die Lage in der Straße von Hormus die Weltwirtschaft. Iran kontrolliert weiterhin den Zugang zu der strategisch entscheidenden Meerenge, durch die vor Ausbruch des Krieges etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasexports transportiert wurde. Die anhaltenden Spannungen haben globale Energielieferketten massiv beeinträchtigt. Die USA wiederum blockieren als Reaktion iranische Häfen.

Atomkraftwerke geraten zunehmend ins Visier von Angriffen

Dass nun auch Nuklearanlagen zunehmend Ziel militärischer Angriffe werden, beobachten Experten bereits seit Jahren mit Sorge. Einen Wendepunkt markierte der russische Großangriff auf die Ukraine 2022, bei dem mehrfach Atomkraftwerke in Kampfgebiete gerieten. Auch im aktuellen Konflikt behauptete der Iran wiederholt, das von Russland betriebene Kernkraftwerk Buschehr im Osten des Landes sei angegriffen worden. Direkte Schäden am Reaktor oder radioaktive Freisetzungen wurden dort allerdings ebenfalls nicht festgestellt.

pgr/as (dpa, ap)

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