″Das Militär steht hinter uns″ | Welt | DW | 30.04.2019
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DW-interview mit Juan Guaidó

"Das Militär steht hinter uns"

In Venezuela unterstützt laut dem selbsternannten Interimspräsidenten Guaidó nun auch die Armee einen Machtwechsel. Das Militär stehe nicht mehr an der Seite von Staatschef Maduro, sagte Guaidó der Deutschen Welle.

Deutsche Welle: Wenn es um Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro geht, sprechen Sie vom Anfang vom Ende der Usurpation. Von welchen militärischen Einheiten werden Sie heute unterstützt?

Juan Guaidó: Es gibt einige Schlüsselelemente in diesem Prozess, und das bedeutet, dass die Streitkräfte nicht mehr hinter Nicolás Maduro stehen. Sie stehen auf unserer Seite, hinter der Verfassung und sind für einen Wechsel. Bei der Lage in Venezuela handelt es sich um eine Usurpation. Es hat innerhalb des Militärs viel Verfolgung gegeben, nicht nur vom venezolanischen, sondern auch vom kubanischen Geheimdienst. Es ist offensichtlich, dass die Mehrheit der Bevölkerung, die internationale Gemeinschaft und die Streitkräfte nicht mehr Maduro unterstützen.

Maduro spricht von einem Staatsstreich.

Es ist offensichtlich, dass Maduros Regierung widerrechtlich Ämter an sich reißt, sie ist es, die seit 2018 (Anmerkung der Red.: Die Wiederwahl Maduros am 20.5.2018 wurde von der Opposition als undemokratisch kritisiert) den Rechtsstaat und die Verfassung missachtet, keine freien und fairen Wahlen abhält und die Macht missbraucht. Heute haben die Streitkräfte einen wichtigen Schritt getan, indem sie sich hinter uns gestellt haben.

Es wird befürchtet, dass die Regierung Maduro die militärische Offensive verschärft. Besteht die Gefahr, dass es zum Blutvergießen kommt?

Unser Prozess verläuft friedlich und im Rahmen der Verfassung, das haben wir immer gesagt. Dies werden wir auch weiter so beibehalten. Diejenigen, die Gewalt ausgeübt haben, sind bewaffnete Paramilitärs, die sogenannten "colectivos". Hinter ihnen steht die Regierung. Wir und das venezolanische Volk, das auf die Straße geht und protestiert, haben unsere gewaltfreie Haltung beibehalten.

Welche Unterstützung fordern Sie von der internationalen Gemeinschaft? Die 2017 von 14 amerikanischen Staaten aufgrund der Krise in Venezuela gegründete Lima-Gruppe hat ja gerade eine Dringlichkeitssitzung einberufen, um die Lage im Land zu beraten…

Wir fordern die offizielle Anerkennung, so wie dies schon vielfach erfolgt ist. Und wir fordern, eine Übergangsregierung einzusetzen und freie Wahlen abzuhalten. Die Welt muss wissen, dass Maduro heute nicht mehr den Rückhalt des Militärs genießt, obwohl er Angst, Aufruhr und Unsicherheit verbreitet. Was auch passiert, wir werden weitermachen.

Auf den Bildern, die uns aus Caracas erreichen, haben wir Sie gemeinsam mit dem venezolanischen Oppositionsführer Leopoldo López gesehen. Wie ist die Freilassung von López gelungen?

Wir haben ein Amnestiegesetz verabschiedet. Außerdem sind die Streitkräfte, die ihn im Gefängnis festhielten, abgezogen.

Vertrauen Sie darauf, dass die Demokratie nach Venezuela zurückkehrt?

Solange die Bevölkerung auf die Straße geht und wir die Rückendeckung des Militärs und der internationalen Gemeinschaft haben, hege ich daran keine Zweifel.

Señor Guaidó, wir danken Ihnen, dass Sie in diesem schwierigen Moment mit der DW über die Lage in Venezuela gesprochen haben.

Das Gespräch führte Araceli Viceconte.

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