Venezuela streicht fünf Nullen | Wirtschaft | DW | 26.07.2018
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Inflation

Venezuela streicht fünf Nullen

Venezuela leidet unter einer galoppierenden Inflation. Jetzt greift die sozialistische Regierung zu kosmetischen Mitteln - und streicht fünf Nullen aus der Landeswährung.

Präsident Nicolas Maduro kündigte am Mittwoch ein Programm der "wirtschaftlichen Erholung" an, das am 20. August starten werde. Geplant sei dabei auch eine "Geldumstellung": "Fünf Nullen weniger". Derzeit kostet ein US-Dollar etwa 3,5 Millionen Bolívar.

Venezuela steckt in einer tiefen wirtschaftlichen Krise, die Entwertung der Landeswährung Bolivar könnte laut Internationalem Währungsfonds (IWF) dieses Jahr eine Million Prozent erreichen. Außerdem könnte die Wirtschaftsleistung um 18 Prozent einbrechen. Die venezolanische Zentralbank veröffentlicht bereits seit Jahren keine Daten zu Teuerungsrate und Konjunktur mehr.

Wer ist schuld?

Maduro hatte ursprünglich die Streichung von drei Nullen angekündigt. Die neuen Scheine sollten ab dem 4. August in Umlauf kommen. Die Zentralbank hatte um Verschiebung gebeten.

Der Präsident sagte am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung, die Streichung der fünf Nullen werde "die Finanzgeschäfte erleichtern und den Bolivar schützen". Die Maßnahme werde die Landeswährung stabilisieren.

Grund für die galoppierende Inflation in Venezuela sei der "Wirtschaftskrieg", den die venezolanische Opposition und die USA gegen ihn führten, sagte Maduro. Sie wollten ihn stürzen.

Abhängig vom Öl

Das ölreichste Land der Welt steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise. Durch den Verfall des Ölpreises seit 2014 fehlt dem Staat das Geld. Wegen Korruption und Misswirtschaft verfügt Venezuela kaum noch über Devisen, um Lebensmittel, Medikamente oder Dinge des täglichen Bedarfs zu importieren. Es gibt gravierende Versorgungsengpässe.

Laut IWF leiden auch zunehmend Nachbarländer wie Brasilien und Kolumbien unter der Lage in Venezuela. Angesichts fehlender Nahrungsmittel, Problemen bei der medizinischen Versorgung und Engpässen bei der Strom- und Wasserversorgung verließen die Menschen in Scharen den lateinamerikanischen Staat.

Die Streichung der Nullen aus der Währung ist freilich kein adäquates Mittel, um die Inflation zu bremsen. Präsident Maduro räumte ein, dass das auf die Ölindustrie ausgerichtete Wirtschaftsmodell ausgedient habe. Das Land müsse vielmehr seine Wirtschaft auf eine breitere Basis stellen und wieder mehr Produkte selbst produzieren, sagte er am Mittwoch.

bea/ul (dpa, afp)

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