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Venezuela: Rückkehr von Investoren weckt neue Hoffnung

Tobias Käufer
15. April 2026

Nach der Festnahme und Entmachtung von Nicolás Maduro Anfang des Jahres steigt die Ölproduktion inzwischen wieder an und internationale Investoren blicken nach Venezuela. Wird es zu einem nachhaltigen Aufschwung kommen?

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Venezuela Caracas 2026 | Trinkwasserverteilung in Wohngebieten von Fuerte Tiuna
Venezuela benötigt dringend frische Investitionen in die Infrastruktur und den ÖlsektorBild: Darwin Diko Canas/Anadolu/picture alliance

Seit ein paar Tagen landet die spanische Fluglinie Iberia wieder in Caracas, auch American Airlines kehrt wieder nach Venezuela zurück.

Paraguay macht sich dafür stark, die Suspendierung Venezuelas aus dem südamerikanischen Staatenbündnis Mercosur aufzuheben: "Dies ist eine der Initiativen, die wir auch im Rahmen der zeitweiligen Präsidentschaft Paraguays vorbringen werden", sagte Handelsminister Marco Riquelme Ende März auf einer Pressekonferenz. Sollte das passieren, hätte das auch Folgen für die Europäische Union. Denn mit dem Mercosur hat die EU einen Freihandelsvertrag abgeschlossen, der ab Anfang Mai vorläufig in Kraft treten soll.

Venezuela Caracas 2026 | Mangoverkäufer auf einem Markt
Das öffentliche Leben hat sich wieder normalisiert - Mangoverkäufer in CaracasBild: Ariana Cubillos/AP Photo/picture alliance

Mehr als drei Monate nach der Verhaftung und Entmachtung von Venezuelas sozialistischem Machthaber Nicolas Maduro am 3. Januar durch eine umstrittene US-Militäroperation, verändern sich nahezu täglich die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen des südamerikanischen Landes.

Ölsektor als entscheidender Faktor

Entscheidend für eine Erholung der Volkswirtschaft im ölreichsten Land der Welt ist die Wiederbelebung der Petroindustrie. Tatsächlich sind die Schlangen vor den Tankstellen in Venezuela bereits weniger geworden oder haben sich ganz aufgelöst. Venezuela meldete nun auch dem Zusammenschluss der erdölproduzierenden Länder OPEC, dass die Ölproduktion im März inzwischen 1.095.000 Barrel pro Tag erreicht hat. Damit hat sich die Fördermenge im Vergleich zum Vormonat noch einmal um 75.000 Barrel erhöht.

Venezuela Maracay 2026 | Tankstelle
Keine Schlangen mehr vor den meisten Tankstellen in Venezuela (Bild vom 13.04.2027)Bild: DW

Im Jahr 2024 lag sie noch bei rund 893.000 Barrel pro Tag. Der Anstieg in Venezuela ist ein gegenläufiger Trend zur weltweiten Entwicklung. Die OPEC meldete wegen des Iran-Konfliktes einen Produktionsrückgang von 27,5 Prozent der Rohölförderung oder acht Millionen Tonnen im März.

Erdölkonzerne verstärken ihr Engagement

Der venezolanische Trend wird sich voraussichtlich fortsetzen, denn der spanische Erdölkonzern Repsol teilte nun mit, in wenigen Tagen sein Erdölgeschäft in Venezuela wieder aufzunehmen. Details wurden nach einem Treffen der Konzernspitze mit interimspräsidentin Delcy Rodriguez allerdings nicht genannt.

Venezuela Caracas 2026 | Delcy Rodriguez & Doug Burgum beim Treffen im Miraflores-Palast
Schulterschluss mit den USA: Interimspräsidentin Delcy Rodriguez bei einem Treffen mit US-Innenminister Doug BurgumBild: Ariana Cubillos/AP Photo/picture alliance

Zudem verkündete die US-Botschaft am Montag, dass auch der US Konzern Chevron sein Engagement ausbaue. Jede unterzeichnete Vereinbarung, wie die heutige mit Chevron, unterstützt den wirtschaftlichen Aufschwung Venezuelas, ließ die diplomatische Vertretung Washingtons verlauten. Das Abkommen zwischen Chevron und dem staatlichen venezolanischen Erdölkonzern PDVSA soll es dem US-amerikanischen Unternehmen erlauben, im Gegenzug für Investitionen, fast die Hälfte des Joint Ventures "Petroindependencia" zu kontrollieren. Der Anteil von Chevron an dem Konsortium im Orinoco-Gürtel wird sich von knapp 36 Prozent auf 49 Prozent erhöhen.

Fehlende Transparenz

Dennoch seien die Aktivitäten im Ölsektor für Außenstehende kaum überprüfbar, sagt Ronald Balza. Der Dekan der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (UCAB) in Caracas tut sich deshalb im Gespräch mit der DW schwer, die Entwicklung abzuschätzen; die Vereinigten Staaten würden bisher keine transparenten und regelmäßigen Zahlungen über das von Venezuela gelieferte Öl bereitstellen. Deshalb sei es sehr schwierig "Prognosen in Bezug auf Preise, Beschäftigung, die Verwendung öffentlicher Ausgaben und andere für Regierungen übliche Aktivitäten zu erstellen", so Balza. 

Nach wie vor fehlt die demokratische Legitimation der aktuellen Regierung. Der prominente Ökonom Ricardo Hausmann sagte deshalb in einem Interview mit "The Objektive": "Wenn Trump sagt, dass er Venezuela im Griff hat, muss er die Freiheit, die Sicherheit und die Rechte von María Corina Machado gewährleisten. Ihre Abwesenheit aus dem Land ist ein Zeichen dafür, dass die Diktatur weiterbesteht." Friedensnobelpreisträgerin Machado gilt als die populärste Politikerin des Landes, befindet sich aber weiter im Exil, weil Sie in Venezuela mit einer Verhaftung rechnen muss. 

Machado und Rodriguez werben um Vertrauen

Doch auch vom Exil mischt sie sich ein und wirbt um ihre Agenda. So zum Beispiel auf der Energiemesse CERA Week in Houston. Hier skizzierte Sie, wie sie sich Venezuela vorstellt: "Unter unserer Regierung wird Venezuela den Weg zu einem vollständig privatwirtschaftlichen Modell einschlagen. Zum ersten Mal in unserer Geschichte wird der Staat kein Hindernis mehr sein, sondern den Weg ebnen und sich auf das konzentrieren, was wirklich seine Aufgabe ist: Klare Regeln festzulegen, Verträge durchzusetzen und langfristige Investitionssicherheit zu gewährleisten", sagte Machado.

Chile Santiago 2026 | Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado
Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado hier auf einer Kundgebung in ChileBild: Tobias Käufer/DW

Bisher hat Interimspräsidentin Delcy Rodriguez in Venezuela die Macht und auch sie wirbt neuerdings um Investoren und Kapital aus den USA. So ließ sie sich bei einer Investorenkonferenz in Miami zuschalten. Das wäre vor Monaten noch undenkbar gewesen. Um Investitionen zu ermöglichen, hatte die Rodriguez-Regierung bereits die entsprechende gesetzliche Regelung geändert.

Chancen für europäische Unternehmen?

In venezolanischen Medien wird angesichts der vielen Umbrüche auch darüber spekuliert, ob das deutsche Unternehmen Siemens bei der Instandsetzung der Energieversorgung in Venezuela eingebunden werden könnte. "Das Wirtschaftswachstum hängt von einem stabilen Stromnetz ab. Ohne Strom ist es nicht möglich, die Ölproduktion zu steigern", sagte der Präsident der Handelskammer Fedecámaras Zulia, Paúl Márquez, dem Portal "Bancynegocios". Siemens sei bereits dabei, Vorschläge zu erarbeiten.

Auf Anfrage der DW wollte Siemens das weder bestätigen noch dementieren: "Wir stehen in engem Kontakt mit unserem Team vor Ort und bewerten aktiv alle potenziellen Auswirkungen auf unseren Betrieb. Wir werden die Entwicklungen genau beobachten und prüfen, wie sich diese auf unser Geschäft auswirken werden. Solange die Instabilität anhält, liegt unser Fokus heute auf der Gewährleistung der Sicherheit unserer Mitarbeiter", sagte eine Sprecherin von Siemens zur DW zur Lage in Venezuela. Und die scheint symptomatisch für die aktuelle Situation zu sein: Zwischen Abwarten und Bereitschaft.

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