US-Notenbank: Wann kommt die Zinswende? | Wirtschaft | DW | 14.09.2015
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Wirtschaft

US-Notenbank: Wann kommt die Zinswende?

Seit Jahren hält die US-Notenbank die Leitzinsen niedrig, um die Folgen der Finanzkrise zu bewältigen. Am Donnerstag könnte diese Ära zu Ende gehen. Erhöht die Fed dann die Leitzinsen?

Seit die weltweite Finanzkrise ihren Höhepunkt erreichte - also seit Ende 2008 - hält die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen auf einem historisch niedrigen Niveau zwischen null und 0,25 Prozent. In diesen sieben Jahren hat sich die Welt verändert. Doch reicht das den Währungshütern in Washington, um die große Zinswende einzuleiten?

Fed-Chefin Janet Yellen stimmt die Finanzmärkte schon seit längerem darauf ein, dass noch in diesem Jahr die US-Zinsen angehoben würden. Aber heißt "in diesem Jahr" wirklich September, wie es die Spatzen von den Dächern zu pfeifen scheinen – und mit ihnen jüngst auch Yellens Stellvertreter Stanley Fischer? Oder heißt das: Ende des Jahres, also Dezember? Dann findet eine weitere Fed-Sitzung statt.

Wirtschaftsförderung durch Geldpolitik

Anders als die Europäische Zentralbank ist hat die Fed den Auftrag, nicht nur die Preise und die Währung stabil zu halten, sondern auch die Wirtschaft zu stützen und zu fördern. Ein wichtiges Maß dabei ist die Lage am Arbeitsmarkt. Und der zeigt sich in den USA seit Monaten recht robust.

Janet Yellen FED Chefin Pressekonferenz Leitzins

Janet Yellen, seit Anfang 2014 an der Spitze der Fed

Die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt in etlichen Branchen, wenn auch nicht kontinuierlich; die Löhne ziehen an, wenn auch nicht stark; die Arbeitslosigkeit lag im August bei 5,1 Prozent - immerhin die niedrigste Quote seit April 2008, also bevor die Finanzkrise richtig in Gang kam.

Auch das Wachstum der US-Wirtschaft ist nicht schlecht. In diesem Jahr wird mit einem Plus von 3,2 Prozent gerechnet – mehr als Anfang des Jahres erwartet. Die Zeichen sind also nicht so schlecht – aber sind sie gut genug?

Problem China

"Die Hauptsorge gilt nicht dem aktuellen Zustand der heimischen US-Wirtschaft - von der wir wissen, dass sie gut läuft", sagt Harm Bandholz, US-Chefökonom bei der Bank UniCredit. "Sorgen bereiten vielmehr ein denkbares Überschwappen von Problemen aus China und die Volatilität auf den Aktienmärkten."

Die Wirtschaft dort wächst nicht mehr so stark wie früher, und schlechte Konjunkturdaten lassen befürchten, dass die rosigen Zeiten sein könnten - auch wenn die Führung in Peking zu beschwichtigen versucht. Ein Symptom ist der chinesische Automarkt, immerhin der größte der Welt: 2015 könnte hier erstmals seit fast zwei Jahrzehnten der Absatz sinken.

Chinas Straucheln sorgt für Stirnrunzeln in Washington und New York wie in den Wirtschaftsmetropolen weltweit. Allerdings machten für die USA die Ausfuhren weniger als 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Zwei Drittel des Wirtschaftswachstums wird vom inländischen Konsum getrieben, und die Verbraucherdaten in Amerika sind nicht schlecht. Also doch Zeit für die Zinswende?

Wirkung des billigen Geldes

Die historisch niedrigen Zinsen sollten nach der großen Krise von 2008 die Konjunktur wieder anschieben, boten sie doch den Unternehmen billiges Geld für Investitionen und den Konsumenten günstige Kredite für Anschaffungen.

Sehr viel des billigen Geldes ist in die Aktienmärkte geflossen - weltweit stiegen die Börsenbarometer auf neue Rekordstände. Aber diese Effekt hat sich abgenutzt. Seit geraumer Zeit geht es "seitwärts" an der Wall Street. Der Leitindex Dow Jones schwankt seit neun Monaten zwischen 17 500 und 18 000 Punkten.

Sparer und Versicherungen dagegen leiden unter den Niedrigzinsen, besonders für Pensionsfonds und Renterbezieher ist das ein Problem. Durch die Zinswende könnte die FED da gegensteuern. Außerdem vergrößert sie den Handlungsspielraum für ihre Geldpolitik - kein schlechtes Motiv, um für künftige Krisen besser gewappnet zu sein.

Schwellenländer besorgt, Europa abwartend

In den Schwellen- und Entwicklungsländern ist die Angst vor höheren US-Zinsen dagegen groß. Sie hatten in den vergangenen Jahren von dem Geld profitiert, das große Investoren auf der Suche nach guten Anlagemöglichkeiten dort anlegten. Doch schon Gedanke an eine baldige Zinswende in den USA ließ viele ihr Geld wieder abziehen.

Die Aktienkurse in viele Schwellenländern sind seit April eingebrochen, die Konjunktur schwächelt. Länder wie Brasilien und die Türkei müssten eigentlich gegensteuern. Doch um nicht noch mehr Kapital zu verlieren, sie sind gezwungen, ihre eigenen Leitzinsen hoch zu halten, was der heimischen Wirtschaft zusätzlich schadet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat dagegen angekündigt, die eigene lockere Geldpolitik weiterzuführen. Einer der Gründe dafür: die viel zu niedrige Inflation. Der EZB erwartet für dieses Jahr einen Preisanstieg von nur 0,1 Prozent im Euroraum - weit entfernt von den knapp zwei Prozent, die sie als Preisstabilität definiert hat. Der EZB-Leitzins wird daher weiter nahe null bleiben.

Steigen die Zinsen in den USA, würde der Euro gegenüber dem Dollar noch weiter an Wert verlieren. Das mögen die europäischen Exporteure, vorweg die deutschen. "Ganz klar ein besonderes Konjunkturpaket", findet Carsten Brzeski, Ökonom der Bank ING-Diba.

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