US-Banken scheffeln Milliarden | Wirtschaft | DW | 12.10.2018
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Kreditwirtschaft

US-Banken scheffeln Milliarden

Der Marktführer JPMorgan ist auf dem besten Weg, in diesem Jahr mehr Geld zu verdienen als die Deutsche Bank derzeit an der Börse wert ist: Bei den großen US-Instituten sprudeln weiter die Gewinne - auch dank Trump.

Die amerikanischen Großbanken JPMorgan Chase, Citigroup und Wells Fargo haben im Sommer dank niedrigerer Steuern, höherer Zinsen und der boomenden US-Wirtschaft glänzend verdient. Das größte US-Geldhaus JPMorgan Chase steigerte den Gewinn im dritten Quartal um fast ein Viertel auf 8,4 Milliarden Dollar (7,3 Milliarden Euro), wie aus dem am Freitag in New York veröffentlichten Finanzbericht hervorgeht.

Vorstandschef Jamie Dimon sprach von "starken Ergebnissen" mit gutem Wachstum in allen Geschäftsbereichen. "Die US- und die Weltwirtschaft zeigen weiterhin Stärke", so Dimon. Der JPMorgan-Chef ergänzte allerdings, dass die geopolitischen Unsicherheiten zunehmen würden. Im abgelaufenen Quartal profitierte sein Institut sowohl von guten Geschäften an den Finanzmärkten als auch vom starken Kreditwachstum. Dabei kamen der Bank die gestiegenen Zinsen in den USA zugute, die das Geschäft einträglicher machen.

Deutlich mehr Gewinne bei den drei Großen

In den ersten neun Monaten verdiente JPMorgan bereits 25,4 Milliarden Dollar und ist damit auf dem besten Weg zu einem Rekordergebnis im laufenden Jahr. Analysten rechnen mit einem Gesamtgewinn von rund 31 Milliarden Dollar (26,8 Milliarden Euro). Damit würde JPMorgan 2018 mehr verdienen als dieDeutsche Bank derzeit an der Börse wert ist. Das US-Institut profitiert allerdings auch stark von den Steuersenkungen der Regierung von Präsident Donald Trump. Sie ließen JPMorgans Steuerquote im jüngsten Quartal von 29,6 auf 21,6 Prozent schrumpfen.

Auch der Konkurrent Citigroup machte deutlich mehr Gewinn. Im dritten Quartal legte der Überschuss verglichen mit dem Vorjahreswert um zwölf Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar (4,0 Milliarden Euro) zu, wie das Geldhaus in New York mitteilte. Insgesamt stagnierten die Erträge jedoch bei 18,4 Milliarden Dollar. Bankchef Michael Corbat machte dafür vor allem den Verkauf von Geschäftsteilen verantwortlich. Auf bereinigter Basis habe es einen Zuwachs um vier Prozent gegeben.

Citigroup Hauptquartier (picture-alliance/dpa)

Citigroup-Hauptquartier in New York

Der Rivale Wells Fargo erhöhte den Nettogewinn in den drei Monaten bis Ende September im Jahresvergleich um rund ein Drittel auf 6,0 Milliarden Dollar (5,2 Milliarden Euro). Bei den Erträgen gab es nach Angaben der Bank indes nur einen leichten Zuwachs auf 21,9 Milliarden Dollar. Die höheren Zinsen bringen für Wells Fargo nicht nur Vorteile, denn sie können Kreditnehmer auch abschrecken. Das machte sich zuletzt bereits bei Hypothekendarlehen bemerkbar. Die Bank kämpft nach Skandalen wegen fingierter Konten und anderer dubioser Vertriebspraktiken zudem weiter mit Image-Problemen.

Risiken lauern überall

Doch die Sorgen vor einem Konjunktureinbruch werden nicht zuletzt wegen der Handelsstreitigkeiten größer. Die Wirtschaft sei zwar stark, doch "überall fliegen uns die geopolitischen Unsicherheiten um die Ohren", sagte JP-Morgan-Chef Jamie Dimon. Sorgen bereitet ihm zudem die Inflation.

Die US-Notenbank Fed hat zum Missfallen von US-Präsident Donald Trump den Leitzins 2018 schon drei Mal angehoben, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern und die Teuerung im Griff zu halten. Aktuell liegt der Leitzins in den USA auf dem Niveau von 2,00 bis 2,25 Prozent. Dank des anhaltenden Wirtschaftswachstums und der niedrigen Arbeitslosigkeit, die zuletzt auf den tiefsten Stand seit fast fünf Jahrzehnten gefallen ist, bleibt die Nachfrage nach Darlehen hoch. Der Zinsüberschuss der Banken steigt, die Belastungen durch faule Kredite sinken. Zudem profitieren die Institute von Trumps Steuerreform, durch die die Körperschaftssteuer zu Jahresbeginn auf 21 Prozent von 35 Prozent gesunken ist.

zdh/ml (dpa, rtr)

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