Ursprung des Feierns? Affen konsumieren gemeinsam Alkohol
Veröffentlicht 25. April 2025Zuletzt aktualisiert 18. September 2025
Schimpansen konsumieren in freier Wildbahn regelmäßig vergorene Früchte – und nehmen dabei überraschend große Mengen Alkohol auf. Forschende um Aleksey Maro von der University of California berichten, dass die Tiere damit eine Dosis erreichen, die beim Menschen ungefähr dem Konsum einer kleinen Flasche Bierentspricht.
Im Kibale Nationalpark (Uganda) und im Taï Nationalpark (Elfenbeinküste) analysierten die Forschenden die 20 beliebtesten Fruchtsorten, deren reifes Fruchtfleisch im Schnitt einen Ethanolgehalt von 0,3 Prozent enthält.
Da ein Schimpanse täglich rund 4,5 Kilogramm dieser Früchte verzehrt, summiert sich die Menge auf knapp 14 Gramm Alkohol. Gemessen am Körpergewicht der Tiere – rund 41 Kilogramm – entspricht das beim Menschen eher dem Konsum von mehr als einem halben Liter Bier.
Die Untersuchungen weisen darauf hin, dass regelmäßiger Alkoholkonsum evolutionsbiologisch nicht allein ein kulturelles Phänomen des Menschen ist, sondern tiefere Wurzeln im Verhalten unserer nächsten Verwandten haben könnte.
Bereits Anfang 2025 hatte ein Team der Universität Exeter im Cantanhez-Nationalpark im westafrikanischen Guinea-Bissau erstmals Schimpansen beim gemeinsamen Konsum von alkoholhaltigen Früchten beobachtet.
Der Großteil der untersuchten Früchte des Afrikanischen Brotfruchtbaums am Boden wies einen Alkoholgehalt bis maximal 0,61 Prozent auf. Unklar war allerdings, ob der Alkohol in der geringen Konzentration bei den Schimpansen einen Rausch auslöst.
Mit Kamerafallen zeichnete das Team insgesamt 70 Ereignisse auf, bei denen Schimpansen gemeinsam fast immer alkoholhaltige Früchte verzehrten. An der Party beteiligten Schimpansen beiderlei Geschlechts und aus verschiedenen Altersgruppen. "Unsere Daten liefern den ersten Beleg für das Teilen von alkoholhaltiger Nahrung durch Menschenaffen", schreibt das Team im Fachjournal "Current Biology".
Alkoholkonsum ist bei Tieren nicht selten
Lange gingen Forschende davon aus, dass Wildtiere Ethanol, wie Alkohol wissenschaftlich heißt, eher selten und zufällig verzehren. 2024 erschien jedoch eine Studie in der Fachzeitschrift "Trends in Ecology & Evolution", laut der der Alkoholkonsum bei wilden Affen, Vögeln und Insekten gar nicht so selten vorkommt. An beiden Studien war die Verhaltensökologin Kimberley Hockings von der britischen Universität Exeter beteiligt. "Alkoholkonsum kommt in der Natur viel häufiger vor, als wir bisher dachten", so Hockings. Denn Ethanol sei in fast jedem Ökosystem zu finden.
Vorbild für menschliche Trinkgelage?
Das Team aus Exeter lieferte keine Erklärung, warum die vergorene Nahrung geteilt wurde und ob der Alkohol wirklich gezielt konsumiert wurde.
Der an der ersten Studie beteiligte Co-Autor Matthew Carrigan vom College of Central Florida hat so seine Zweifel. "Es ist nicht vorteilhaft, betrunken zu sein, wenn man in den Bäumen herumklettert oder nachts von Raubtieren umgeben ist", so Carrigan.
Die Beobachtung stütze aber die Idee, dass der gemeinsame Konsum von ethanolhaltigen Nahrungsmitteln weit verbreitet ist und in hominoiden, also menschlichen Gesellschaften seit langem eine Rolle spielen könnte, heißt es in der neuen Studie.
"Wir wissen, dass das Trinken von Alkohol bei Menschen zur Ausschüttung von Dopamin und Endorphinen führt, was Gefühle von Glück und Entspannung verursacht", so Erstautorin Anna C. Bowland. "Und wir wissen zudem, dass das Teilen von Alkohol – auch im Rahmen von Traditionen wie etwa Feiern – zur Bildung und Stärkung sozialer Verbindungen beiträgt."
Deshalb stelle sich die Frage, ob dies bei Schimpansen ähnlich sei. In diesem Fall könne es sich um eine Urform des Feierns handeln, so die Verhaltensökologin.