Uniper feiert ein solides Börsen-Debüt | Wirtschaft | DW | 12.09.2016
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Wirtschaft

Uniper feiert ein solides Börsen-Debüt

Die Uniper-Aktie steigt nach der Emission. Die Abspaltung Unipers von Eon war durch die Energiewende erzwungen. Die Konkurrenz wird dem Beispiel von Eon bald folgen. Aber: Drohen Eon jetzt noch weitere Abschreibungen?

Der Uniper-Vorstandsvorsitzende Klaus Schäfer läutete beim Börsengang von Uniper an der Frankfurter Börse die traditionelle Glocke zur Bekanntgabe der Erstnotierung der Aktie des Eon-Tochterunternehmens. Für die Investoren zahlte sich die Emission bald aus: Uniper verbuchte am Montag bei ihrem Debüt an der Frankfurter Börse deutliche Gewinne.

Die Aktien des Börsenneulings stiegen bis zum Nachmittag auf bis zu 11,05 Euro und lagen damit zeitweise gut zehn Prozent über ihrem ersten Kurs von 10,02 Euro. Am Abend ging das neue Papier bei 10,30 Euro aus dem Handel.

Analysten hatten den Wert des Papiers auf elf bis 15 Euro taxiert, für Uniper war aber auch ein deutlicher Kursrückgang befürchtet worden. "Wir haben widerlegt, dass die Abspaltung nicht funktionieren würde", sagte Eon-Chef Johannes Teyssen. Trotzdem rechnet er mit einer Achterbahn-Fahrt für den Börsenneuling.

Die Kursentwicklung kann massive Auswirkungen auf Eon haben: Die Investoren versahen Uniper zunächst mit einem Preisschild von rund 3,9 Milliarden Euro. In den E.ON-Büchern ist Uniper aber rund drei Mal höher bewertet.

"Uniper ist keine Resterampe"

Trotz des Eon-Kurssturzes von zeitweise knapp 15 Prozent lag der Börsenwert der beiden Firmen am Mittag zusammengerechnet bei etwa 17,6 Milliarden Euro. Zum Schlusskurs vom Freitag wurde Eon noch mit 15,9 Milliarden Euro bewertet. Johannes Teyssen hatte dem Stromriesen als Konsequenz aus den Turbulenzen der Energiewende die Aufspaltung verordnet.

"Mit der Börsennotierung ist Uniper jetzt ein eigenständiges Unternehmen", sagte Uniper-Chef Klaus Schäfer, nachdem er die Glocke für das Debut seines Unternehmens geläutet hatte. Dies sei ein "ganz wichtiger Tag" für Uniper.

Der Düsseldorfer Versorger kümmert sich um das Traditionsgeschäft mit Kohle- und Gaskraftwerken. Eon konzentriert sich auf das Ökostromgeschäft. Uniper sei aber alles andere als "eine Resterampe", bekräftigte Teyssen. Der Börsenneuling steht von Anfang an wegen der stark gefallenen Strom-Großhandelspreise unter Druck. Im Halbjahr fuhr Uniper mit knapp 14.000 Mitarbeitern wegen hoher Abschreibungen auf seine Kraftwerke und Gasspeicher 3,9 Milliarden Euro Verlust ein.

Das Beispiel wird Schule machen

Auch der ebenfalls unter einem Verfall der Strompreise ächzende Konkurrent RWE spaltet sich auf, seine Ökostromtochter Innogy strebt auf das Börsenparkett. "Die Vorbereitungen des Innogy-Börsengangs liegen sehr gut im Plan", erläuterte RWE-Chef Peter Terium, der auf den Chefposten von Innogy wechseln wird.

Über eine Kapitalerhöhung sollen zunächst rund zehn Prozent neue Innogy-Aktien ausgegeben werden. Zudem sei beabsichtigt, im gleichen Schritt weitere Aktien aus dem RWE-Portfolio zu platzieren - der Konzern will die Anteilsscheine so versilbern. Für den Börsengang ist er optimistisch: "Das Interesse bei den Investoren ist sehr hoch", sagte Terium der Nachrichtenagentur Reuters.

RWE tritt wie Eon mit dem - aus Sicht von Kritikern überfälligen - Radikalumbau die Flucht nach vorn an. Während Eon Ökoenergien, das Netzgeschäft sowie Kundenlösungen im Hauptkonzern behält und die Kraftwerke in der Tochter Uniper an die Börse brachte, macht es RWE umgekehrt: Großkraftwerke und Handel bleiben in der "alten" RWE; Erneuerbare, Netze und Vertrieb kommen zum Ableger Innogy. Dort werden nach der Umstrukturierung voraussichtlich rund 40.000 der insgesamt rund 60.000 Mitarbeiter des RWE-Konzerns beschäftigt sein.

Angst vor Arbeitsplatzverlusten

Beim stark auf Steinkohle spezialisierten Versorger Steag sagte Konzernchef Joachim Rumstadt dem "Handelsblatt": "In Deutschland werden wohl 800 bis 1000 Stellen wegfallen." Die Gewerkschaft IG BCE zeigte sich besorgt, dass ein weiteres Unternehmen der Energiewirtschaft durch die Folgen der Energiewende in Schwierigkeiten gerate. In den zurückliegenden Jahren seien bereits tausende von Arbeitsplätzen bei den kommunalen und privaten Versorgern abgebaut worden.

Dass die Steag mit dem Abbau auf die Situation reagieren müsse, sei ein weiteres Beispiel für die Notwendigkeit des Handelns, so die Gewerkschaft. IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis zeigte sich jedoch überzeugt, dass es bei dem Unternehmen auch weiterhin keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde.

dk/wen (dpa/rtr)