UN-Vertreter nennt Lager in Libyen ″Höllenloch″ | Aktuell Afrika | DW | 07.06.2019
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UN-Vertreter nennt Lager in Libyen "Höllenloch"

Die Vereinten Nationen haben die Bedingungen in Auffanglagern für Flüchtlinge in Libyen erneut scharf kritisiert. Dort Festgehaltene würden gefoltert, auf engstem Raum eingepfercht und bekämen kaum Wasser und Nahrung.

Libyen Flüchtlinge in der Nähe von Tripolis (Getty Images/AFP/T. Jawashi)

Internierte Flüchtlinge in einem Lager bei Tripolis (Archivbild)

"Wir sind tief betroffen angesichts der grässlichen Bedingungen, unter denen Migranten und Flüchtlinge in Libyen inhaftiert sind", sagte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros, Rupert Colville, in Genf. Der UN-Vertreter berichtete von seinem Besuch in einem Lager in Sintan. Dort würden mehr als 650 Menschen festgehalten. Die Situation sei "unmenschlich". Colville sprach von "entwürdigender Behandlung oder Bestrafung" bis hin zu möglicher Folter und sexuellem Missbrauch der Lagerinsassen. Die Häftlinge seien "schwer unterernährt", es mangele ihnen an Wasser, sie seien in einem "überfüllten Lagerhaus" zusammengepfercht, in dem es nach Müll und Fäkalien aus überfüllten Latrinen stinke.

Todesfalle Internierungslager

Einige von ihnen erhielten nur eine Mahlzeit am Tag - 200 Gramm Nudeln. Mehrere hundert Eritreer, darunter 132 Kinder, bekämen sogar nur die halbe Ration. Mindestens 22 Menschen in der Einrichtung seien seit September an Tuberkulose gestorben. Dutzende weitere seien an Tuberkulose erkrankt und würden in einem abseits gelegenen Hangar isoliert. Colville sprach von einem "Höllenloch". Tuberkulose müsse nicht tödlich enden, unter diesen Bedingungen töte sie die Menschen jedoch.

Kritik an EU-Unterstützung für Libyens Küstenwache

Colville geißelte die von der Europäischen Union unterstützte Praxis, dass die libysche Küstenwache auf dem Mittelmeer von Schlepperbooten geborgene Migranten in das Land zurückbringt: "Unter keinen Umständen ist Libyen ein sicheres Land." Allein seit Anfang 2019 seien mehr als 2300 Menschen von der Küstenwache aufgegriffen worden. Da Libyen Menschen ohne gültige Aufenthaltspapiere als illegale Einwanderer betrachtet, werden sie im Land interniert. Tausende Menschen verstecken sich in Libyen vor den Behörden und warten auf eine Gelegenheit zur Flucht über das Mittelmeer.

Um die Flucht über das Meer nach Europa einzudämmen, versucht die EU das Bürgerkriegsland zu stabilisieren und half auch beim Aufbau einer Küstenwache. Diese operiert im Auftrag der international anerkannten Regierung Libyens, die viele der Migrantenlager errichten ließ. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch werfen der EU deshalb Kollaboration vor.

qu/gri (dpa, afp, epd)

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