Umstrittener US-Minister-Besuch in Taipeh | Aktuell Asien | DW | 09.08.2020
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Taiwan

Umstrittener US-Minister-Besuch in Taipeh

Es ist "nur" US-Gesundheitsminister Alex Azar, der zu einem offiziellen Besuch in Taiwan eingetroffen ist - und es geht zudem um eine gute Sache, nämlich den Kampf gegen Corona. Trotzdem sorgt die Visite für Ärger.

Der US-Gesundheitsminister will sich in Taipeh unter anderem über die Erfolge der ostasiatischen Inselrepublik im Kampf gegen die Corona-Pandemie erkundigen. Geplant sind Treffen von Alex Azar mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen, Außenminister Joseph Wu und Gesundheitsminister Chen Shih-chung.

Das US-Außenministerium hatte das ostasiatische Land vorige Woche als "Modell für Transparenz und Kooperation im globalen Gesundheitswesen während der COVID-19-Pandemie und lange davor" gelobt. Mit dem Besuch wolle die US-Regierung die Erfolge Taiwan in Sachen Corona würdigen und die "gemeinsame Überzeugung" unterstreichen, "dass offene und demokratische Gesellschaften am besten auf den Kampf gegen Krankheiten wie COVID-19 vorbereitet sind", sagte ein Ministeriumsvertreter.

In Taiwan mit seinen knapp 24 Millionen Einwohnern gab es bislang nur 480 offiziell registrierte Corona-Infektionen und sieben Tote. In den USA ist die Zahl der Infizierten und Todesopfer - in Relation zur Einwohnerzahl - um ein Vielfaches höher.

Peking tobt

Trotz dieser vermeintlich harmlosen und sachlichen Inhalte des Aufenthaltes sorgt Azars Taipeh-Besuch in China für Empörung. Die kommunistische Führung in Peking sieht demokratisch regierte Insel vor seiner Küste als Teil der Volksrepublik an, obwohl sie nie zu ihr gehört hat. Trotzdem will sie Taiwan wieder mit der Volksrepublik vereinigen - notfalls auch mit militärischer Gewalt. Taiwan hatte sich 1949 von China abgespalten.

Taiwan Taipei | Gesundheitsminister der USA Alex Azar (picture-alliance/AP Photo/C. Ying-Ying)

US-Minister Azar nach der Landung in Taipeh: Kooperation mit Taiwan ausbauen

Der chinesische Außenamtssprecher Wang Wenbin sagte, die Vereinigten Staaten sollten jeden offiziellen Austausch mit Taiwan stoppen, um die Beziehungen zu Peking nicht ernsthaft zu schädigen. China lehne "den offiziellen Austausch zwischen den USA und Taiwan nachdrücklich ab" und rufe die USA zur Achtung des "Ein-China-Prinzips" auf.

US-Gesundheitsminister Azar hatte gleichwohl hervorgehoben, die Kooperation mit Taiwan ausbauen zu wollen. Er ist der ranghöchste US-Vertreter, der Taiwan seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und der Volksrepublik China 1979 besucht.

Besitzansprüche und Machtpoker

Seit dem Amtsantritt der Unabhängigkeitsverfechterin Tsai im Jahr 2016 haben sich die Spannungen zwischen Peking und Taipeh noch verschärft.
Inoffiziell haben die USA und Taiwan in den vergangenen Jahrzehnten stets freundschaftliche Kontakte unterhalten.

Immer wieder gab es auch Besuche von US-Kabinettsmitgliedern in Taiwan. Diese waren jedoch selten: 2014 etwa reiste der Chef der Umweltbehörde EPA nach Taiwan, im Jahr 2000 der Verkehrsminister. Unter Präsident Donald Trump näherten sich Washington und Taipeh weiter an.

Dagegen haben sich die Beziehungen zwischen den USA und China unter Trump dramatisch verschlechtert. Neben den fortdauernden Handelskonflikten zählen unter anderem der Umgang mit der Corona-Pandemie und die massiven chinesischen Eingriffe in die Autonomierechte der Sonderverwaltungszone Hongkong zu den Streitthemen.

mak/AR (afp, dpa)

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