Umstände des Münchner Kunstfunds bleiben rätselhaft | Aktuell Deutschland | DW | 06.11.2013
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Aktuell Deutschland

Umstände des Münchner Kunstfunds bleiben rätselhaft

Auch nach der Pressekonferenz der Ermittler bleiben viele Umstände des spektakulären Kunstfunds aus München weitgehend im Dunkeln. So waren einige der Werke nach dem Krieg von den Alliierten beschlagnahmt worden.

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Offene Fragen in Münchner Kunstkrimi

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, waren einige der Bilder nach dem zweiten Weltkrieg 1945 von den Besatzungsmächten beschlagnahmt und verwahrt worden. Das Blatt aus München beruft sich in seinem Bericht auf Unterlagen der National Archives in Washington, dem Staatsarchiv der Vereinigten Staaten. Es handele sich um Protokolle, die die Alliierten von Befragungen des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt zu dessen Rolle im Dritten Reich anfertigten.

Eine an diese Protokolle angehängte Liste gibt demnach Auskunft über Gurlitts mehr als hundert Einzelwerke umfassende Privatsammlung, die zu diesem Zeitpunkt in einer Wiesbadener Sammelstelle der US-Armee eingelagert war. Die Alliierten hatten verschiedene Stellen in Deutschland eingerichtet, an denen sie Beutekunst der Nazis aus ganz Europa zusammentrugen (Artikelbild). Auf der Liste der Amerikaner waren offenbar auch einige der am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Augsburg präsentierten, Werke, wie das bislang unbekannte Selbstbildnis von Otto Dix, das Gemälde "Zwei Reiter am Strand" von Max Liebermann und die Gouache von Marc Chagall.

Stammen die Bilder aus Gurlitts Privatsammlung?

Laut dem Zeitungsbericht forderte Hildebrand Gurlitt die Werke mit Erfolg von den Alliierten zurück. Bis auf zwei Bilder habe er seine angebliche Privatsammlung 1950 zurückerhalten. Das Dix-Selbstporträt gehört zu den 1401 Bildern, die in der Münchner Wohnung des Kunsthändler-Sohns Cornelius Gurlitt bei einer Hausdurchsuchung entdeckt worden waren. Gegen den 79-Jährigen wird wegen des Verdachts der Unterschlagung und Steuerhinterziehung ermittelt.

Wegen des spektakulären Funds waren die Augsburger Staatsanwaltschaft und die Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann am Dienstag vor die Öffentlichkeit getreten. Danach befanden sich in dem Kunstschatz auch bislang unbekannte Meisterwerke von Picasso, Dürer, Renoir und Toulouse-Lautrec. Ein Großteil davon scheint Nazi-Raubkunst zu sein, darunter Werke des Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus oder Kubismus - Kunstströmungen, die von Adolf Hitler als "entartet" stigmatisiert worden waren.

Unklar ist zudem, wo sich der 79-jährige Sohn Cornelius, der auch ein Haus in Österreich hat, derzeit aufhält. Die Staatsanwaltschaft erklärte, man wisse nicht, ob er noch lebe. Der Zentralrat der Juden forderte zügige Aufklärung. Es gehe um die Erben einstmals beraubter jüdischer Sammler, die nun späte Gerechtigkeit erfahren könnten, indem das Hab und Gut ihrer Familie wieder in ihren, den rechtmäßigen, Besitz komme, sagte Zentralrats-Präsident Dieter Graumann.

uh/SC (afp, Süddeutsche Zeitung)

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