Angriffe auf die Ukraine gehen trotz Verhandlungen weiter
Veröffentlicht 25. November 2025Zuletzt aktualisiert 25. November 2025
Ungeachtet laufender Gespräche über einen Frieden in der Ukraine hat Russland deren Hauptstadt Kyjiw erneut mit Luftangriffen überzogen. Die Millionenmetropole sei mit Hyperschallraketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen attackiert worden, berichten ukrainische Medien unter Verweis auf die Militärverwaltung.
Es gebe mindestens sieben Todesopfer und 20 Verletzte, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Mehrere Wohngebäude erhielten demnach Treffer und gingen in Flammen auf. Ein 22-stöckiges Hochhaus habe evakuiert werden müssen. In Teilen der Stadt sei die Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung eingeschränkt. Das ukrainische Energieministerium sprach von einem "massiven kombinierten Angriff" auf die Energieinfrastruktur des Landes.
Gegenangriffe auf russisches Gebiet
Auch in Russland gab es Tote. In der Grenzregion Rostow starben nach Angaben des Gouverneurs mindestens drei Menschen durch ukrainische Angriffe. Zehn weitere seien verletzt worden, teilten die Behörden mit. In der benachbarten Region Krasnodar habe es sechs weitere Verletzte gegeben.
Die in der sogenannten Koalition der Willigen organisierten Unterstützer der Ukraine beraten an diesem Dienstag über die jüngsten Entwicklungen. Die Gruppe, zu der neben den USA vor allem europäische Staaten zählen, wird im Rahmen einer Videokonferenz zusammenkommen. Die Außenminister der EU-Staaten wollen sich am Mittwoch ebenfalls per Videoschalte über die Lage in der Ukraine austauschen. US-Heeresstaatssekretär Dan Driscoll kam derweil mit dem ukrainischen Militärgeheimdienstchef und einer russischen Delegation in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, Abu Dhabi, zusammen, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten.
Wadephul: "Keine Einladung an Putin"
Die diplomatischen Bemühungen liefen derzeit "auf Hochtouren", sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul. Es dürfe allerdings keine Entscheidungen geben, "die die Verteidigung der Ukraine schwächen, keine Entscheidungen, die Putin einladen, schon den nächsten Angriff zu planen, und keine Entscheidungen, die in die Souveränität der Europäischen Union oder der Nato eingreifen". Er sei froh darüber, "dass unsere Partner in den USA das auch so sehen", unterstrich der CDU-Politiker.
Delegationen der USA, der Ukraine und mehrerer EU-Staaten hatten am Sonntag in der Schweiz über einen 28-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges beraten, den die Vereinigten Staaten vorgelegt hatten. In seiner ursprünglichen Fassung kam das Papier weitgehend den Forderungen Russlands entgegen, weshalb es nicht nur in Kyjiw, sondern auch bei den europäischen Partnern auf Ablehnung stieß.
NATO: Nein - EU: Ja
Vorgesehen waren eine faktische russische Kontrolle über große Teile der Ost- und Südukraine und eine Begrenzung der ukrainischen Armee auf 600.000 Soldaten. In dem Entwurf wird ein NATO-Beitritt der Ukraine ausgeschlossen, dafür aber ein EU-Beitritt in Aussicht gestellt.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kommentierte diese Fassung mit den Worten: "Wir wollen Frieden, aber wir wollen keinen Frieden, der eine Kapitulation wäre." Nur die Bürger des von Russland angegriffenen Landes könnten entscheiden, zu welchen territorialen Zugeständnissen sie bereit seien.
Kreml-Berater: "Nicht konstruktiv"
Nach wie vor ist unklar, wie ein dauerhaft tragfähiger Kompromiss zwischen der Ukraine und dem Angreifer Russland aussehen könnte. Bundeskanzler Friedrich Merz geht nach eigenen Worten davon aus, dass eine Friedenslösung nicht "über Nacht" gefunden werden kann, sondern längerer Bemühungen bedarf. Nach den Verhandlungen in Genf sagte der deutsche Regierungschef, der ursprüngliche US-Plan sei in wesentlichen Teilen modifiziert worden. Das neue Papier werde derzeit abgestimmt. Details wurden bisher nicht mitgeteilt.
Aus Russland kam jedoch bereits eine ablehnende Reaktion. Die neuen Vorschläge seien "nicht konstruktiv", erklärte der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow. Sein Land befasse sich mit dem, was auf offiziellem Weg übermittelt worden sei - und das sei der 28-Punkte-Plan von US-Präsident Donald Trump.
jj/pgr (dpa, afp, rtr)
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