Uber: Mit Vollgas an die Börse - aber mit Bremsspuren | Wirtschaft | DW | 10.05.2019
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Wirtschaft

Uber: Mit Vollgas an die Börse - aber mit Bremsspuren

Der Fahrdienstleister Uber zelebrierte am Freitag einen der größten Börsengänge der Geschichte. Doch die hohen Verluste lassen am Erfolg des Unternehmens zweifeln. Entsprechend dürftig verlief der Einstand.

Ein halbes Jahr ist es her, dass Dara Khosrowshahi so ehrlich wurde, wie es Chefs großer Unternehmen selten sind. Vor den Augen Hunderter Studenten der Stanford University rechnete er mit all jenen Investoren ab, die das Unternehmen seit Monaten unter Druck setzen und für seine roten Zahlen abstrafen. "Wenn Sie ein vorhersehbares Unternehmen wollen, kaufen Sie eine Bank und kommen Sie nicht zu uns", sagte er, um im gleichen Moment eins klarzustellen: "Wir werden wahrscheinlich nie Gewinn machen."

Enttäuschender Start an der Wall Street

Mit seinem Statement trifft Khosrowshahi den Kern der Diskussion, die mit dem Börsengang von Uber erneut an Fahrt gewinnt. Trotz hoher Verluste und unklarer Zukunftsaussichten hatte Uber das höchstbewertete Börsendebüt seit fünf Jahren angepeilt: Mit 82 Milliarden Dollar ist der Fahrdienstleister aus San Francisco bewertet, als Anleger die Aktien am Freitag zum Ausgabepreis von 45 Dollar kaufen konnten. Der Start verlief allerdings schleppend. Die Aktien wurden bei ihrem Debüt an der US-Techologiebörse Nasdaq mit 41,57 Dollar gehandelt, mehr als sieben Prozent unter dem Ausgabepreis. 

Hohes Wachstum erweckt Hoffnung

Die enorme Bewertung fußt vor allem auf Ubers aggressivem Wachstum. In den vergangenen zehn Jahren sammelte der Fahrdienstleister fast 20 Milliarden Dollar bei internationalen Investoren ein, um die globale Expansion seiner sehr simplen Geschäftsidee voranzutreiben: Private Fahrer können sich bei Uber anmelden und mit ihrem eigenen Auto Kunden von A nach B transportieren, ohne teure Taxi-Lizenz und ohne große Schulung. Uber zählt jeden Tag mehr als 15 Millionen Fahrten in mehr als 700 Städten weltweit. Allein im letzten Jahr stiegen die Erlöse zum Vorjahr um mehr als 40 Prozent auf rund 11,3 Milliarden Dollar.

Das starke Wachstum kann allerdings nicht über Ubers Defizit hinwegtäuschen. Die Firma, die Mobilität und Transport revolutionieren will, ist zutiefst unprofitabel. Allein in den vergangenen zwölf Monaten bis Ende März weisen die Bücher einen Verlust von knapp 3,7 Milliarden Dollar aus - ein Rekordminus für Firmen im Jahr vor ihrer Börsenpremiere.

Die tiefroten Zahlen spiegeln die Beschwerlichkeiten wider, die das auf den ersten Blick geniale Geschäftsmodell mit sich bringt: in vielen Gegenden der Welt muss Uber viel Geld in die Hand nehmen, um neue Kunden und Fahrer mit speziellen Rabatten für sich zu gewinnen. In anderen Städten wiederum sind solche Fahrdienste gar nicht erlaubt, die Taxi-Lobby ist zu stark. In den Vereinigten Staaten ist mit Lyft zudem ein ernsthafter Konkurrent gewachsen, der nicht nur Kunden abgreift, sondern auch eindrucksvoll bewiesen hat, dass der Markt der Fahrdienste zurzeit augenscheinlich überbewertet ist: nach einem sehr guten ersten Börsentag Ende März fiel die Aktie zeitweise um mehr als 25 Prozent.

Auf die Zukunft spekulieren

Wie erfolgreich Uber in Zukunft sein wird, darüber entscheidet vor allem die Geschwindigkeit, mit der der Fahrdienstleister Gewinne erzielen kann. Auch wenn Uber-CEO Khosrowshahi in den nächsten Jahren wenig Mut macht: Das Unternehmen hat durchaus Chancen, seine Verluste von heute auf morgen drastisch zu senken. "Uber spekuliert auf autonom fahrende Autos, mit denen die Kosten für die Fahrer auf null gesenkt werden können", sagt Jay Ritter, Börsenexperte und Professor an der University of Florida. Die Einsparungen könnten an die Kunden weitergegeben und Uber-Fahrten so deutlich günstiger werden, als es derzeit der Fall sei. "Die erwarteten Umsätze der Zukunft sind das Aufwärtspotential von Uber."

Argentinien Taxifahrer protestieren gegen Uber in Buenos Aires (Reuters/A. Marcarian)

Taxifahrer in Argentinien protestieren gegen Uber

Einige Experten sehen den Fahrdienstleister deshalb schon in der Hall of Fame der Tech-Giganten. "Uber hat das Zeug und die revolutionierenden Möglichkeiten, sich in eine Reihe mit Firmen wie Amazon, Apple und Google zu stellen", schreiben die Wedbush-Analysten Ygal Arounian und Daniel Ives in einer Mitteilung an ihre Kunden. Angesichts der Tatsache, dass derzeit gerade mal zwei Prozent der weltweiten Bevölkerung Uber nutze, sei das Wachstumspotential riesig. Arounian und Ives sind sich sicher: "Die Aktie wird outperformen."

Uber-Fahrer in Sorge

Die Fahrer selbst sind von dem ganzen Spektakel wenig begeistert, vor zwei Tagen erst riefen sie international zum Streik auf. "Geldgierige Investoren werden die Arbeitsbedingungen der Fahrer verschlechtern", warnt Bhairavi Desai, Geschäftsführerin der Gewerkschaft New York Taxi Worker Alliance bei einer Kundgebung am Mittwoch. Schon jetzt weise Uber in seinem Börsenprospekt darauf hin, dass man den Fahrern zu viel bezahle und die Kosten senken werde. Für Desai ist klar: "Mit dem Börsengang nimmt Uber Milliarden ein, während die Fahrer in Armut und Insolvenz zurückgelassen werden."

USA Taxi Krise l Uber-Börsengang am Freitag (DW/S. Kessler)

Uber-Fahrer befürchten eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen

Wer in diesen Tagen in Uber investiert, geht vor allem eins ein: Eine Wette auf die Zukunft. Weder ist klar, ob das Unternehmen jemals profitabel arbeiten wird, noch ob autonome Autos in absehbarer Zeit auf die Straße kommen. Das Unternehmen zeigt sich zwar überzeugt, die Verluste in den kommenden Jahren deutlich nach unten schrauben zu können, die Realität aber spricht eine andere Sprache. Haben die Fahrer mit ihren Forderungen nach mehr Gehalt Erfolg und der Streik zeigt seine Wirkung, werden Ubers Verluste weiter steigen.

Dieser Bericht wurde am 10.5. aktualisiert.

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