Fahrdienst: Ist Uber 100 Milliarden Dollar wert? | NRS-Import | DW | 11.04.2019
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Börsengang

Fahrdienst: Ist Uber 100 Milliarden Dollar wert?

Protestierende deutsche Taxi-Fahrer fürchten um ihre Existenz, Anleger in New York wittern ein Milliardengeschäft: Der Fahrdienst-Anbieter Uber zeigt in dieser Woche seine ganze Zwiespältigkeit.

Uber stellt die Weichen für einen der größten Börsengänge seit Jahren. Das Unternehmen will seine Aktien an der New York Stock Exchange unter dem Tickerkürzel "UBER" listen lassen, wie aus dem am Donnerstag nach US-Börsenschluss veröffentlichten Wertpapierprospekt hervorgeht.

Der Antrag enthält die Ergebnisse der vergangenen Geschäftsjahre: Uber steigerte den Umsatz 2018 im Jahresvergleich um 42 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar und machte einen Nettogewinn von knapp einer Milliarde Dollar. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen fiel jedoch ein Minus von 1,85 Milliarden Dollar an. 

Details noch nicht genannt 

Details wie das genaue Datum des Börsengangs - im Gespräch ist der Mai - und wieviel Geld Uber bei Anlegern einsammeln will, blieben zunächst unklar. Zwischenzeitlich hatten Banken, die mit der Vorbereitung des Börsengangs betraut werden wollten, laut US-Medien bereits eine Gesamtbewertung von bis zu 120 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Zuletzt hieß es jedoch, dass es wohl eher 100 Milliarden Dollar werden dürften.

Der Ausgabepreis für eine Aktie schwanke derzeit zwischen 48 und 55 Dollar, berichtete das "Wall Street Journal" am Mittwoch. Schon jetzt wird Uber von privaten Investoren kräftig unterstützt. Uber - gegründet 2009 - strebt inzwischen auch eine Führungsrolle bei der Entwicklung selbstfahrender Autos an. Hauptaktivität von Uber ist aber nach wie vor die Vermittlung von Fahrangeboten über Smartphone-Apps.

Taxis im Schritttempo

Das Unternehmen ist inzwischen in mehr als 60 Ländern aktiv - mit ganz unterschiedlichen Angeboten, je nach Rechtslage. Damit ist Uber zu einer Konkurrenz für die etablierten Taxiunternehmen geworden. Für wie gefährlich die bisherigen Taxifahrer diese Konkurrenz halten, konnte man diese Woche in Deutschland sehen. Tausende Taxis ohne Fahrgäste schlichen im Schritttempo durch auf viele Hauptverkehrsadern: In rund 30 Städten demonstrierten Taxifahrer gegen die geplante Liberalisierung des Fahrdienstmarktes in Deutschland, der Verkehr war teilweise erheblich blockiert.

Deutschland Protest von Taxifahrern in Berlin (picture-alliance/dpa/M. Skolimowska)

Anti-Uber-Aktion von Berliner Taxis am Mittwoch

Schon jetzt, berichtete ein Fahrer in Berlin, lägen seine Umsatzeinbußen wegen der neuen Konkurrenz bei zehn bis 20 Prozent. Käme die Reform des entsprechenden Personenbeförderungsgesetzes, sei seine Existenz bedroht. Uber bietet nämlich deutlich billigere Fahrten an, wenn die Rechtslage das erlaubt. In Deutschland ist das nur erst in Ausnahmefällen so, die Regierung arbeitet aber an einer Lockerung der strengen Vorgaben für das Fahrgastgewerbe.

In 750 Städten weltweit

Uber ist deshalb billiger, weil es in der Regel keine eigenen Autos für sein Angebot hat, sondern sich auf die Vermittlung von Fahrten via Smartphone beschränkt. Der Fahrer tritt dabei als eigener Unternehmer auf. Uber kassiert eine Gebühr - und das in 750 Städten weltweit.

Inzwischen hat Uber sein Angebot erheblich ausgeweitet. Der Konzern mischt mit bei der Auslieferung von Essen, bietet in der US-Stadt San Diego einen Paketservice an, hat Elektroräder und -tretroller im Angebot, baut unter dem Namen UberFreigt eine eigene Lkw-Flotte auf und will eben auch beim autonomen Fahren mit eigenen Entwicklungen ganz vorn mitmischen.

City Mobilität durch E-Scooter (Getty Images/M. Tama)

Auch ein Uber-Angebot: E-Tretroller in Los Angeles

Weltweit geht es in diesem Mobilitätsgeschäft um ein Business im Umfang von 250 Milliarden Dollar, wenn die Schätzung des Fondsmanagers Dan Morgan von Synovis Trust stimmt. Das deutsche "Handelsblatt" zitierte in dieser Woche aus seiner Analyse. Uber werde sich davon wohl knapp zwei Drittel sichern. Auf ein weiteres knappes Drittel zielt demnach Konkurrent Lyft.

Der Konkurrent enttäuschte an der Börse

Lyft ist zwar kleiner als Uber, hat den Weg an die Börse aber früher geschafft als der große Konkurrent. Allerdings zeigten Anleger sich bald nach dem Börsenauftritt enttäuscht von Lyft - das ist vom Börsenwert her nun rund 20 Milliarden Dollar schwer. Nach dem Debüt an der Wall Street Ende März legte Lyft nach anfänglichen Kursgewinnen zuletzt eine eher glanzlose Entwicklung hin. Am Mittwoch notierten die Papiere des Fahrdienstvermittlers, der wie Uber bislang vor allem Verluste einfährt, rund zehn Prozent unterhalb des Ausgabepreises. 

ar/hb (dpa, afp – Archiv)

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