TV-Serien made in Germany: Derrick, Weissensee oder Deutschland 83 | Filme | DW | 20.09.2015
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Filme

TV-Serien made in Germany: Derrick, Weissensee oder Deutschland 83

Nicht nur "Game of Thrones" oder "Desperate Housewives" machen Schlagzeilen, auch TV-Serien made in Germany wie "Deutschland 83" sorgen beim Publikum für Aufsehen. Die USA erkennen das Potenzial deutscher Serien.

Fototermin Deutschland 83

"Deutschland 83" - eine achtteilige deutsche Fernsehserie um einen ostdeutschen Soldaten

"Heimat" hat vor über 30 Jahren eine breite gesellschaftliche Debatte angestoßen. Edgar Reitz' Epos eines Hunsrück-Dorfes schrieb Film- und Fernsehgeschichte und konfrontierte die Deutschen mit einem Begriff, den sie lange schamvoll vermieden hatten. Plötzlich wurde wieder diskutiert: über das eigene Heimatland, über das Land der Mütter und Väter, der Ahnen.

Lange hatten breite Gesellschaftsschichten das Wort "Heimat" gemieden, zu groß waren die Bedenken angesichts der Schuld, die man sich mit dem Zweiten Weltkrieg aufgeladen hatte. Zu peinlich auch der Umgang mit dem Begriff, gerade im Zusammenhang mit Film- und Fernsehkunst. Der "Heimatfilm" der 1950er Jahre beschädigte den Begriff zusätzlich. In späteren Jahrzehnten distanzierten sich viele von den einstmals populären Filmen, weil Heimat mit Kitsch gleichgesetzt wurde.

Eine TV-Serie veränderte die Gesellschaft

Reitz gab den deutschen Zuschauern Anfang der 1980er Jahre dann mit viel Stoff zum Nachdenken. Was ist eigentlich Heimat? Was verbinden die Menschen mit Begriffen wie Herkunft, Geburtsort, Nationalität? Diese Fragen wurden damals gestellt.

Heimat: Filmstill aus Edgar Reitz' Serie mit Marita Breuer (Foto: Mary Evans Picture Library)

Marita Breuer, Hauptdarstellerin in "Heimat" von Edgar Reitz

Wenn auch eine solch durchschlagende Erfolgsgeschichte für eine TV-Serie eher die Ausnahme ist, besteht kein Grund, nicht auch mit Stolz auf deutsche Fernsehserien zurückzublicken. Hierzulande entstanden seit Beginn des Fernsehzeitalters unzählige Serien, gute wie schlechte, langlebige wie Flops, mit Preisen überhäufte wie vom Publikum verschmähte. Angesichts des Booms und des überragenden Erfolgs vieler US-amerikanischer, aber auch skandinavischer und britischer TV-Serien, gerät das leicht in Vergessenheit.

Internationaler Verkaufsschlager "Derrick"

Dabei soll hier gar nicht von einer auch im Ausland phänomenal erfolgreichen Krimi-Serie wie "Derrick" die Rede sein. Dieses Format erzählt seine Geschichten in abgeschlossenen Episoden. Klassische TV-Serien dagegen begleiten ein gleichbleibendes Figurenarsenal über viele Episoden und oft auch über mehrere Staffeln. Dazu zählen dann auch Soaps wie die Dauerbrenner der Privatsender ("Gute Zeiten, Schlechte Zeiten") oder anspruchsvollere Beispiele öffentlich-rechtlicher Sender ("Lindenstraße"). Große Erfolge feierten in Deutschland auch immer wieder sich an den Heimatfilm der 1950er Jahre anlehnende Familien- und Arztserien wie "Die Schwarzwaldklinik" (1985-1989).

Monaco Franze - Filmszene von Helmut Dietl (Foto: picture-alliance/KPA Copyright)

Legendärer Serienhit "Monaco Franze"

Deutsche Serien-Produzenten müssen sich nicht verstecken

In Deutschland würde aber niemand in Anspruch nehmen, derartige zum Teil seit vielen Jahren ausgestrahlte Formate mit den komplex angelegten US-Serien neueren Typs wie "Breaking Bad" oder "Mad Men" zu vergleichen. Doch gibt es auch hierzulande TV-Serien, die in Machart, Ästhetik, Dramaturgie und Inhalt mit den derzeit so populären Serien aus Nordamerika oder Skandinavien mithalten können.

TV-Serienpionier Helmut Dietl

Erinnert sei dabei an den Pionier in Sachen anspruchsvoller wie unterhaltsamer TV-Serie, den kürzlich verstorbenen Regisseur Helmut Dietl. Vor allem "Monaco Franze" (1983) und "Kir Royal" (1986) leisteten hier Pionierarbeit, beides Fernsehereignisse mit einem gehörigen Maß an Wortwitz und satirischer Schärfe. Auch die in den Jahren 1986-1998 entstandene Serie "Liebling Kreuzberg" nach einer Idee des Schriftstellers Jurek Becker ist bestens in Erinnerung - eine Anwaltserie, die liebevoll gesellschaftliche Zustandsbeschreibungen im Berlin der '80er und '90er Jahre auf der Mattscheibe brachte.

Migration als TV-Serienthema

Bemerkenswerte Serien des letzten Jahrzehnts sind etwa "Türkisch für Anfänger" (2006-2008), die das Thema Migration und Zuwanderung auf unterhaltsame Art und Weise in die deutschen Wohnzimmer brachte oder die Büroserie "Stromberg" des Privatsenders Pro 7.

Szene aus Im Angesicht des Verbrechens (Foto: ? / Produktionsfirma/ARD)

Mafia versus Polizei in "Im Angesicht des Verbrechens"

Internationales Niveau erreichte ohne Zweifel die von Dominik Graf in Szene gesetzte Serie "Im Angesicht des Verbrechens" (2010), die mafiöse Strukturen und Polizeiarbeit im Berlin der Gegenwart behandelt. Eine Serie, die leider von ihren eigenen Auftraggebern, dem öffentlichen Fernsehen (ARD), in Sachen Vermarktung sträflich vernachlässigt wurde.

"Im Angesicht des Verbrechens" wurde mit schlechten Sendezeiten abgespeist und weit unter Wert verkauft. Ein Schicksal, das fatal an den Umgang mit der Fortsetzung der legendären "Heimat"-Serie von Edgar Reitz erinnerte ("Die zweite Heimat" 1992). Beide Fälle zeigen: Dass Deutschland in Sachen Serienfernsehen auf internationalem Parkett nicht in der ersten Reihe mitspielt, liegt auch an mangelndem Vertrauen in die eigene Stärke.

Amerikanische Produzenten werden aufmerksam auf deutsche Serien

Doch es besteht Hoffnung. Mit dem Serienboom der US-Formate haben auch deutsche Produzenten und Fernsehredakteure das Erfolgspotential von anspruchsvollen Serien erkannt. "Weissensee", eine gelungene historische Serie über die letzten Jahren in der DDR, den Fall der Mauer und die Zeit danach, startet demnächst (29.9.) mit einer dritten Staffel im deutschen Fernsehen.

Die Hauptdarsteller der erfolgreichen Serie Weissensee: Katrin Saß und Uwe Kockisch (Foto: Fabian Bimmer dpa)

Die Hauptdarsteller der erfolgreichen Serie "Weissensee": Katrin Saß und Uwe Kockisch

Jüngstes Beispiel für diesen Trend sind Serien wie "Blochin" und "Deutschland 83". "Blochin", eine packende Polizeiserie von Regisseur Matthias Glasner mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle, feierte bei der Berlinale auf großer Leinwand Premiere und kommt nun (25.9.) ins deutsche Fernsehen.

Premiere einer deutschen Serie in den USA

"Deutschland 83" (unser Bild oben) erlebte seine TV-Premiere, nach einer ersten Kinouraufführung, sogar in den USA. Der amerikanische Bezahlsender "Sundance TV" strahlte die zeithistorische Serie im Juni aus. In Deutschland kommt sie erst im Herbst ins Fernsehen.

Und das neue weltumspannende TV-Serienprodukt "Sense8" von "Netflix" mit internationaler Besetzung wird unter anderem von Regisseur Tom Tykwer inszeniert. Es scheint, als ob amerikanische Produzenten das Potential deutscher Serienmacher erkannt haben.

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