TV-Sender wollen Fall Wedel klären | Filme | DW | 27.01.2018
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Sexualisierte Gewalt

TV-Sender wollen Fall Wedel klären

Mehrere Frauen werfen Dieter Wedel sexuelle Übergriffe bis hin zu Vergewaltigung vor. Der Saarländische Rundfunk wusste seinerzeit offenbar davon, reagierte aber nicht. Nun bemühen sich ARD und ZDF um Aufklärung.

Seit der Veröffentlichung weiterer Vorwürfe gegenüber dem Regisseur und Fernsehproduzenten Dieter Wedel in der "Zeit" vom 25. Januar 2018 steht auch der Saarländische Rundfunk (SR) in der Kritik. In einem Revisionsbericht des öffentlich-rechtlichen Senders aus dem Jahr 1980 ist von einer "gewaltsamen sexuellen Annäherung durch Herrn Dr. Wedel" die Rede. Das legt nahe, dass der Sender von den Vorwürfen gewusst haben muss. Dennoch gingen damals die Dreharbeiten nach einer Unterbrechung weiter.

Bereits vor wenigen Tagen kündigte SR-Intendant Thomas Kleist an, er wolle "alles offenlegen, damit wir schonungslos die Dinge untersuchen können". Hierfür richtete er eine Task Force ein, bestehend aus dem Justitiar, dem Kommunikationschef und der Leiterin der Intendanz. Sie sollen anhand der Aktenlage und durch Zeugenbefragungen den Sachverhalt aufklären. Auch Journalisten recherchierten mit, so der Intendant in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Wir haben unsere Archive geöffnet. Die Aufbewahrungsfristen für die Akten sind längst abgelaufen, aber sie sind da", erläuterte Kleist.

Thomas Kleist vor blauem SR-Banner. (picture-alliance/dpa/O. Dietze)

SR-Intendant Thomas Kleist

"Verdichtung von Hinweisen"

Auf die Frage nach ersten Erkenntnissen durch die Arbeitsgruppe sagte Kleist, man habe einen Arztbericht gefunden, "der bestätigt, was die Frauen vorgetragen haben". Gleichzeitig betonte er, es gebe eine "Verdichtung von Hinweisen, noch keine Beweise" gegen Wedel, für den zunächst die Unschuldsvermutung gelte. Der Regisseur weist alle Vorwürfe zurück.

Mit dem Bemühen um Aufklärung ist der SR nicht allein. So wird sich die gesamte ARD demnächst mit den Vorwürfen befassen. Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm wolle das Thema auf die Tagesordnung der nächsten ARD-Intendantensitzung Anfang Februar setzen.

Dreyer fordert präventive Maßnahmen

Tom Buhrow, der Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), sagte der "Bild"-Zeitung, auch er werde alle Kontrollmechanismen zum Schutz vor sexuellen Übergriffen auf den Prüfstand stellen. Dies gelte "gerade auch im Zusammenhang mit externen Partnern".

Produktionsunterlagen von Wedel-Firmen prüft derzeit auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) auf Hinweise zu Übergriffen. 

Die Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrates, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, dringt ebenfalls auf Aufklärung. Sie werde den ZDF-Intendanten Thomas Bellut bitten, "über die Aufklärung im Verwaltungsrat mündlich zu berichten und Vorschläge für eine Optimierung präventiver Maßnahmen zu unterbreiten", so Dreyer in der "Bild"-Zeitung vom Samstag.

Am Donnerstag teilte das ZDF mit, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass "Vorwürfe gegen Regisseur Dieter Wedel wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe schon früher senderintern bekannt waren". 

Für das ZDF hatte Wedel unter anderem bei den TV-Mehrteilern "Der große Bellheim" und "Der Schattenmann" Regie geführt.

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Debatte im Netz um den Fall Dieter Wedel

 

bb/hin (dpa, epd, FAZ)

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